Aachen - Einsatzkräfte im Eis versenkt und gerettet

Einsatzkräfte im Eis versenkt und gerettet

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
eisrettbild
Feuerwehrmänner retten Feuerwehrmann: Die Einsatzkräfte übten am Dienstag die Bergung von Menschen, die ins Eis eingebrochen sind. Während die Helfer im Schlauchboot kaum von der Stelle kamen, war der Retter mit dem „Spine Board” schnell zum „versinkenden” Kollegen gerutscht.

Aachen. Wohl dem, der seinen Eisrettungsanzug angelegt hat, bevor er durch die Eisdecke eines Aachener Sees gekracht ist. Nun wird kaum jemand dieses dicke Teil sein Eigen nennen - Schlittschuhlaufen wäre darin sowieso undenkbar. Die Aachener Feuerwehr aber hat die Anzüge. Aus gutem Grund.

Auch in hiesigen Gefilden können unvorsichtige Menschen, die sich auf zugefrorene Seen gewagt haben, einbrechen. Uns so in akute Lebensgefahr geraten.

Die Feuerwehr unterdessen lernt die Eisrettung meist in der Theorie - oder bei „Trockenübungen” an der Feuerwache. Am Dienstag aber wurde der Ausbildungsplan kurzerhand geändert.

„Tauwetter, optimale Bedingungen”, konstatierten Einsatzleiter Georg Schümmer sowie Wachleiter und Ausbilder Heiner Sauren. Also ging´s raus. Und zwar zum Haarener Weiher an der Neuköllner Straße.

Da wurden dann gleich serienweise die eigenen Kollegen - warm eingepackt in besagtem Anzug - im Eis versenkt. Und natürlich wieder gerettet.

Wobei die Frage zu klären war: Welche Methode eignet sich am Besten? Deren gibt es eine ganze Reihe. Und schnell stellte sich heraus: Was noch in Lehrbüchern zu finden ist, hätte an diesem Tag in Haaren katastrophal enden können.

So nämlich jener Rettungsversuch in einem Schlauchboot mit Kufen. Damit kamen die Retter kaum einen Meter voran, bevor ihnen schon die Kräfte versagten.

Bei der versinkenden Person wären sie nie angekommen. „Das ist wohl eher was, wenn es schon stärker getaut ist”, schaute Georg Schümmer skeptisch. Problematisch auch die althergebrachte Methode mit Leitern, die man Stück für Stück vor sich her schiebt.

Auch das ist ein Kraftakt sondergleichen. Zumal man dann ja auch noch den halb erfrorenen und patschnassen Menschen aus dem Eiswasser ziehen muss.

Als wesentlich besser entpuppten sich da zwei andere Methoden: So etwa das „Spine Board”. Das ist ein Kunststoffbrett, das Ähnlichkeit mit einem Surfboard hat.

Der Feuerwehrmann paddelt darauf flott übers Eis, schiebt das Brett unter die zu rettende Person und hievt sie auf die Oberfläche. Die Helfer am Rand des Sees ziehen beide an Land. Das klappte am Dienstag wörtlich wie am Schnürchen.

„In Bochum haben die Kollegen einst tatsächlich Surfbretter umgebaut, weil sie diese Idee hatten”, erzählt Schümmer. Und dann wäre da noch dieser Eisrettungsanzug: „Das ist die Revolution in der Eisrettung”, sagt Heiner Sauren.

Mit der Schutzkleidung kann der Feuerwehrmann sogar lange im Eiswasser bleiben, ohne dass ihm kalt wird. Und: Den Anzug kann man schon auf der Fahrt zum Einsatzort anziehen. So geht keine wertvolle Zeit verloren.

Die Feuerwehrleute sind am Dienstag jedenfalls ein ganzes Stück schlauer vom Haarener Weiher weggefahren. So viele Gelegenheiten, die Eisrettung in Aachen zu üben, haben sie ja nicht.
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