Eisenstange auf den Kopf und Tritte in den Bauch: Haft für Angeklagten

Von: wos
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Landgericht Cottbus
Das Gericht stellte wegen seiner Drogenabhängigkeit eine verminderte Schuldfähigkeit fest und legte dem Verurteilten auf, vor der Entlassung eine Drogentherapie zu absolvieren. Foto: Oliver Mehlis

Aachen. Immer wieder hatte der 36-jährige Evgenij B. in der Nacht des 17. Januar auf den wehrlosen Mann eingeschlagen, solange, bis der sich auf dem Belag der Forster Zeppelinstraße liegend nicht mehr rührte.

Der Streit zwischen zwei Bekannten aus der Drogenszene eskalierte in dieser Nacht, weil das Opfer Stunden zuvor den Angreifer per Telefon gestalkt und nach dessen Dafürhalten auf das Übelste beschimpft hatte.

So massiv, dass sich der am Montag vom Aachener Schwurgericht wegen versuchten Totschlags zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilte Täter eine Eisenstange schnappte und den Telefonstalker noch nachts zu Hause in der Zeppelinstraße aufsuchte. Dann ging es los, mit der beidseitigen Gewaltorgie, wie am Montag das Aachener Schwurgericht den Tatverlauf bewertete.

Der Ausgangspunkt sei sicherlich, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Hennig in der Urteilsbegründung, der erste Schlag mit der Eisenstange gewesen. Doch auch das 32-jährige Opfer hatte sich in unguter Vorahnung mit einem Hammer bewaffnet und schlug noch in seiner Eingangstüre zur Wohnung stehend zurück. Er traf sogar den Angreifer am Kopf, der einen Schädelbruch, wie sich hinterher herausstellte, erlitt.

Doch das hinderte den Angreifer nicht, immer weiter auf sein Opfer einzuschlagen. Der Kampf verlagerte sich schießlich auf die Straße. Da habe eine wechselnde Gewalteinwirkung stattgefunden, befand das Gericht, am Ende seien eigentlich beide Angreifer gewesen.

Doch der Auslöser der brutalen Gewalt war zweifellos Evgenij B., der arbeitslose Mechaniker hatte den Bekannten in der Drogentherapie kennengelernt, beide befanden sich im Methadonprogramm zur Substitution von Koks und Heroin. In seiner Vernehmung hatte auch das Opfer zugegeben „Herr Richter, ich habe schlimme Sachen am Telefon gesagt“.

Doch der völlig ausgerastete B. hatte in dieser Nacht nicht nur mit der Eisenstange auf seinen Gegner eingeschlagen, sondern auch wiederholt auf seinen ungeschützten Kopf und den Bauch getreten, so lange, bis er die Polizei hörte. Selbst im Krankenwagen beschimpfte und bedrohte er das dortige Personal. Das Gericht stellte wegen seiner Drogenabhängigkeit eine verminderte Schuldfähigkeit fest und legte dem Verurteilten auf, vor der Entlassung eine Drogentherapie zu absolvieren.

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