Aachen - Elisengarten: Immer Ärger mit dem „Faktor Mensch“

Elisengarten: Immer Ärger mit dem „Faktor Mensch“

Von: Oliver Schmetz
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Und wieder ein Fall von Vandalismus im Elisengarten: Die neuen Pflastersteine vor den beliebten Sitzstufen sind schön – ärgerlich nur, dass immer wieder etliche von ihnen verschwinden. Einbetonieren will die Stadt die Steine aber nicht. „Das würden wir in einem Garten nie machen“, sagt Stadtplanerin Gertrude Helm. Foto: Michael Jaspers
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Stein für Stein: Jan Bougé, Azubi beim Aachener Stadtbetrieb, pflastert mit seinen Kollegen vor den Sitzstufen im Foto: Andreas Steindl

Aachen. Gleich neben der neuen archäologischen Vitrine, in der altes Gemäuer aus mehreren Jahrtausenden zu bestaunen ist, fehlt es an – Steinen. Und zwar solchen neueren Datums. Zumindest wurden sie erst vor kurzem vor den Sitzstufen verlegt – und sind trotzdem zum Teil schon wieder weg.

Ein klarer Fall von Vandalismus, womit die Story vom Elisengarten und seinen Besuchern so langsam das Zeug zur unendlichen Geschichte hat. Zunächst waren es in dem bis 2009 für drei Millionen Euro umgestalteten Park die preisgekrönten Pläne, denen das rechte Gespür für das Verhalten der Nutzer fehlte.

Die nämlich stimmten mit den Füßen über die Ideen des Berliner Büros „Lützow 7“ ab und rannten das Wegekonzept über den Haufen. Hässliche Trampelpfade und Rasenstücke, auf denen kein Halm mehr wuchs, waren die Folge. „Der Elisengarten wäre prima, wenn man etwas früher den Faktor Mensch bedacht hätte“, kommentierte Peter Maier, kommissarischer Leiter des Stadtbetriebs, seinerzeit das ständige und nicht zuletzt auch kostenintensive Nachbessern in dem neuen Park.

Dann fehlte den Besuchern die nötige Geduld. Kaum jemand wollte dem Gras aus der nötigen Entfernung beim Wachsen zusehen, das zarte Grün wurde – Absperrungen hin oder her – immer wieder plattgetrampelt. Vor allem vor den besonders beliebten Sitzstufen paaren sich dabei Planungsfehler und Rücksichtslosigkeit. Denn zunächst musste das Gras dort leiden, weil die Betonplatten am Boden viel zu schmal bemessen waren. Deshalb hämmerten Azubis des Stadtbetriebs dort im vorigen Oktober und dann im März reihenweise schöne Pflastersteine ins Erdreich – auf dass die vielen Besucher, die den Elisengarten frequentieren, vor den Stufen widerstandsfähigeren Boden betreten können. Dass sie dabei nun aber aufpassen müssen, nicht in größere Löcher zu stolpern, liegt daran, dass manche Zeitgenossen die hübsche Pflastersteinidee mit Füßen treten und die Dinger ausbuddeln. Dieser erneute Ärger mit dem Faktor Mensch macht Gertrude Helm, Abteilungsleiterin Stadterneuerung und Stadtgestaltung bei der Verwaltung, wütend: „Ich bin fassungslos, das ist eine Sauerei.“ An der Idee wolle man aber festhalten, bekräftigt die Verwaltungsfrau tapfer: „Ein paar fehlende Steine stellen unsere Lösung nicht infrage.“ Zwar habe man zuerst vorgehabt, die vorhandenen Betonplatten zu ergänzen, doch seien diese nicht mehr verfügbar gewesen – und eine Sonderanfertigung zu teuer. Außerdem seien die Pflastersteine „viel schöner“.

Dem könnte man zustimmen, wenn sie nicht regelmäßig abhanden kämen. Doch sieht man bei der Stadt noch keinen Handlungsbedarf – abgesehen davon, dass man „nachpflastern“ will. Die Steine einbetonieren, wie es etwa AZ-Leser Jürgen Baurmann als regelmäßiger Besucher des Elisengartens empfiehlt, will Helm nicht: „Das würden wir in einem Garten nie machen, wir betonieren ja auch keine Blumen ein.“ Und die Vermutung, dass die Stadt in dieser Frage mit „Lützow 7“ über Kreuz liege, weist sie zurück: „Im Gegenteil, da sind wir mit den Architekten auf einer Linie.“

So setzt die Verwaltung neben dem Nachpflastern auf die Vernunft der Menschen. „Ich appelliere an alle Nutzer, der Unkultur Vandalismus entgegenzutreten“, sagt Helm. Dann könnten die Steine vor den Stufen doch noch einmal richtig alt werden – bevor sie in ein paar tausend Jahren vielleicht ganz legal ausgegraben werden. Und den Archäologen der Zukunft etwas erzählen von der unendlichen Geschichte vom Elisengarten und dem Faktor Mensch.

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