Aachen - Entchen angeln in den Rinnsteinen

Entchen angeln in den Rinnsteinen

Von: Thorsten Karbach
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Dunkle Wolken vermiesen die Bilanz - und machen einsam: Der Sommerbend ist zumindest am Sonntag und Dienstag größtenteils ins Wasser gefallen. Jedenfalls betriebswirtschaftlich. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Bei Kevin Hoffmann können sich die Karnevalisten auf den Kopf stellen. Und das in 55 Metern Flughöhe. Kevin Hoffmann ist der Mann, der mittels Knopfdruck die Menschen auf seinem „Booster Maxxx” auf 100 Stundenkilometer beschleunigt und dabei im Wortsinne auf den Kopf stellt.

Am Dienstag war der Tag der Karnevalisten auf dem Öcher Bend, abends spielten „die Räuber”.

Bendmanager Peter Krings hat den Auftritt ins Zelt verlegt. Krings will die Karnevalisten nicht im Regen stehen lassen. Und auch das ist im Wortsinne gemeint. Der Sommerbend geht zwar nicht den Bach hinunter, aber verhagelt haben der dauerverregnete Sonntag und der trübe Dienstag den Schaustellern die Bilanz nachhaltig. „Am Sonntag hätte ich in den Rinnsteinen Entchen angeln können”, sagt Hoffmann.

Tatsächlich plätschern die Entchen in ihren Kirmesbudenbahnen und Hoffmann bedient den Booster, das schnellste transportable Flugkarussell seiner Art, wie er versichert. Mit Beschleunigungskräften, denen sonst Düsenjägerpiloten ausgesetzt sind, rauschen drei Bendbesucher durch die kalte Luft.

Hoffmann sitzt warm und trocken. Die Booster-Fahrer sitzen im Nieselregen. „Der fühlt sich an wie Nadelstiche. Mir tun die Menschen ein wenig leid, aber sie wollen ja fahren”, sagt er. Vier sind es bei dieser Runde. 16 Plätze hat das Fahrgeschäft. „So ein Wetter wie am Sonntag kennt man sonst nur vom Winter-Dom in Hamburg. Und dort rechnen wir mit diesem Wetter. Aber nicht im August in Aachen”, sagt er. Und gerechnet hat sich der Sonntag damit ganz und gar nicht.

Dabei hat er die Sonne gleich vor Augen. Denn wer die Sonne sucht, der muss zur Raupenbahn. Dort ist sie, in sattem Gelb auf die Fassade gepinselt. Kräftig strahlend, junge Frauen bräunend. Aber eben nur ein Bild, das zum Träumen einlädt.

Und es müssen nicht mal Palmen und junge Frauen sein, ein paar Sonnenstrahlen würden Erika Dreher schon genügen. 45 Jahre ist die Schaustellerin unterwegs. Landauf, landab. Ihr „Break-Dance” ist ebenso rasant wie beliebt - und stand am Sonntag meist still. „So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt. So extremer Regen - einmalig. Ich war froh, als ich um 21 Uhr dichtmachen konnte”, sagt Dreher. Die Tageseinnahmen waren nicht der Rede wert. Deswegen schweigt Dreher an diesem Punkt.

Dafür spricht Peter Krings. Er ist der Bendmanager des Eurogress und für das 125-Buden- und -Fahrgeschäfte-Volksfest verantwortlich. Er hat im Regen das Wechselbad der Gefühle der Schausteller mitverfolgt. Freitag? Gut. Samstag? Sehr gut! Montag? Gut. Dienstag? Nicht gut. Und der Sonntag? „Ein absoluter Nulltag. Ich habe vor drei Jahren mit Schnee und Eis begonnen. Aber selbst da stand nicht alles still. So ein Sonntag ist nicht mehr einzuholen”, sagt er. Schausteller sind eben auf gutes Wetter angewiesen. Und die Einnahmen eines trockenen Sonntags entsprechen denen einer halben Woche.

Und deswegen sieht Hans Schneider aus wie sieben Tage Regenwetter und nicht wie zwei. „Guckt doch mal zum Himmel”, brummt er zwischen den baumelnden Stofftieren (Gewinnen) seines Euroballs. „Verregnete Tage kennen wir, aber das?”

61 Jahre ist er alt, mit 18 begann sein Schaustellerleben. Er habe gute und schlechte, also sonnige und verregnete Tage erlebt. „Aber den Sonntag werde ich so schnell nicht vergessen”, sagt er. Im August ist er nach Aachen gefahren. Mitten im Herbst ist er angekommen. Der Sommerreporter an diesem Mittwoch ist viel mehr ein Herbstreporter.

Während Kevin Hoffmann seine Booster-Fahrer auf den Boden zurückholt, schaut Karla Dreßen zum Himmel. „Deprimierend. Der Sonntag fehlt in der Abrechnung”, sagt die Gastronomin. Am Sonntag habe sie mehr Bratwürste wegwerfen müssen als verkauft.

„Das Wetter muss einfach besser werden. Was bleibt, ist unsere Zuversicht.” Auf den Familientag am Mittwoch (ab 14 Uhr), auf das zweite Wochenende. „Was meinen Sie, wie ich die Daumen drücke”, ruft Dreher. Und Hoffmann drückt auf einen Knopf. Der Booster nimmt Fahrt auf. Der Bend braucht den Schlussspurt.
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