Elisabethhalle: Ein Schmuckstück für 900.000 Goldmark

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Blick hinter die Kulissen eines städtischen Schmuckstücks. Foto: Andreas Steindl
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Hallenleiter Ingo Diesburg führte durch bekannte und verborgene Winkel der Elisabethhalle. Foto: Andreas Steindl
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Unter den 70 begeisterten Teilnehmern der Sonderführungen waren auch Natalie und Marcel Offergeld mit ihren Kindern Lea und Emilia. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Badehose, Bikini und Schwimmflügel – das sind Utensilien, welche die rund 70 Teilnehmer bei drei Sonderführungen durch die Elisabethhalle am Samstag getrost zu Hause lassen konnten. Stattdessen hatten sie viele Fragen und der eine oder andere auch sein Smartphone für die richtigen Schnappschüsse im Gepäck.

Denn wann hat man schon einmal die Gelegenheit, hinter die Kulissen von Aachens ältester und faszinierendster Badeanstalt zu blicken?

Schwimmmeister Ingo Diesburg führte durch öffentliche und verborgene Ecken des Gebäudes, das mit einer bebauten Fläche von über 4000 Quadratmetern einiges zu bieten hat. Dabei gab er auch die eine oder andere amüsante Anekdote aus der bewegten Geschichte des Jugendstil-Schwimmbads preis. Die Idee zu den außergewöhnlichen Führungen entstand 2011 zum 100-jährigen Jubiläum der Elisabethhalle. Seitdem sind sie fester Bestandteil an einem Adventssamstag im Jahr. „Das Interesse war dieses Jahr sogar so groß, dass wir spontan eine dritte Führung angeboten haben“, so Diesburg, der seit 1978 bei der Stadt beschäftigt ist und 2009 die Leitung der Elisabethhalle übernommen hat.

Aber auch ein bisschen Fantasie war bei der Führung gefragt. Denn das Bad hat sich im Laufe seiner Geschichte gewandelt, auch wenn sein Charakter erhalten blieb. 1911 wurde die Halle mit der 31 Meter breiten Front und einer Erstreckung bis fast zum Münsterplatz an der Elisabethstraße eröffnet. 900.000 Goldmark hat der Bau unter der Leitung von Stadtbaumeister Joseph Laurent gekostet. Damals existierte hier ein irisch-römisches Bad, eine Dampfsauna, Massageräume, Ruheräume, es gab eine Wäscherei und sogar ein angegliedertes Hundebad.

Von Bombenangriffen des Krieges blieb die Elisabethhalle zwar weitgehend verschont, der Teil, in dem sich das irisch-römische Bad befand, wurde allerdings zerstört. Andere Angebote wurden im Laufe der Zeit hingegen schlichtweg überflüssig. So etwa die abschließbaren Badekabinen, in der sich Menschen früher – als es in Wohnhäusern oft nur ein Gemeinschaftsbad pro Etage gab – einmal ausgiebig in Ruhe waschen konnten. Der Besuch der Badekabinen war für viele Aachener damals purer Luxus, wie Diesburg erzählte. Heute jedoch hat fast jeder Haushalt eigene sanitäre Anlagen. Daher sind die Kabinen mit Originalmobiliar und -armaturen seit 2002 nicht mehr im Betrieb, bleiben jedoch als Zeitdokument erhalten.

Ein Stück Aachener Badekultur

Wasser fließt nun nur noch in den Duschen und natürlich den beiden Schwimmhallen des Bades. Und auch dort gab es viel zu entdecken: Nicht nur die wunderschöne Architektur versprüht den typischen nostalgischen Charme, auch die zum Teil erhaltenen Originalmaterialien, Brunnen und die für damalige Zeiten typischen Kabinen mit Vorhängen und Spiegeln, Fliesen und Geländer. Ein Stück Aachener Badekultur zum Anfassen!

Weniger prunkvoll, jedoch genau so spannend gestaltete sich der Abstieg in die Kellerräume. Denn in den zahlreichen Gängen unter dem Schwimmbad bot sich den Besuchern eine wahre Entdeckertour mit ansonsten für die Öffentlichkeit verborgenen Schauplätzen. Diesburg führte die Gäste durch das unterirdische Labyrinth, in dem zwar mittlerweile modernste Bädertechnik eingekehrt ist, wo sich aber dennoch an der einen oder anderen Stelle Relikte aus der Vergangenheit gehalten haben. Selbst die beiden großen Wannen aus Eisenbeton konnten hier einmal aus einer anderen Perspektive begutachtet werden. Aber auch völlig Unerwartetes bot sich den Gästen, zum Beispiel die Überbleibsel einer alten Handtuchtrockenanlage mit angeschlossener Schienentrasse, auf der in den Anfängen die Handtücher mit Loren transportiert wurden, sowie ein alter Luftschutzkeller mit entsprechenden Beschriftungen.

Als Alternativprogramm zum vorweihnachtlichen Treiben nutzten auch Natalie und Marcel Offergeld mit ihren Kindern Lucas (10), Lea (7) und Emilia (3) diese etwas andere Führung. „Das ist eine besondere Kulturveranstaltung, die sowohl für Erwachsene als auch für Kinder sehr interessant ist“, freute sich Natalie Offergeld. Für sie steht fest: Nach dieser Trockenschwimmübung soll schon bald der gemeinsame Familienausflug mit Badetasche in die Elisabethhalle folgen.

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