Aachen - Elisengarten: 5000 Jahre Stadtgeschichte erneut ausgebuddelt

Elisengarten: 5000 Jahre Stadtgeschichte erneut ausgebuddelt

Von: Oliver Schmetz
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Mit den Füßen in der Römerzeit legt er Hand ans Mittelalter: Stadtarchäologe Andreas Schaub freut sich, dass er seine Funde im Eisengarten nach mehr als drei Jahren wiedersieht. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Andreas Schaub steht in der Grube und strahlt. Aber für einen Forscher muss es auch ein tolles Gefühl sein, mit den Füßen in der Römerzeit zu stehen und gleichzeitig mit einer kleinen Kelle am Mittelalter herumzukratzen. Und ein paar Meter weiter geht es noch ein kleines Stückchen hinunter – ab in die Steinzeit.

„Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Aachens Stadtarchäologe und meint damit die Funde, die bei den archäologischen Untersuchungen vor der Umgestaltung des Elisengartens entdeckt worden sind und nun auf engstem Raum eine Zeitreise durch 5000 Jahre Stadtgeschichte erlauben.

Über drei Jahre verschwunden

Andreas Schaub strahlt aber auch, weil diese römischen und mittelalterlichen Mauern jetzt wieder zum Vorschein kommen. Im Oktober 2009 hatte man sie sorgfältig abgedeckt mit einer Vliesplane, mit Sand und Kies. Damals ahnte keiner, dass es mehr als drei Jahre dauern würde, bis man die wertvollen Relikte wieder ausgräbt.

Eigentlich sollten die Funde nur winterfest gemacht werden, bis dann im Jahr darauf eine imposante archäologische Vitrine die Schätze aus Aachens Vergangenheit angemessen ausstellen sollte. Doch das Projekt kam ins Stocken, der Entwurf des Aachener Architekturbüros Kadawittfeld lag lange auf Eis, weil die Finanzen Sorge bereiteten. 864 000 Euro kostet der Bau alles in allem, 175.000 davon hätte die Stadt stemmen müssen – und erst als das Hightech-Unternehmen DSA als Sponsor diesen Betrag übernahm, konnte man den futuristisch anmutenden Bau im Elisengarten in Angriff nehmen.

Die stählerne Gitterhülle, die die knapp 70 Quadratmeter große Fundstelle umgibt, steht schon seit einigen Wochen. Gestern nun haben Arbeiter mit einem großen Saugrüssel begonnen, die groben Grabungsarbeiten vorzunehmen. Zwei bis drei Tage werden sie nun Kies und Sand entfernen und dabei aufpassen, „dass von der Archäologie nichts im Container landet“, wie Schaub sagt.

Danach rücken der Stadtarchäologe und seine ehrenamtlichen Helfer vom Arbeitskreis Archäologie für die Feinarbeit an und dem Restdreck zu Leibe, mit Kelle, Spachtel und Pinsel und „Staubkorn um Staubkorn“. Ein bis zwei Wochen wird diese diffizile Arbeit in Anspruch nehmen, doch während dieser Zeit erhält die Vitrine bereits ihre gläserne Innenhülle. Ab kommendem Montag werden die ersten Scheiben installiert, irgendwann im Februar will man fertig sein, schätzen jedenfalls Wilfried Sterck, Projektleiter beim städtischen Gebäudemanagement, und Jonas Kröber vom Büro Kadawittfeld. Im März könnten dann die ersten Besucher die Vitrine besichtigen.

Kein Gras drüber gewachsen

Andreas Schaub freut sich derweil auf die exklusive Erstbesichtigung seiner damaligen Funde nach mehr als dreijährigem Verschwinden: „Ich bin gespannt, wie sie die Zeit überstanden haben.“ Sorgen scheint sich der Stadtarchäologe aber nicht zu machen, sondern ist zu Scherzen aufgelegt. „Gut dass wir damals Kies zur Abdeckung genommen haben“, sagt er. „Da konnte wenigstens kein Gras über die Sache wachsen.“

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