Endlich auch Platz für weniger gut Betuchte

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Neue Offenheit: Leiterin Miriam Schunck und ihre Kolleginnen Simone Zaverl und Irnina Wischnewski (von links) freuen sich über die neuen Möglichkeiten der Kita. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die kleine Milena ist sehr neugierig. Gerade ergründet sie die Funktion eines Fahrradtaschen-Verschlusses. Milena ist zwei Jahre alt und wird täglich in der Kita Seemöwe betreut. Seit 2005 bietet diese Einrichtung in der Lothringer Straße Betreuung für Kinder unter drei Jahren an.

Von den radikalen Veränderungen des vergangenen Jahres hat das aufgeweckte Mädchen trotz aller Neugierde nichts mitbekommen. Miriam Schunck umso mehr. Quasi ein neues Unternehmen habe sie gegründet – bei laufendem Betrieb. Seit vergangenem Sommer ist die Kita Seemöwe kein so genanntes privatgewerbliches Unternehmen mehr, sondern eine gGmbH. „Es war für uns die letzte Möglichkeit, die Einrichtung zu retten“, erklärt die Sozial-Pädagogin.

Ehemals Unternehmensinhaberin, ist sie nun Geschäftsführerin und alleinige Gesellschafterin der als gemeinnützig anerkannten Einrichtung. Denn was 2005 für Eltern noch attraktiv war, wurde spätestens mit Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr nicht mehr wettbewerbsfähig. Während Einrichtungen der Stadt, der Kirchen und der freien Träger nach dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz) öffentliche Gelder bekommen, konnte Schunck nur mit den Beiträgen der Eltern rechnen.

„Für einen 45-Stunden-Platz zahlten sie 1000 Euro, in Kibiz-geförderten Einrichtungen maximal 360 Euro im Monat. Wir haben unsere Plätze irgendwann nicht mehr voll bekommen“, sagt Schunck. Versuche, mit Unternehmen zu kooperieren, wie es große gewerbliche Einrichtungen machen, sind ebenfalls ins Leere gelaufen. „Dafür sind wir zu klein.“

„Froh um jede Einrichtung“

In die von der Stadt berechnete Versorgungsquote von 41,87 Prozent ab Sommer fließen auch U3-Plätze ein, die nicht subventioniert werden. „Darin sind privat-gewerbliche Unternehmen eingerechnet, aber auch Spielgruppen, die sich nur wenige Stunden in der Woche treffen“, erklärt Björn Gürtler vom Presseamt. Zum nächsten Kindergartenjahr werden das 220 Plätze sein, davon 120 privat-gewerbliche.

Die Kita Seemöwe hat also auch ohne Subventionen immer schon zum landesweit sehr guten Versorgungsergebnis Aachens beigetragen. „Wir sind aber froh um jede Einrichtung, die Kibiz-gefördert ist. Da sind bestimmte Standards einfach gesichert“, so Gürtler.

Nach Veränderung der Rechtsform, vielen Investitionen auch von privatem Geld, der erneuten Begutachtung durch das Landesjugendamt, der Stellung von Anträgen und dem Bangen um einen positiven Bescheid der Stadt ist die Kita Seemöwe nun als freier Träger anerkannt und ab 1. August kibizgefördert. Die Kita „Bärenstark“ aus Burtscheid ist einen ähnlichen Weg gegangen: Hier wurde ein Verein gegründet. Jetzt sind die Plätze wieder heiß begehrt.

Und Milena? Sie wird auch weiterhin nicht viel von den Veränderungen merken: Die Öffnungszeiten von 7 bis 18 Uhr sollen bleiben, ebenso die pädagogische Ausrichtung. Schunck kann jetzt allerdings endlich bei der Vergabe der Plätze auch sozial schwache Familien berücksichtigen.

„Das habe ich mir schon lange gewünscht.“ Und sie kann jetzt ein regelmäßiges Gehalt beziehen und ihre Mitarbeiterinnen besser bezahlen. „Vorher waren wir zwar gewerblich, von Gewinn konnte allerdings keine Rede sein. Das, was überblieb, habe ich zum Beispiel in mehr Personal gesteckt.“

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