Aachen - Einhard-Gymnasium führt das „wischende Klassenzimmer“ ein

Einhard-Gymnasium führt das „wischende Klassenzimmer“ ein

Von: Stefan Herrmann
Letzte Aktualisierung:
11324296.jpg
ARCHIV - Das iPad 2, aufgenommen bei der Vorstellung am 2. März 2011 in San Francisco, USA. Weihnachten 2011 in den USA wird teuer: 44 Prozent der jungen US-Amerikaner hätten gern einen iPad unterm Tannenbaum. Die Kehrseite: 46,2 Millionen Menschen leben in den Vereinigten Staaten in Armut. Foto: Monica M. Davey dpa (zu dpa-Korr "Arm oder reich: US-Kids wünschen sich teure Geschenke" vom 23.12.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Aachen. Es ist ein Pilotprojekt, das ein Stück weit die Zukunft in Aachens Schulen einläutet. Wie lernen Kinder und Jugendliche in einigen Jahren im Klassenzimmer? „Wir führen nicht die papierlose Schule ein“, nimmt Lehrer Henning Kwiatowski allen Kritikern gleich ein wenig den Wind aus den Segeln. Den Kurs richtet das Einhard-Gymnasium aber dennoch eindeutig Richtung Moderne aus.

Als erste Aachener Schule möchte man an der Robert-Schuman-Straße eine Tabletklasse einrichten. Der stellvertretende Schulleiter Oliver Frühwein und Kwiatowski haben das ambitionierte Projekt nun dem Schulausschuss vorgestellt.

Die mobilen, internetfähigen Tablet-Computer haben längst den Alltag erobert. Ob im Zug, auf der Parkbank, im Restaurant oder eben zu Arbeitszwecken im Büro – überall sieht man Menschen mit den (Fast-)Alleskönnern. Das Einhard-Gymnasium ist seit Jahren Mitglied im bundesweiten IT-Cluster des Vereins „MINT-EC“. Dort tauscht es sich mit anderen Schulen darüber aus, wie man Schülern die Themen IT, moderne Medien und vieles mehr am besten pädagogisch wertvoll vermittelt.

Der nächste Schritt ist nun die Einführung einer Tabletklasse in einer 7. Klasse. Wie bei IT-Themen üblich, muss man Abkürzungen leben und des Englischen mächtig sein, um das Konzept zu verstehen. Im Einhard setzt man nämlich auf BYOD. Das steht für „Bring your own device“ und heißt übersetzt soviel wie „Bring‘ dein eigenes Gerät mit“. Denn so soll es im „wischenden Klassenzimmer“ künftig ablaufen. Eltern kaufen zunächst einen Tablet-Computer für ihre Kinder.

Dabei, betonte Frühwein im Ausschuss, empfehle man von Seiten der Schule „ausdrücklich niedrigpreisige Geräte“, die man für maximal 200 Euro kaufen kann. Für soziale Härtefälle hat man von Schulseite ebenfalls eine Lösung parat. Sollten Eltern das Tablet nicht bezahlen können, unterstützt der Förderverein der Schule die Anschaffung. Zudem setzt das Einhard auf einen breit angelegten Abstimmungsprozess sowohl unter Lehrern, Schülern und Eltern. Es müssen jeweils mindestens zwei Drittel dem Vorschlag zustimmen, bevor die Tablets stärker in den Unterricht eingebunden werden.

„Das methodische Repertoire und die Unterrichtsqualität können vielfach gesteigert werden“, weiß Frühwein. Seit 2013 ist das Einhard bereits im Besitz eines Tabletpools und kann zur Zeit auf rund 30 Geräte zugreifen, auch 30 Computerterminals stehen den Schülern im Gebäude zur Verfügung. Die Erfahrungen sind durchweg positiv. Viele Schulbücher sind bereits jetzt digital erhältlich, zum Teil mit erweiterten multimedialen Funktionen. Auch wird darüber hinaus immer mehr Unterrichtssoftware speziell für Computer und Tablets angeboten.

Der Pilotversuch ist zunächst auf ein Jahr angesetzt und wird voraussichtlich nach den Sommerferien starten. Nach den ersten sechs Monaten soll eine erste Evaluation der Tabletklasse stattfinden. Dafür sind Experten des Erziehungswissenschaftlichen Instituts der RWTH mit im Boot. Auch von Stadtseite erhofft man sich so wichtige Erkenntnisse. Erst am vergangenen Mittwoch habe man das erste Mal zusammengesessen, berichtete Fachbereichsleiter Heinrich Brötz, um einen kommunalen Medienentwicklungsplan für Schulen auf den Weg zu bringen. Hier könnte man dann von den Erfahrungen am Einhard-Gymnasium profitieren. So bewertete auch die Politik das Projekt an der Burtscheider Schule.

In einem Fall, erläuterte Frühwein, habe man jedoch leider keine optimale Lösung gefunden: Der Schulträger, also die Stadt, ist in Schadensfällen nicht haftbar. Die Versicherung der Geräte liegt in Verantwortung der Eltern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert