Entwicklungsarbeit: „Wasser Marsch“ mitten im Himalaya

Von: Valerie Barsig
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Nepal-Projekt der Aachener Ingenieure ohne Grenzen: Die Studenten Marcel Siepmann (im Hintergrund) und Martin Stübinger mit Schülern der Schule in Phugmoche und der Lama der Schule nehmen die Wasserkraftanlage in Betrieb.

Aachen. Phugmoche – ein Wort, das für den gemeinen Aachener kaum auszusprechen ist. Dennoch liegt das nepalesische Bergdörfchen Phugmoche näher an der Stadt, als so mancher denkt: Dorthin, in die Nähe der tibetianischen Grenze, nur etwa 70 Kilometer vom Mount Everest entfernt, hat es nämlich inzwischen schon mehrmals Aachener Studenten verschlagen.

„Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Phugmoche zu erreichen“, erzählt Marcel Siepmann. Er studiert an der RWTH Wirtschaftsingenieurwesen und war zusammen mit seinem Kommilitonen Christoph Berning mehrere Wochen in Nepal. „Entweder man fliegt in die Nähe des Ortes und wandert dann noch einen Tag, um ihn zu erreichen, ohne Gepäck kann man aber auch zu einer nahe gelegenen Bushaltestelle zwei Tage lang wandern und fährt dann vierzehn Stunden nach Phugmoche.“

Beides ist ein Abenteuer, aber eines, das die Ehrenamtler von der Regionalgruppe Aachen des Vereins „Ingenieure ohne Grenzen“ gern auf sich nehmen. „Wir setzen Projekte um, in denen Ingenieurstechnik gefragt ist“, erklärt Deborah Leyendecker. Darin gehe es um Infrastruktur für Menschen, die sich durch Armut solche Grundbedürfnisse nicht leisten können. Das betreffe Strom, Wasser, Brückenbau aber auch Bildung. „Wir haben im Moment Projekte in Kenia, Indien, Sierra Leone, Nepal und Bolivien“, erzählt sie. Vor Ort suche man sich Partner, die bei der Umsetzung der Aufgaben helfen, auf die Projekte komme man durch Vorschläge.

Ingenieure ohne Grenzen ist ein Verein, der deutschlandweit existiert und in Sachen Entwicklungszusammenarbeit ein weites Netz gesponnen hat. Dafür haben sie nun den Deutschen Engagementpreis in der Kategorie Publikumspreis gewonnen. „Er ist mit 10.000 Euro dotiert und der Verein hat bestimmt, das Geld unserem Nepal-Projekt zu geben“, freut sich Deborah. Marcel war bei der Preisverleihung in Berlin dabei. „Dort den Menschen von unserem Projekt zu erzählen und das Interesse zu spüren war sehr schön“, berichtet er.

Fachpersonal fehlte

Die Probleme in Phugmoche entdeckt hat sein Mitstreiter Christoph Berning. Auf einer Wandertour in Nepal stieß er auf den Ort Phugmoche. 2005 hatte man hier eine Wasserkraftanlage gebaut. Sie sollte die Schule des Dorfes mit Strom versorgen, stand aber nur fünf Jahre später still. Fachpersonal zum Reparieren fehlte, ebenso wie passende Ersatzteile – Hilfe musste her. „Neben Strom ging es auch darum, Internet und Telefon für die Menschen dort, und besonders für die Schüler, in Gang zu bringen“, weiß Deborah.

Bedingung sei aber gewesen, dass die Materialien im Land erhältlich seien und dass Fachpersonal ausgebildet werde, damit auch in Zukunft die Wasserkraftanlage repariert werden könne. „Wir stehen beobachtend und beratend zur Seite“, sagt Deborah. Neben der Reparatur der Anlage musste auch noch das Stromnetz im Dorf überarbeitet werden.

„Die verwendeten Kabel waren einfach zu dünn.“ Auch die bestehende Regelung der Anlage haben die Ingenieure zuverlässiger gemacht. Sie soll dafür sorgen, dass zu viel erzeugter Strom in Wärme umgewandelt werden kann – im kalten Nepal eine gute Alternative zu Wärmeerzeugung durch immer weniger nachwachsendes Holz. Außerdem haben sie eine Notabschaltung installiert: Sie sorgt dafür, dass in Zukunft die Wasserzufuhr zur Turbine unterbrochen wird, sollte der Generator heiß laufen und die Gefahr bestehen, dass er beschädigt wird.

Arbeiten im Team

Improvisieren und die Arbeit im Team: „Das hat den Besuch dort ausgemacht“, erzählt Marcel. Nepal, das sei eine andere Welt. „Die Kultur dort ist etwas ganz besonderes. Die offene Art der Menschen, hat mich beeindruckt.“ Nachdem die Stromversorgung wiederhergestellt ist, soll das Wissen weitervermittelt werden. „Als nächstes wollen wir Workshops veranstalten, um die Technik der Anlage zu vermitteln“, sagt Deborah. Die Nepalesen sollen ohne Hilfe Reparaturen durchführen können und auch in den umliegenden Dörfern von Phugmoche sollen Wasserkraftanlagen repariert und installiert werden – für die Ingenieure aus Aachen gibt es also noch eine Menge zu tun.

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