Einsatz für Zirkustiere führt vor den Richter

Von: Wolfgang Schumacher
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Ein Elefant sitzt während einer Zirkus-Vorstellung auf einem Hocker. Artgerecht ist das nicht. Foto: Stock/Lindenthale
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UWG-Ratsherr Horst Schnitzler vor Gericht: „Ich wurde zu Unrecht beschuldigt.“ Foto: Harald Krömer

Aachen. Dem Ratsherrn Horst Schnitzler (61) war ganz schön mulmig zumute. „Ich habe nichts gemacht, aber trotzdem hatte ich ein ganz komisches Gefühl“, gestand der UWG-Vertreter. Richter Ludwig Hohgrebe hatte am Dienstag nach kurzer Verhandlung ein Strafverfahren wegen einer angeblichen Verletzung des Versammlungsrechts gegen ihn eingestellt – ohne jede Auflage und mit Kostenübernahme von Vater Staat.

Von zahlreichen Tierschützern im Gerichtssaal gab es dafür Beifall, und dazu ein wohlgemeintes „Glück gehabt“. Denn Schnitzler und einige andere Personen hatten sich am 16. Juli 2013 des Abends auf dem Bendplatz öffentlich und sicherlich publikumswirksam gegen eine nach ihrer Meinung unschöne Geschichte ausgesprochen – der Protest war als Aktion angemeldet und mit bestimmten Auflagen von den Behörden genehmigt worden.

Dort auf dem Bendplatz vor einer Abendvorstellung eines großen deutschen Zirkus protestierte man mit Schildern und Plakaten gegen die Erlaubnis der Stadt Aachen, reisenden Schaustellern mit Wildtieren weiterhin eine Möglichkeit zum Auftritt zu geben. Das sei in anderen Städten bereits anders. Und es dürfe auch deswegen nicht weiter geduldet werden, weil diese Wildtiere in der Manege unter anderem „ein festes Bewegungsprogramm“ absolvieren müssten und im Reiseverlauf nie ein richtiges Zuhause fänden, heißt es in den Aufrufen der Tierschützer.

Die Aachener Staatsanwaltschaft hatte nun Anklage erhoben, weil der Ratsherr sich als Rädelsführer dieser Demonstration angeblich nicht an die Auflage gehalten habe, den Protest vor 20.15 Uhr – dem Beginn der Abendvorstellung – abzubrechen. Er habe nicht weit entfernt auf der Kühlwetterstraße mit neun weiteren Personen die Demo fortgesetzt – ein Verstoß gegen die erteilte Genehmigung. Alles völliger Unsinn, sagte Schnitzler in seiner Klageerwiderung. Er hatte sich vorher standhaft geweigert, für seine Nicht-Tat 500 Euro Strafe zahlen zu müssen, so hatte es die Staatsanwaltschaft dem Ratsherrn im Vorfeld angeboten.

Schon alles vorbei

Doch der war empört. Denn er könne mit einer Reihe Zeugen belegen, dass er nach der Auflösung der Aktion rein gar nichts mehr getan habe, außer in die Stadt zu gehen und ein Bier zu trinken. Im Gegenteil habe eine schimpfende und rabiate Pressesprecherin des Zirkus die Polizei geholt, die direkt mit zwei Streifenwagen anrückte, sagte der Ratsherr vor Gericht.

Er habe, so Schnitzler nach der Verhandlung, weit weg vom Zirkus auf der Straße gestanden und gesagt, dass die Versammlung beendet sei – und sich entfernt. Der Polizist sei vorher „so unhöflich“ gewesen, wie er es bei zahlreichen Gelegenheiten vorher noch nie erlebt habe. Zum Prozess meinte er: „Ich war überzeugt von einem Freispruch. Ich habe der Einstellung jetzt nur zugestimmt, weil es ansonsten ein langer Prozess geworden wäre“, erklärte Schnitzler am Ende. Er frage sich, weshalb überhaupt Anklage erhoben wurde.

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