Einkaufsstadt Aachen: Nur beim Parken gibt es eine gelbe Karte

Von: Albrecht Peltzer und Robert Esser
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Einkaufen in Aachen: Bei der bundesweiten Untersuchung „Vitale Innenstädte 2016“ landet Aachen im oberen Bereich. Trotz steigender Onlinekäufe bleibt das Shoppen in der City für die meisten erste Wahl. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dieses Werk studiert Manfred Piana mit sichtlichem Vergnügen: „Vitale Innenstädte 2016“ ist die Arbeit überschrieben. Und das Beste vorweg: Aachen hat jetzt auch durch statistische Daten unterfüttert eine „vitale Innenstadt“ – trotz aller Probleme wie Leerstände, Baulücken, Filialisierung, Brachen.

Der Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City (MAC) will die aktuellen Probleme nicht wegdiskutieren, aber die am Montag veröffentlichte Untersuchung des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), die der MAC mit Unterstützung des Medienhauses Aachen in Auftrag gegeben hat, stärkt das Selbstbewusstsein, dass Aachen in Sachen Attraktivität die Konkurrenz in der Region nicht scheuen braucht.

2,4 lautet die Gesamtnote. „Damit liegt Aachen durchaus im oberen Bereich aller untersuchten Städte und über dem Bundesdurchschnitt“, sagt Nicolaus Sondermann, stellvertretender Bereichsleiter Betriebsvergleich und Controlling beim Institut für Handelsforschung. Welchen Platz Aachen exakt in der Sparte Städte bis 500.000 Einwohner belegt, wird nicht kommuniziert. „Man hat sich darauf verständigt, nur die jeweiligen Sieger zu nennen und für den Rest eine Tendenz“, so Sondermann. Den ersten Platz in der Aachen-Kategorie nimmt Erfurt ein.

Beim MAC wird das Ergebnis entsprechend ausgesprochen positiv eingeschätzt. „Das ist natürlich erst einmal eine Momentaufnahme“, so Geschäftsführer Manfred Piana. Aber die Studie sei in vielen Teilen eine Bestätigung, dass Aachen auf dem richtigen Weg als Einkaufsstadt sei. Und sie zeige, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Zum Beispiel beim Thema Parken. Da erhält Aachen die Gesamtnote 3,6 – die schlechteste Note für Aachen in der gesamten Untersuchung! Interessant: Die Aachener selbst bewerten die Parksituation schlechter als die auswärtigen Besucher der Innenstadt. Nicolaus Sondermann relativiert: „Es gibt keine Großstadt, in der das Thema Parken gut bewertet wird. Nirgendwo wird ein Wert besser als drei erreicht.“ Dass Auswärtige die Situation etwas positiver sehen, liege daran, dass sie sich nicht permanent mit dem Thema befassen. „Sie fahren einkaufen und suchen sich einen Parkplatz. Die allgemeine Parksituation einer Stadt ist für sie meist kein Thema.“

Für Manfred Piana ist der Wert ein Indiz dafür, „dass wir in Sachen Image des Parkens etwas tun müssen“. Aachen verfüge eigentlich auf das ganze Jahr gesehen über ausreichend Parkraum. „Wir sehen uns aufgefordert, das Thema Parken mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen positiver erscheinen zu lassen“, sagt Piana.

Onlinehandel als Konkurrenz

Ein wichtiger Aspekt der Untersuchung „Vitale Innenstädte“ ist die Frage, wie groß die Konkurrenz des Onlinehandels ist. Das gesamte Umsatzvolumen des Einzelhandels in Deutschland stagnierte im Zeitraum von 2001 bis 2013 auf einem Niveau von 430 bis 450 Milliarden Euro. Besonders in 2015 war aber ein stärkerer Umsatzanstieg zu verzeichnen. Gleichzeitig hat die Bedeutung des Online-Handels sprunghaft zugenommen. Mit einem Umsatz von 47 Milliarden Euro in 2015 wird inzwischen ein Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz von fast zehn Prozent erreicht. Immerhin rund die Hälfte aller Befragten in Aachen gab an, dass sich das Einkaufsverhalten in der Innenstadt durch das Angebot, auch online einkaufen zu können, nicht verändert habe. Als ausgesprochen wichtig – 58,1 Prozent hoben das hervor – aber wird eingestuft, dass man sich Im Internet über die Angebote informieren kann.

Bei der Bewertung der Gesamtattraktivität stechen zwei Bereiche hervor: Gastronomieangebot und Sehenswürdigkeiten. Beide erhalten eine glatte 2. Das deckt sich mit den jüngsten Erhebungen, dass Aachen vor allem für Touristen ein sehr beliebtes Ziel ist. Die Zahl der Übernachtungen lag 2015 zum Beispiel bei rund einer Million.

Überraschend gut mit einer 2,1 kommt auch der Punkt Erreichbarkeit der City mit dem ÖPNV weg. Die Erreichbarkeit mit dem Pkw erhält „nur“ eine 2,9. Interessant hier ist – analog zum Thema Parken – der Unterschied zwischen Aachenern und auswärtigen Besuchern. Die Aachener bewerten die Erreichbarkeit der Innenstadt um eine halbe Schulnote schlechter als die Auswärtigen. Die Gründe dürften die gleichen wie beim Thema Parken sein, vermutet Manfred Piana.

Während die Ladenöffnungszeiten mit einer 2,3 sehr gut benotet werden, zeigt sich beim Thema verkaufsoffene Sonntage eine Diskrepanz zwischen der Diskussion im politischen Raum – da gibt es auch aktuell starke Vorbehalte – und dem Wunsch der potenziellen Einzelhandelskunden. Piana: „Viele wollen offenbar mehr verkaufsoffene Sonntage als weniger.“ Der Punkt erhält in der Studie eine 2,8. Die Qualität des Freizeitangebotes (Kino, Theater, Museen, Ausstellungen etc.) und des Dienstleistungssektors schneidet mit einer 2,3 überdurchschnittlich ab.

Die Note 2,9 für das Thema Sauberkeit der Innenstadt ist auf den ersten Blick akzeptabel, zählt aber neben der Bewertung des Parkens mit zu den schlechtesten Werten der gesamten Aachen-Studie. Demgegenüber ist das Sicherheitsgefühl deutlich positiver (2,4).

Aachen ist – natürlich dank seiner rund 55.000 Studenten – eine junge Stadt. 2015 war jeder vierte Aachener zwischen 19 und 30 Jahre alt – Tendenz gleichbleibend. Das schlägt sich auch auf die Handelsbilanz nieder. Das Durchschnittsalter der Kunden beträgt 35,9 Jahre, 45 Prozent sind nicht älter als 25 Jahre. Kunden in mit Aachen statistisch vergleichbaren Städten sind durchschnittlich 40,9 Jahre alt, der Anteil der bis 25 Jahre Alten beträgt da 28,6 Prozent.

Für viele überraschend schneidet die Stadt Aachen bei der Frage ab, auf welche Art und Weise die Kunden in die Innenstadt gelangen. 43 Prozent fahren mit dem Bus, das sind immerhin knapp zwei Prozentpunkte mehr als bei Städten ähnlicher Größe und Attraktivität wie Aachen. Nimmt man den Durchschnitt aller an der Studie beteiligten Städte, fahren in Aachen mehr als doppelt so viele Kunden mit dem Bus. Der Pkw ist nur für 28,5 Prozent der Befragten Verkehrsmittel Nummer eins auf dem Weg zum Einkauf.

Noch nicht komplett ausgewertet ist die Studie in Heinsberg. Die Innenstadt wurde von den Befragten der Studie im Durchschnitt mit der Note 2,7 bewertet und liegt damit wie Aachen besser als der bundesweite Schnitt. Für die Erreichbarkeit mit dem Auto erhält Heinsberg eine glatte 2 (Schnitt 2,2).

In Düren will der Verein Cityma die Ergebnisse zunächst intern analysieren und erst danach veröffentlichen.

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