Elektroautos fahren weiter weit hinterher

Von: Robert Esser
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Strom statt Sprit: Aachen setzt weiter auf höhere Marktanteile der Elektromobilität. Foto: Archiv

Aachen. Der Zuwachs fällt kaum ins Gewicht: Nicht einmal 0,1 Prozent der 271.145 Autos, die in der Städteregion Aachen angemeldet sind, laufen mit Elektroantrieb. Dies belegt eine aktuelle Erhebung des Straßenverkehrsamtes. Zum Stichtag 12. Dezember 2013 gab es allein in der Stadt Aachen insgesamt 152 reine Elektroautos gegenüber 111 E-Fahrzeugen im Vorjahr. Was offenbar schon als Erfolg gewertet wird.

„Dies entspricht einem Zuwachs von sage und schreibe 37 Prozent“, jubelt die Stadtverwaltung in ihrer jüngsten Pressemitteilung zum Thema Elektromobilität. Betrachte man die gesamte Städteregion (inklusive Aachen), falle dieser Zuwachs mit 35 Prozent ähnlich aus: In der Summe waren zum Stichtag 245 E-Autos beim Straßenverkehrsamt zugelassen (2012: 181 E-Fahrzeuge).

Noch stärker sei die Zunahme bei Hybrid-Fahrzeugen, rechnete das Presseamt vor: „Diese stiegen im Vergleichszeitraum in der Stadt Aachen sogar um 49 Prozent (von 157 auf 234 Fahrzeuge), in der Städteregion um 40 Prozent (von 335 auf 468 Fahrzeuge) an“, heißt es. Fast alle Hybrid-Modelle setzen hierbei auf eine Kombination aus Benzin- und Elektromotor.

Ernüchternde Bilanz

Vergleicht man allerdings die Zulassungszahlen der Elektroautos mit der Gesamtzahl der Autos aus der Städteregion Aachen, ergibt sich eine ernüchternde Bilanz. Nur zwei Stellen hinter dem Komma macht sich der zart wachsende Anteil der Elektromobilität bemerkbar. Während Ende 2012 gerade mal 0,07 Prozent aller in der Städteregion Aachen angemeldeten Autos mit Stromantrieb unterwegs waren, sind es nunmehr 0,09 Prozent – also 0,02 Prozent mehr.

Mit dutzenden Ladestationen, Steckdosen sowie kostenlosem Strom kurbelten Stawag und die Stadt in den vergangenen Jahren das Thema Elektromobilität an. Der Energieversorger unterhielt bereits 2012 mit 46 Elektroautos – von Fiat über Mitsubishi, Renault, Citroen, Opel, Smart bis zum Mercedes – sowie zehn Elektrorollern und fünf Pedelecs eine der größten E-Fahrzeugflotten Deutschlands. Und diese wächst ständig.

Doch die hohen Anschaffungspreise der Fahrzeuge, die geringe Reichweite und die zuweilen langen Aufladezeiten scheinen viele Privatleute vom Einstieg in die Elektromobilität abzuhalten. Die Stadt räumt ein: „Bis zur Vision des emissionsfreien Stadtverkehrs ist es allerdings noch ein weiter Weg.“ Von September 2012 bis Dezember 2013 nahm die Zahl der herkömmlichen Pkw in der Stadt Aachen um 506 Autos von 104 973 auf 105 479 Fahrzeuge zu (plus 0,5 Prozent).

Allein dieser 0,5-Prozent-Zuwachs der Benziner und Diesel fällt schon deutlich höher aus als die Anzahl sämtlicher in Aachen seit Jahren angemeldeter Elektromobile und Hybrid-Autos zusammen. In der Städteregion wuchs die Zahl der herkömmlichen Pkw sogar um 1,4 Prozent: von 267 524 auf 271 145. Das entspricht 3621 zusätzlichen Autos im Jahresvergleich – ohne Elektro- oder Hybridantrieb.

Aufgeben will die Stadt ihre ambitionierten Ziele als „Elektromobile Modellregion“ dennoch nicht. Dr. Armin Langweg, bei der Stadt Aachen für Verkehrsentwicklungsplanung und Mobilitätsmanagement zuständig, hält daran fest: „Wir orientieren uns an dem Ziel der EU-Kommission eines emissionsfreien Stadtverkehrs im Jahr 2050.“

Die Stawag habe vorgemacht, wie man E-Fahrzeuge klug im eigenen Fuhrpark einsetzt. Sie stehe mit Rat und Tat zur Seite für alle, die sich der neuen Technik öffnen wollen. Lang fügt hinzu: „Auch im Carsharing werden sie fester Bestandteil. Es ist erfreulich zu sehen, dass immer mehr Firmen und Privatpersonen der neuen Technologie vertrauen.“

Fördermittel fließen

Die verschwindend geringen Zuwächse kosten derzeit noch eine Menge Geld. Im Schulterschluss mit den Hochschulen, mit öffentlichen und privaten Partnern will man die Zukunftstechnologie voranbringen. Hierfür erhält sie Fördermittel in den Projekten „Elektromobiler Mobilitätsverbund“, das vom Bundesverkehrsministerium im Rahmen des Programms „Modellregionen Elektromobilität“ gefördert wird, und dem von der EU im Rahmen des Civitas-Programms geförderten Projektes „Dyn@mo“.

Deutlich auffälliger als bei Autos setzt sich die Elektromobilität unterdessen bei Zweirädern im Stadtbild in Szene. „Leider gibt es keine vergleichbaren Zulassungszahlen für Fahrräder in der Region Aachen“, bedauert Langweg. „Sie würden aber ein ähnliches Wachstum beweisen“, ist er sicher.

An der Fachhochschule Aachen will Professor Christoph Hebel deswegen mit seinen Studierenden im Rahmen des Civitas-Programms in den nächsten Jahren regelmäßig den Anteil der Elektrofahrräder im Stadtverkehr erfassen. Dann soll feststehen, ob der Anteil der E-Bikes unter sämtlichen Drahteseln der Stadt schon über 0,1 Prozent gesprungen ist.

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