Aachen - Engagierter Einsatz für Häftlinge ist unter neuem Dach gesichert

Engagierter Einsatz für Häftlinge ist unter neuem Dach gesichert

Von: Rolf Hohl
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Aachen. Helfende brauchen manchmal auch selbst Unterstützung. So wie die Straffälligenhilfe Aachen (SHA), die Ende vergangenen Jahres wegen Forderungen der Deutschen Rentenversicherung Insolvenz anmelden musste.

Diese stehen noch immer im Raum und werden zurzeit vor dem Sozialgericht verhandelt. Doch auf einen Richterspruch konnte die SHA nicht warten. Man entschied sich daher, nach einem Übernahmepartner zu suchen, um die unerlässliche Arbeit der Einrichtung fortsetzen zu können.

Nun steht das Ergebnis dieser Suche fest: Nach über 30 Jahren Eigenständigkeit wurde die ehemalige SHA in das paritätische ABK-Hilfswerk mit Sitz in Herzogenrath eingegliedert, wo sie jetzt unter dem Namen ABK-Neustart ihre Arbeit fortsetzt. Dazu habe es auch gar nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht, wie ABK-Geschäftsführer Fred Perlbach betont. „Es ist schon aus sozialpolitischer Sicht fragwürdig, dass ein so wichtiger Träger wie die SHA über Rentenforderungen stolpern kann und dadurch in seiner Existenz bedroht wird“, erklärt er.

Besagte Forderungen wurden Mitte 2017 von der Deutschen Rentenversicherung für die Jahre 2012 bis 2015 erhoben, weil in diesem Zeitraum mehrere Freiberufler als Scheinselbstständige für die SHA tätig gewesen sein sollen. Dafür hätte die Straffälligenhilfe einen sechsstelligen Betrag an Nachzahlungen leisten sollen, was diese schließlich in diese Notlage gebracht hat.

Der ehemalige Geschäftsführer der SHA, Martin Czarnojan, wird jetzt als Fachbereichsleiter unter dem Dach der ABK („Aufbauen, Begleiten, Kooperieren“) für die Unterstützungsangebote für Straffällige verantwortlich sein. Er sei froh, dass trotz des Wirbels um die Übernahme auch über die Weihnachtszeit die Arbeit in vollem Umfang habe fortgesetzt werden können: „Gerade zum Jahresende werden viele Inhaftierte entlassen, die dann oft keine sozialen Kontakte mehr haben und nur mit ihren Entlassungspapieren in ihrem Heimatort aufschlagen“, so Czarnojan. Hier seien die Übergangswohnungen der ABK-Neustart auch weiterhin ein wichtiges Sprungbrett, um etwa soziale Kontakte zu knüpfen und wieder eine feste Wohnung und einen Arbeitsplatz zu finden.

Damit nicht genug der guten Nachrichten. Denn die 14 noch verbliebenen festen Mitarbeiter der ehemaligen SHA wurden vollständig übernommen und arbeiten nun zusammen mit den rund 100 ehrenamtlichen Helfern weiter. Wichtige Leistungen innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern – wie Suchtprophylaxe, Schuldenprävention und Unterstützung bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft stehen damit wieder auf gesichertem Fundament.

Dass diese Unterstützung und der reichhaltige Erfahrungsschatz der Helfenden nach jahrzehntelangem erfolgreichem Engagement erhalten bleibt, sei schließlich im Interesse der Gesamtbevölkerung – und weit mehr als bloß ein schöner Glücksfall –, meinen nicht nur die Sozialarbeiter aus der Einrichtung an der Königsstraße.

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