Einmalige Technik begleitet die Route Charlemagne

Von: Thorsten Karbach
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Die Geschichte des Rathauses in Wort und Bild: Wer mit einem „Aixplorer” ins Werkmeistergericht geht, der bekommt über den multimedialen Reiseführer spannende Informationen. Das Konzept stammt von Professor Jan Borchers und den RWTH-Medieninformatikern. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit jedem Schritt wird der Minnesang lauter. Die Instrumente klingen heller, das Gemurmel verstummt, die Leute lauschen dem Gesang. Ein paar Meter weiter spricht eine tiefe Stimme wichtige Worte. Der König ist gerade inthronisiert worden, um ihn herum steigt das Krönungsmahl.

Das, was sich Professor Jan Borchers nun in einem Raum der RWTH anhört, werden bald Besucher des Rathauses erleben können. Dann ist die Geräuschkulisse - das mittelalterliche Spektakel - auch nicht davon abhängig, wie Borchers mit der Maus einen Punkt am Computerbildschirm hin und her schiebt.

Dann wird es tatsächlich darauf ankommen, wo der Besucher mit seinem „Aixplorer” im Krönungssaal steht. Je nach Position vernimmt er über Kopfhörer, wie sich ein Krönungsmahl um ihn herum abgespielt haben muss. Diese Technik ist einmalig. Sie wird der multimediale Clou der Route Charlemagne und in einem ersten Schritt mit der Karlspreisverleihung am 21. Mai im Rathaus in Betrieb gehen.

Form der Ortung ist einmalig

Den „Aixplorer” - noch ist dies nur ein Arbeitstitel - muss man sich als eine Mischung aus Museumsaudioguide, Mobiltelefon und Wunderkiste vorstellen. Anders als ein Audioguide reagiert er eigenständig. Ein Sender weiß immer, wo sich der Besucher im Rathaus befindet und bietet Audioclips und Filme voller Informationen. Theoretisch funktioniert er auch vor dem Rathaus. Diese Form der Ortung innerhalb und außerhalb ist so ebenfalls einmalig.

Bedient wird über ein „Touchpad”, das heißt je nach Raum des Rathauses erscheinen Knöpfe mit Funktionen auf einem Bildschirm. Ein Druck, und ein neuer Beitrag beginnt. Aussehen tut das Gerät wie ein Mobiltelefon der ultramodernen Generation. Die Stadt hat gerade eine Ausschreibung gestartet, um die Geräte zu beschaffen.

Seit zwölf Jahren entwickelt Professor Jan Borchers, Inhaber des Lehrstuhls für Medieninformation, interaktive Exponate. Schon in die mögliche multimediale Gestaltung des Bauhauses war er locker involviert, hatte ein paar Gedanken vorgestellt und begeistert. Mit einem Taktstock hat er ein Computerorchester dirigiert und einen Stadtplan präsentiert, der auf Druck die Stadtgeschichte darstellt. „Es ist eine gute Gelegenheit, nun einmal vor der Haustür Gedanken umzusetzen”, sagt er.

Das Rathaus ist nur die erste Station. Das System ist so konzipiert, dass es sich mit jedem neuen Route-Charlemagne-Standort erweitern lässt. Und nicht nur Gebäude wie Zeitungsmuseum oder Katschhofverwaltung lassen sich aufbereiten, auch auf dem Weg zwischen den Standorten könnte sich der „Aixplorer” dank GPS-Ortung melden (vibrieren) und Infos zur Pontstraße oder auch Anekdoten und Geheimnisse verraten - über Lautsprecher oder Kopfhörer. Ein Satellit am Himmel begleitet sozusagen durch Aachen.

Borchers spricht davon, „Features neu aufzubereiten”. Tatsächlich sollen die interaktiven Touristenführer über dröge Reisebuchfakten hinausgehen. „Man soll das Gefühl haben, Insiderwissen zu erfahren”, sagt er. Für die nötigen Informationen wurden die Kunsthistoriker um Professor Alexander Markschies und Aachens Touristenführer gewonnen. Bis etwa 2010 soll der „Aixplorer” auf der gesamten Route Charlemagne - einem Euregionale-Projekt -Êarbeiten. „Die Technik vernetzt die einzelnen Punkte der Route”, sagt Borchers. Die Entwicklungs- und Hardwarekosten dafür belaufen sich aktuell auf 200.000 bis 300.000 Euro.

Wer mit dem „Aixplorer” durch das Rathaus spaziert, der kann - wenn er seine E-Mail-Adresse angibt - sogar noch ein Reisetagebuch mitnehmen. Natürlich multimedial. Der „Aixplorer” zeichnet den Weg durch das Rathaus auf und speichert ihn mit allen Informationen im Internet. „So endet der Aachenbesuch nicht, wenn man die Stadt verlässt”, sagt Borchers. Die Erinnerung an den Minnesang bleibt. Und vieles mehr.
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