Aachen - Einpacken und zupacken: Große Bescherung im Ballsaal

Einpacken und zupacken: Große Bescherung im Ballsaal

Von: Matthias Hinrichs
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Auch diese Kiste soll nicht lange leer bleiben: Jutta Schlockermann und Max Mertens, der seinen Freiwilligendienst bei der Aachener Tafel leistet, setzen auf riesige Hilfsbereitschaft für Bedürftige. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wie gehen wir um mit der rasant wachsenden Zahl von Senioren, die unsere Hilfe besonders brauchen? Die Frage treibt Jutta Schlockermann fast täglich um. Ganz pragmatisch, nämlich angesichts der organisatorischen Herausforderungen, denen sich die Aachener Tafel seit 18 Jahren stellt.

Aber ebenso grundsätzlich, mit Blick auf die stetig wachsende Kluft zwischen jenen, denen es an nichts fehlt, und denen, die dringend angewiesen sind auf Zuwendung – in jedem Sinn. Wenn die zahlreichen Ehrenamtlichen der Tafel nächsten Dienstag wieder zur etwas anderen Bescherung in den Ballsaal bitten, dann tun sie das auch in dem Bewusstsein, dass der Weg übers gediegene Treppenhaus des Alten Kurhauses für immer mehr Bedürftige schlicht nicht zu bewältigen ist.

„Wir spüren bei vielen Kunden eine beängstigende Resignation“, sagt die Leiterin der Einrichtung an der Clermont-straße. Und manchmal bleibt es wohl nicht aus, dass auch die eigene Gemütslage schwer in Balance zu halten scheint: zwischen euphorischer Dankbarkeit angesichts der enormen Hilfsbereitschaft der Aachener auf der einen Seite, tiefer Sorge angesichts der tiefen Gräben, welche die „soziale Landschaft“ auch im Grenzland kennzeichnen, auf der anderen.

Am Samstag gibt es deshalb noch eine Bescherung vor der Bescherung. 80 Weihnachtskisten reicht die Tafel im Forster Stammsitz an Menschen weiter, die es ohne Gehhilfen kaum noch vor die eigene Tür schaffen würden. Und die knapp 90 Helfer hoffen, dass unterdessen wieder ungezählte Bürger ihre Präsente zu den vielen Zwischendepots in Apotheken, Bankfilialen und Fitnesscentern bringen, bevor sich auch die Türen im Kurhaus am Montag sperrangelweit öffnen. Dort erwartet die Tafel auch in diesem Jahr mindestens 2000 fertig gepackte Pakete mit Süßigkeiten und anderen kleinen Überraschungen, vor allem aber haltbaren Lebensmitteln.

Dass die Anlieferung klappt wie am Schnürchen, ohne langes Warten und lange Staus, dafür sorgen etliche Pennäler und altgediente Ehrenamtliche, Banker, Geschäftsleute, Stipendiaten und auch „Bufdis“, junge Leute also, die vor kurzem ihren Bundesfreiwilligendienst bei der Tafel angetreten haben.

Sie haben eine gute Wahl getroffen. 70 bis 80 neue Haushalte hat die Tafel allein in diesem Jahr jeden Monat neu in ihre Karteien aufgenommen, etwa 200 Kunden kommen jeden Tag zum Laden in der Clermontstraße. Inzwischen ist die Zahl der regelmäßigen Besucher auf 3800 gestiegen, im April waren es noch rund 3000. „Natürlich hat sich die Ankunft der zahlreichen Flüchtlinge auch bei uns ausgewirkt“, erzählt Schlockermann. Notgedrungen versorgt die Initiative aber „nur“ Migranten, die mit festem Wohnsitz in Aachen gemeldet sind und Anspruch auf eine Kundenkarte haben.

Das geht auch deshalb, weil das breite Engagement so vieler Bürger für die Asylsuchenden in den städtischen Unterkünften ungebrochen ist. „Wenn wir am Dienstag noch Weihnachtskisten übrig haben, bringen wir sie dorthin“, unterstreicht die Sozialarbeiterin. Denn in den Reihen ihrer vielen Helfer kann von Resignation nun wirklich keine Rede sein. Rund 280 Freiwillige sind allein am Montag und am Dienstag im Einsatz. Ohne große Reden, aber mit großen Herzen und riesiger Hilfsbereitschaft, ganz pragmatisch und ganz grundsätzlich.

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