Elektroautos in Parkhäusern droht das Aus

Von: Robert Esser
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Gefährlich? Weil die Rechtslage bei Elektroladestationen – so ein Auto fährt auch Aachens Oberbürgermeister – unsicher ist, muss nun dringend nachgesteuert werden, und zwar vom Gesetzgeber. Foto: Andreas Steindl
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Martin Schniedermeier von der Aachener Feuerwehr warnt aber vor Panikmache. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Diese Art von Spannung hätte man sich bei Elektroautos gerne erspart. Gefährlich. Denn während sich gerade Aachen als Modellregion in Sachen Elektromobilität profiliert, droht in hiesigen Parkhäusern die Lahmlegung der Stromladesäulen.

Das Problem: „Vom Betanken in Parkhäusern – ob mit Benzin oder Strom – ist in bauordnungsrechtlichen Texten überhaupt keine Rede“, stellt Martin Schniedermeier klar. Der Abteilungsleiter für vorbeugenden Brandschutz betont aber ebenso: „Das heißt nicht, dass der Ladevorgang verboten ist – wir warten da auf Klärung.“

Schließlich hätten sich Bund und Land ja längst pro Elektromobilität positioniert. Falls die Stromladeinfrastruktur nicht schnellstens vom Land NRW in die Sonderbauverordnung aufgenommen wird und entsprechende Regeln formuliert werden, kommt das Aus – schon allein wegen ungeklärter Haftungsfragen im Falle eines Brandes.

Die Aachener Parkhaus GmbH (Apag) gilt im Schulterschluss mit dem Energieversorger Stawag als Vorreiterin bei der Förderung von Elektroautos und entsprechender Ladesäulen. Apag-Sprecher Paul Heesel warnt eindringlich: „Wir hoffen, dass keine Ladestationen stillgelegt werden müssen; dass sich die Rechtslage schnell klärt und die bestehenden Ladestationen schnell von Fachbereich Bauaufsicht genehmigt werden.“ Das Verfahren laufe derzeit, teilt Heesel mit. Die Unterlagen – dazu gehört das Gutachten eines Brandschutzsachverständigen – seien bereits eingereicht.

Andere Verfahren ruhen schon: So werden keine Elektroladestationen im geplanten Großparkhaus am Uniklinikum entstehen. Und auch das Einkaufszentrum Aquis Plaza am Kaiserplatz muss auf Elektroladestationen verzichten. „Wir waren uns eigentlich mit der Stawag schon einig. Wir wollten unbedingt Elektroladestationen für unsere Kunden in unserem Parkhaus auf den oberen Etagen anbieten“, erklärt Centermanagerin Kathrin Landsmann. „Aber wegen Rechtsunsicherheiten liegt das auf Eis – was gerade für Aachen sehr schade ist“, sagt sie.

Seit 2009 betreibt die Stawag vier Ladestationen im Rathaus-Parkhaus an der Mostardstraße. Im Eingangsbereich steht zudem eine Elektrotankstelle für Roller mit acht Steckplätzen. In den Apag-Parkhäusern Eurogress, Bushof, Galeria Kaufhof und am Hauptbahnhof gibt es Ladestationen, die ausschließlich für den Apag- E-Fuhrpark vorgesehen sind. Insgesamt seien in Aachen inzwischen 35 Elektroladestationen in Betrieb, rechnet OB-Referent Axel Costard vor.

„Wir warten auf ein klärendes Gespräch zwischen Land und Bauaufsicht – rechnen aber damit, dass Ladestationen selbstverständlich zulässig sein müssen“, sagt Costard. Wann es soweit ist, weiß man nicht. Derzeit laufen Abstimmungsgespräche auf höchster Ebene, nicht nur in Aachen. Auch in Essen, Mönchengladbach, Krefeld und Berlin beschäftigen sich obere Fachgremien der Feuerwehr mit dem Gefährdungspotenzial von Elektroladestationen. Schließlich gebe es aus gutem Grund – anders als in grauer Vorzeit – auch keine Benzintankstellen mehr in Parkhäusern, heißt es. Und viele Parkhäuser sind auch für Fahrzeuge mit Flüssiggastank tabu.

Experte Schniedermeier von der Aachener Feuerwehr warnt aber vor Panikmache. „Das Gerücht, die Feuerwehr könne ein Elektroauto mit Batteriebrand in einem Parkhaus nicht löschen, weil die Temperaturen zu hoch sind, ist falsch. Das stimmt nicht“, betont er. Wichtig bei der Brandbekämpfung sei allerdings für die Feuerwehr zu wissen, mit was für einem Fahrzeug man es genau zu tun hat.

„Gelöscht wird auch ein brennendes Elektroauto mit Wasser, mit viel Wasser. Aber die heutigen modernen Kfz-Baustoffe reagieren – ganz abgesehen von der Batterie – teils anders als herkömmliches Blech. Da gibt es Carbon, Magnesium, Kohlefaser und mehr – das müssen wir berücksichtigen.“ Natürlich gehe von einem Elektroauto, das an einer Steckdose hängt, eine höhere Gefahr aus – aber das gelte auch für jede Waschmaschine. Bloß rollt diese Art Elektrogerät in der Regel nicht spannungsgeladen durch Parkhäuser.

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