Aachen - Einsamkeit am Ende der Welt: Theater Aachen zeigt „Die Wand“

Einsamkeit am Ende der Welt: Theater Aachen zeigt „Die Wand“

Von: sist
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Führt Regie beim Stück „Die Wand“: Paul-Georg Dittrich. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die deutsche Erstaufführung des Stückes „Die Wand“, benannt nach dem gleichnamigen Roman von Marlen Haushofer, bringt eine Premiere: Zum ersten Mal kommen Deutsche in den Genuss des Monologs der namenlosen Protagonistin auf Aachens Theaterbühne, wo der bekannte Roman aus den 60er Jahren neue Gestalt annimmt.

„Das Stück ist besonders eine sinnliche, emotionale Reise“, schildert Regisseur Paul-Georg Dittrich, der nach Virgina Woolfs „Orlando“ und Heiner Müllers „Der Auftrag“ zum vierten Mal im Theater Aachen inszeniert. Besonders herausgefordert hat ihn dabei, zum ersten Mal einen Monolog in Prosa, der „erst mal wenig auf der Bühne zu suchen hat“, dramaturgisch zum Leben zu erwecken. Die Protagonistin, gespielt von Katja Zinsmeister, ist in der Tat alleine, sowohl in der Handlung als auch auf der Bühne.

Was ist, wenn ich der letzte Mensch auf Erden bin? Die Wand, die die Darstellerin von sich selbst und der zerstörten Welt, auf der sie alleine lebt, trennt, ist Anlass, sich mit existenziellen Fragen zu befassen. Damals wie heute passieren Katastrophen, die der Natur ein Ende setzten, so Dittrich. Chernobyl diente bereits der Romanautorin als Inspiration. Heute hat sich die Angst vor dem Ende der Welt jedoch nicht gelegt.

In der Tat lässt sich die Wand laut Dittrich auf jedes Leben übertragen. Die in der Kammer des Theater Aachen aufgezogenen apokalyptischen Stimmung soll die Zuschauer zum Nachdenken bringen. Während die letzte Frau sich an ihr neues Leben gewöhnt, in dem Äußerlichkeiten zweitrangig und das Verstehen der Natur zur Hauptsache wird, soll gezeigt werden, dass unsere Glücksvorstellungen nicht den Lebenskern der Menschen ausmachen. „Die Protagonistin begibt sich auf eine Ebene, auf der sie mit ihrem vorherigen Leben abrechnet“, erklärt Dramaturgin Inge Zeppenfeld. 85 Minuten lang dürfen Aachener Kulturfreunde ihr dabei zusehen.

Ihre postapokalyptischen Gedanken spiegeln dabei einen Kontrast zum aktuellen Weltbild wider. Als letzter Mensch auf Erden beginnt sie zu realisieren, dass ihr Leben nicht schlecht ist, weil es sich verändert hat. Vielmehr beginnt sie sich mit ihrer neuen Realität anzufreunden, und neue Wege zum Glück zu finden. Darüber hinaus beschäftigt sie sich mit Themen wie Vergänglichkeit und dem Schicksal, während ihr Leben sich zunehmend zu einem Überleben entwickelt.

Appell an die Fantasie

Sich Natur und Tiere, die im Roman auch zu Hauptdarstellern werden, auf einer Bühne darzustellen, wird zum Appell an die Fantasie des Zuschauers.

Ob dieses ambitionierte Vorhaben gelingt, können Aachener ab Freitag, 23. September, 18 Uhr, selbst entscheiden. Weitere Aufführungstermine 30. September, 8., 12., 18. und 22. Oktober; 4., 12., 19. und 25. November sowie 4., 8., 11., 17. und 23. Dezember.

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