Einzelhandel setzt auf Online-Shopping und Aktivität vor Ort

Von: Katharina Menne
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Beratung und Kauf vor Ort oder Online-Shopping? Beide Komponenten müssen sich ergänzen, sagt der Einzelhandel. Foto: stock/Westend61

Aachen. Schadet die zunehmende Digitalisierung dem Einzelhandel, oder ist sie vielmehr eine Chance, die es zu nutzen gilt? Zum Auftakt einer Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Die Digitalisierung der Stadt – wie viel Smartness will sich Aachen leisten?“ lud der Verein „Aachen-Fenster – Raum für Bauen und Kunst“ zu einer Diskussionsrunde rund um das Thema Smart shopping ein.

Nach einem Impulsvortrag durch Rainer Gallus, Geschäftsführer des Handelsverbandes Nordrhein-Westfalen, stellten sich die Aachener Einzelhändler Philipp Simon (Fahrradgeschäft Bike Components), Thomas Mathes (Einrichtungshaus Mathes) und Klaas Wolters (Schreibwaren Weyers-Kaatzer) den Fragen des Publikums. Moderiert wurde der Abend von Rechtsanwalt und Veränderungsmanager Stephan Mast.

Jeder fünfte Euro im Netz

Bereits jetzt werde jeder fünfte Euro im Internet ausgegeben, beschrieb Rainer Gallus die aktuelle Situation. Insbesondere der Schuh- und Textilhandel blühe durch Shopping-Plattformen wie zum Beispiel Zalando. Alles-Anbieter wie Amazon oder Ebay seien aus dem Online-Handel längst nicht mehr wegzudenken. Zusätzlich machten neue Konzepte wie der Männer-Ausstatter Modomoto dem Einzelhandel nun selbst ihre letzte Bastion streitig: die persönliche Beratung. Wo soll das hinführen? Haben kleine Geschäfte in den Innenstädten dagegen überhaupt noch eine Chance?

„Unterscheidung fehl am Platz“

„Eine Unterscheidung von stationärem und Online-Handel ist aus Kundensicht völlig fehl am Platz“, sagte Gallus dazu. „Der Übergang muss fließend gestaltet werden, und der innerstädtische stationäre Handel muss die Chancen erkennen, die aus der Digitalisierung erwachsen.“ Dazu gehöre, dem Kunden vor Ort ein Einkaufserlebnis zu bieten, das über das Online-Angebot hinaus gehe, und ihn durch gute Beratung und Authentizität an sich zu binden. Auf keinen Fall jedoch dürfe man sich dem Online-Geschäft und einem überzeugenden Internet-Auftritt gegenüber verschließen.

Der Meinung ist auch Klaas Wolters. Als Vorsitzender des „Märkte und Aktionskreises City“ (MAC), in dem sich viele Aachener Einzelhändler zusammengeschlossen haben, um gemeinsam einen Beitrag für das positive Image der Stadt zu leisten, plädierte er gleichzeitig für eine lebendige und attraktive Stadt durch einen vielseitigen Einzelhandel und einen gut gepflegten und ansprechenden Internetauftritt. Man müsse dem Kunden Vorteile gegenüber dem anonymen Online-Handel bieten, aber auch die eigene Sichtbarkeit stärken.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass mittlerweile auch ursprünglich rein online-basierte Händler zusätzlich auf Ladenlokale setzen – so ist zum Beispiel „My Müsli“ mit einem kleinen Concept-Store im Aquis Plaza zu finden und auch der Computerhändler „notebooksbilliger.de“ hat bereits in drei großen deutschen Städten stationäre Geschäfte eröffnet. So machen es auch Philipp Simon und sein Team von Bike Components. Sie verbinden beides. Im Ladenlokal in der Pontstraße suchen sie den Kontakt zum Kunden und setzen auf Service und Qualität, im Online-Handel gilt für sie vor allem Schnelligkeit und Zuverlässigkeit.

Thomas Mathes sieht trotz alledem „für Aachen sehr gute Chancen, sich als interessante Einkaufsstadt zu positionieren – aufgrund der euregionalen Lage im Dreiländereck und der zukunftsweisenden Entwicklung als Wissenschaftsstadt“. Jetzt sei entscheidend, die richtigen Weichen für die weitere Stadtentwicklung zu stellen. Doch auch er setzt mittlerweile auf die Zweigleisigkeit und hat zusätzlich zu seinem Einrichtungshaus am Büchel noch einen Online-Versand eingerichtet, da er der Überzeugung ist, dass sich beiden Kanäle nebeneinander weiterentwickeln.

Diskussionsrunde

Abschließend gingen die Visionen der Diskussionsrunde vielfach in Richtung Showroom-Konzept, wie man es bereits von großen Autohändlern zum Beispiel auf den Pariser Champs-Élysées kennt, eine attraktive Gestaltung der Innenstadt, die den Kunden anlockt, und hin zu lokalen Online-Plattformen, die aus dem Internet auf den realen Handel verweisen und eine Verknüpfung herstellen. Wohin die Reise auch geht, wichtig ist, sich nicht beherrschen zu lassen, sondern aktiv mitzugestalten – darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer an diesem Abend einig.

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