Aachen - Ende einer erfüllten Organistenkarriere

Ende einer erfüllten Organistenkarriere

Von: Thomas Beaujean
Letzte Aktualisierung:
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Eine musikalische Ära geht zu Ende: Norbert Richtsteig präsentierte im Dom einen würdigen Abschied zum Ende seiner Karriere.. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Eine Ära ist zu Ende gegangen. Norbert Richtsteig, mehr als ein Vierteljahrhundert Aachener Domorganist, nahm in einem Konzert im bis zum letzten Platz besetzten Dom Abschied von „seiner“ Orgel. Und er tat dies mit einer Thematik, die ihn in diesen langen Jahren immer wieder brillieren ließ: mit einem Improvisationskonzert.

Wer Richtsteig in den Gottesdiensten im Dom immer wieder hören konnte und Freude an seinen liturgischen Improvisationskünsten hatte, wer genießen konnte, wie er kaum merklich und mit einer raffinierten Harmonik von einem Lied zum nächsten überleitete, der konnte dies in dem Abschiedskonzert noch einmal in geballter Form erleben.

Richtsteig hatte sein Programm in zwei Blöcke aufgeteilt: Im ersten improvisierte er über drei Kirchenlieder, die die Hörer zu Beginn des Konzertes selber aussuchen konnten. Gewählt wurden „Christ ist erstanden“, aus dem Richtsteig einen schwungvollen Marsch machte, „Wir wollen alle fröhlich sein“ als heitere Pastorale, und schließlich „Freu dich, du Himmelskönigin“ in Form eines barocken Concerto grossos. Das war phantasievoll und in der Stilistik äußerst abwechslungsreich.

Im zweiten Teil wagte sich Richtsteig an die Großform einer Sinfonie in spätromantischer Harmonik von nahezu einer Stunde Dauer. Wer sich darauf einlässt, der muss ein großes Vertrauen in seine formale Dispositionskunst haben und in der Lage sein, große Spannungsbögen aufzubauen.

Nichts dem Zufall überlassen

Richtsteig hatte seinem Publikum einen Zettel mit thematischem Material mitgegeben, aus dem er die einzelnen Sätze aufbauen wollte. Und ein Blick darauf genügte um festzustellen, dass hier nichts dem Zufall überlassen war, sondern dass die Themen auf Kombinierbarkeit hin konstruiert waren. So baute denn Richtsteig aus dem ersten Satz einen veritablen Sonatenhauptsatz mit langsamer Einleitung, der zweite Satz, ein atmosphärisch dichtes, ausgedehntes Adagio, lebte von der Kombinierbarkeit seiner beiden Themen. Das schnelle Scherzo ließ mit seinen pulsierenden Vierteln an Anton Bruckner denken, das ländlerhafte Trio an Franz Schubert.

Und nachdem Richtsteig vor dem Finale noch einmal die Themen der vorhergehenden Sätze zitiert hatte, zauberte er eine Doppelfuge mit allen kontrapunktischen Finessen, die der Formkanon bietet, bevor er den Zyklus zu einem triumphalen Abschluss führte.

Das war Musik für Feinschmecker, aber mit all ihrer Farbigkeit der Registrierung, ihren grandiosen und wohldisponierten klanglichen Steigerungen auch Musik für den weniger analytischen Hörer, der einfach hinhören und sich tragen lassen konnte. Ein würdiger Abschluss einer erfüllten Organistenkarriere.

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