Einsatzzahlen vorgelegt: Mit bis zu 74 Polizisten auf Räuberjagd

Von: Oliver Schmetz
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Polizei Symbolbild
Eine CDU-Anfrage zur Aachener Raubserie offenbart die Einsatzzahlen. Oft sind nachts nur zwölf Beamte unterwegs. Symbolbild: dpa

Aachen. Genau zwölf Polizeibeamte fahren in der 250.000-Einwohner-Stadt Aachen nachts Streife – an normalen Tagen, wenn keine besonderen Einsätze anliegen. Handelt es sich dagegen um eine „einsatzstarke“ Nacht, wird das uniformierte Dutzend verstärkt. Bis zu zehn Kollegen kommen dann hinzu.

Unter anderem diese Zahlen sind das Ergebnis einer Kleinen Anfrage des CDU-Innenexperten Gregor Golland im Düsseldorfer Landtag, die NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) jetzt beantwortet hat. Der Christdemokrat hatte die Aufsehen erregende Serie brutaler Raubüberfälle in der Aachener Innenstadt zum Anlass genommen, dem Minister in punkto Sicherheit auf den Zahn zu fühlen und die polizeilichen Maßnahmen in Aachen zu hinterfragen. Seit dem letzten Augustwochenende hatten Straßenräuber in der Aachener Innenstadt binnen sechs Wochen 50 Überfälle verübt und dabei ihre Opfer oftmals zusammengeschlagen und -getreten und sie mitunter auch mit Messern bedroht oder verletzt. Innenminister Jäger zieht den zeitlichen Rahmen in seiner Antwort nun etwas weiter und spricht von 66 Raubüberfällen zwischen dem 1. August und dem 15. Oktober, von denen sich alleine 59 an den Wochenenden ereignet hätten.

Seit Mitte Oktober sei nun eine „Lageberuhigung feststellbar“, schreibt der Minister, der dies vor allem auf die „unmittelbare polizeiliche Reaktion“ zurückführt. Dazu gehörten insbesondere die Schwerpunkteinsätze der Aachener Polizei, die ab Anfang September an den Wochenenden zu den „tatrelevanten“ Nachtzeiten verstärkte Präsenz in der Innenstadt zeigte, um Straßenräuber abzuschrecken oder zu fassen. Über ihre konkrete Einsatzstärke hatte die Polizei dabei bisher meist den Mantel des Schweigens gedeckt. Nun nennt der Minister die genauen Zahlen: Mit bis zu 52 zusätzlichen Kollegen wurden die maximal 22 Streifenbeamten verstärkt – womit nachts bisweilen 74 Polizisten auf Räuberjagd waren.

Dass im Zuge der Raubserie Bürger die Initiative „Wir helfen Aachen“ gegründet haben und nachts selber Streife gehen, sieht der Innenminister kritisch. Die Teilnehmer solcher Bürgerstreifen hätten keinerlei Eingriffsbefugnisse, ihr Einsatz führe nur zu einer „trügerischen Sicherheit“, schreibt Jäger und betont: „Die damit verbundene Botschaft, die Polizei sei nicht in der Lage, die Sicherheit zu gewährleisten, ist unzutreffend.“

Das sieht CDU-Mann Golland anders und fordert mehr Personal für die Polizei. Schließlich seien die permanent hohen Einsatzzahlen der Aachener Polizei bei den Schwerpunkteinsätzen kaum dauerhaft aufrechtzuerhalten. Auch die Bürgerstreife verteidigt der Landtagsabgeordnete, doch eine seiner diesbezüglichen Fragen geht dem Innenminister dann doch zu weit. Wo die Grenze zu ziehen sei zwischen Bürgerinitiative und Bürgerwehr, will Golland wissen, was Jäger schon fast kabarettreif kontert: „Eine abstrakte, von einem Exekutivhandeln losgelöste Abgrenzung zweier Begrifflichkeiten liegt nicht im Zuständigkeitsbereich der Landesregierung.“

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