Entkernung des Kurhauses: Spielcasino entpuppt sich als Schatztruhe

Von: Robert Esser
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...kilometerlange Ketten müssen von der Decke demontiert werden... Foto: Michael Jaspers
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...genauso wie Verschalungen, hinter denen Marmor gefunden wurde. Foto: Michael Jaspers
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Was für ein Entree! Zum Start der Entkernung des Kurhauses entdeckten Handwerker drei hinter Spiegeln versteckte Wandgemälde... Foto: Michael Jaspers
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...mit historischen typischen Thermalmotiven. Foto: Michael Jaspers
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Hausmeister Alois Kröll zeigt die imposante Belüftungsanlage in großen Spielsaal,... Foto: Michael Jaspers
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...und Projektleiter Wilfried Sterck freuen sich über den Fund. Foto: Michael Jaspers
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Der Chef des Gebäudemanagements, Klaus Schavan,... Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist schon ein Glücksspiel, obwohl das Spielcasino noch gar nicht wieder eingezogen ist. „Wir kratzen jetzt überall an der Oberfläche, schauen hinter jede Wand“, sagt Klaus Schavan, der Chef des städtischen Gebäudemanagements. Die drei jeweils rund sechs Quadratmeter großen Wandgemälde, die Bauarbeiter bei der Entkernung des Neuen Kurhauses an der Monheimsallee überraschend entdeckt haben, will man nun auf jeden Fall erhalten.

Zugerechnet werden die Werke dem österreichischen Künstler Carl Ederer (1875-1951). Denkmalbehörde und Gutachter sollen den Wert einordnen. Auf AZ-Nachfrage rät dies auch Kunstexperte Reiner Singer vom renommierten Auktionshaus Van Ham in Köln. „Ein schöner Fund für Aachen. Großartig! Es wird spannend sein, die Werke nun genauer zu inspizieren“, erklärt er.

Ederer, geboren in Wien, hatte 1910 eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf angenommen. Als Mitglied des dortigen Kunstvereins sollen Ederer und einige Mitarbeiter mit der Gemäldegalerie im Foyer des Neuen Aachener Kurhauses 1916 beauftragt worden sein.

Als Motive wurden Aachen-typische Bäder- und Thermalszenen gewählt. Aber dies war den Betreibern des ersten Spielcasinos in Aachen Anfang der 1970er Jahre offenbar zu bunt. Sie pappten beidseitiges Klebeband hinter riesige Spiegel und deckten die Werke ab, anderes wurde kurzerhand weiß übertüncht. Zwei große kaiserliche Standbilder – Karl der Große und Wilhelm II. – unter dem Giebeldach wurden weggebrochen. Schätze birgt das mittlerweile marode Gemäuer am Kurpark allerdings noch genug.

Weswegen Schavan, Projektleiter Wilfried Sterck und die Handwerker nun äußerst behutsam die notwendige Entkernung einleiten. „Wir erwarten noch einige Funde. Das gehen wir in Ruhe an, unser Zeitplan ist nicht gefährdet. Unter dem Teppich fanden wir den historischen Marmorboden, Marmor gibt es auch hinter überputzten Säulen im Foyer. Sogar Gold an Deckenvertäfelungen haben wir schon freigelegt“, so Schavan. Er betont: „Wir wollen so viel wie möglich in den Originalzustand versetzen – dabei muss man allerdings abwägen und die richtigen Akzente setzen.“

Ein schwieriger Prozess, der jetzt anläuft. Bis Mai soll ein Generalbauunternehmer gefunden sein. Mitte 2020 soll die rund 20 Millionen Euro teure Sanierung abgeschlossen sein. Wo die großen Wandgemälde aufgetaucht sind, sollen Menschen dann links ins verkleinerte Spielcasino strömen. Im rechten Flügel will das Eventmuseum Explorado multimedial Kunst wie die Sixtinische Kapelle ausstellen.

Im Mitteltrakt favorisiert man gehobene Gastronomie, vielleicht im Stil eines Wiener Kaffeehauses. Vorher müssen noch tausende Ketten, die mit einer Gesamtlänge von 40 Kilometern von der Decke baumeln, mit Spezialkränen demontiert werden. „Alles muss raus: Heizung, Lüftung, Elektrik“, sagt Schavan. Eine Mammutaufgabe.

Auch eine Etage tiefer im ehemaligen Club Zero: Die frühere Nobeldiskothek könnte künftig als Pokerzone oder Kleinkunstbühne herhalten. Zuerst müssen die asbesthaltigen Verschalungen raus. Am neuen Fluchtwegekonzept arbeitet man laut Sterck bereits.

In jedem Fall soll das Neue Kurhaus nach der Generalsanierung und dem Einzug von Spielbank und Co. als echtes Schmuckstück glänzen. Explorado will 80.000 Besucher pro Jahr locken. Darüber freut sich auch Harro von Putkamer, der als kaufmännischer Direktor die ersten 18 Jahre des Spielcasinos ab 1976 mitprägte. „Damals zählten wir durchschnittlich 1000 Gäste pro Tag. Es ist fantastisch, dass die Stadt dieses prachtvolle Haus wieder belebt“, sagt er auf Nachfrage. Glückssache eben.

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