Aachen - Elektronisches Schülerticket: Aseag fordert „Selbstkontrolle“ per Chip

Elektronisches Schülerticket: Aseag fordert „Selbstkontrolle“ per Chip

Von: Matthias Hinrichs
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„Einfach fahren“: Die Botschaft auf der neuen Chipkarte fürs „School&Fun-Ticket“ stößt bei manchem auf Skepsis. Ab 8. Januar sollen Karteninhaber per Lesegerät in den Bussen prüfen, ob ihre Fahrerlaubnis in Ordnung ist. Kritiker fürchten, dass damit auch längere Wartezeiten programmiert sind. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Für diese Prognose muss man nicht einmal das kleine Einmaleins bemühen: Noch bevor die Türen zu den Klassenräumen am 30. August wieder geöffnet werden, sind tausende Schüler auf den vielzitierten „guten Einstieg“ bei der Aseag angewiesen – proppenvolle Busse und lange Warteschlangen an den Haltestellen werden sich vielerorts freilich kaum vermeiden lassen.

Spätestens nach den Weihnachtsferien könnten die täglichen Staus vor den Buspforten indes noch ein beträchtliches Stück länger werden. Denn das „School&Fun-Ticket“, das Pennälern die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs im gesamten AVV-Gebiet rund um die Uhr ermöglicht, wird seit 1. August nicht mehr in Gestalt des althergebrachten Papierausweises, sondern als elektronische Chipkarte ausgegeben.

Aus Sicht der Aseag markiert die Maßnahme einen weiteren wichtigen Startschuss zur schrittweisen Einführung des sogenannten „Elektronischen Fahrgeldmanagements“ (EFM, siehe auch Infobox). Nicht nur manche Eltern befürchten allerdings, dass besagter Schuss durchaus nach hinten losgehen könnte. Und das nicht nur, weil deren Sprösslinge künftig grundsätzlich über die hinteren Türen einsteigen müssen.

Per Rundschreiben informieren die Kapitäne der roten Flotte die Inhaber der nunmehr digitalen Ausweise dieser Tage nämlich darüber, dass sie diese beim Zustieg grundsätzlich per Lesegerät prüfen lassen müssen. Ab 8. Januar soll das Verfahren verbindlich eingeführt werden. Bis dahin sollen sämtliche Busse in den hinteren Eingangsbereichen mit sogenannten Validatoren ausgerüstet sein.

Sobald die Geräte die Chipkarte „erkannt“ haben, signalisieren sie per Grünlicht deren Gültigkeit. Ist die Karte ungültig oder beschädigt, leuchtet ein rotes Signal auf. Auch andere weit verbreitete Abokarten wie Job- oder Seniorentickets sollen die „Validatoren“ künftig erfassen.

„Man muss also nicht allzuviel Fantasie haben, um sich vorzustellen, dass diese sogenannte ,Selbstkontrolle‘ die ,Knubbelei‘ an den Haltestellen in der Praxis sogar noch verschlimmert“, meinte eine AZ-Leserin, deren Tochter von der Neuerung betroffen ist. Schließlich dürfte mancher ein Weilchen damit beschäftigt sein, seinen Ausweis erst einmal hervorzukramen – sofern er sich dazu überhaupt motivieren lasse.

Denn selbst für die Fahrscheinprüfer aus Fleisch und Blut sei „vor Ort“ nicht kontrollierbar, „ob jemand sein Ticket an das Kontrollgerät gehalten hat oder nicht“, bekennt Aseag-Sprecher Paul Heesel auf Nachfrage. Nach wie vor könnten die Kollegen lediglich feststellen, ob ein Schüler im Besitz eines gültigen Fahrausweises sei. Und sollte er ihn einmal vergessen haben, muss er ihn weiterhin lediglich zu einem späteren Zeitpunkt bei der Aseag vorlegen.

Dennoch glaubt Heesel nicht, dass das neue Verfahren dazu beitragen könnte, den Busverkehr eher auszubremsen als zu beschleunigen. Zumal der elektronische Check nur Sekundenbruchteile in Anspruch nehme. Ab Herbst starte die Aseag zudem eine große Infokampagne, um das neue System zu erläutern; das Ganze werde sich dann sicher schnell einspielen, denn auch bislang seien Kunden mit Abokarten häufig an der zweiten Türe eingestiegen, „so dass es für die meisten keine Umstellung sein wird“.

Befürchtungen, dass der „digitale Kontrolleur“ weit mehr als lediglich die jeweiligen Stammdaten der Karteninhaber – Adresse, Bankverbindung und Art des Tickets – erfassen könnte, tritt die Aseag ebenfalls mit Nachdruck entgegen: „Bewegungsprofile“ dürften nach den Bestimmungen des Datenschutzgesetzes auch künftig selbstverständlich nicht gesammelt werden, das sei auch technisch nicht möglich.

Heesel: „Wir führen das e-Ticket in dieser ersten Stufe ein, weil das hier aufgrund der vorhandenen Kundendaten einfacher zu realisieren ist als bei Gelegenheitskunden, die mittelfristig ebenfalls von der Digitalisierung profitieren sollen.“ Und: „Fahrwege unserer Kunden wollen und können wir nicht nachvollziehen.“

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