Einfühlsam mit einem Tabuthema

Von: Edda Neitz
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Sie haben sich an ein schwieriges Thema gewagt: Seelsorger Ulrich Roth (links) mit Heinrich und Mechthild Hüsch. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Das Sprichwort „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold” will er in diesem Fall nicht hören. „Über das Tabuthema Suizid soll gesprochen werden”, sagt Theologe Ulrich Roth, der an der Uniklinik Aachen Seelsorger ist.

Zusammen mit Mechthild Hüsch und Heinrich Hüsch hat Ulrich Roth das Buch „Da spricht man nicht darüber - Wie Jakob den Suizid seines Vaters erlebt” entwickelt. Mit diesem Buch wurde ein Thema aufgegriffen, das keine Randerscheinung ist: Etwa 10.000 Menschen sterben jährlich durch Selbsttötung.

Seit 15 Jahren ist Ulrich Roth Seelsorger und erlebt es immer wieder, dass Angehörige den Suizid verschweigen, aus Wut, Selbstzweifel, Hilflosigkeit und Scham. Die Selbsttötung eines nahe stehenden Menschen zu bewältigen, zählt zu den härtesten Prüfungen, die das Leben bereit hält. Oftmals müssen Betroffene dieses Schicksal einsam und ohne Unterstützung bewältigen.

„Ich wollte ein Buch, das mit einer elementaren Sprache insbesondere Kinder, aber auch Erwachsene zu diesem Thema heranführt”, betont der Seelsorger. Fachliteratur ist in großer Fülle vorhanden, auch für Erwachsene gibt es Lesestoff, aber für Kinder wurde bislang noch kein Buch geschrieben.

Ulrich Roth hatte die Idee und das Grundgerüst für die Geschichte vorgeben. „Die Hauptfigur Jakob gibt es”, sagt der Theologe. Jakob ist ca. 13 Jahre alt als er seinen Vater durch dessen Selbsttötung verliert. Der Junge ist wütend. Schließlich hatte sein Vater ihm versprochen bei den Hausaufgaben zu helfen. Außerdem sollte seine Eisenbahn einen neuen Trafo bekommen. Über all diese Probleme will Jakob sprechen.

Sensibel und zugleich eindringlich wirkt der Text, den Mechthild Hüsch zu dieser Geschichte formuliert hat. „Die Sorgen und Nöte von Jakob sollen deutlich werden, denn Trauer hat viele Facetten”, erklärt Texterin Mechthild Hüsch. Als Mutter von vier Kindern zwischen 13 und 21 Jahren bekommt sie ihre Anregungen aus dem Familienalltag. Knapp und lebensnah erzählt sie die Geschichte von Jakob auf 21 Seiten.

Natürlich habe die Geschichte eine gewisse Dramatik, die Selbsttötung des Vaters steht eindeutig im Mittelpunkt, dennoch solle das Buch keine Endzeitstimmung vermitteln, erklärt das Team Hüsch und Roth. Farbige Illustrationen, handgezeichnet und aquarelliert vom Grafik-Designer Heinrich Hüsch, sollen den Klang des Textes unterstützen. „Es war nicht einfach, dieses Thema für Kinder zu zeichnen”, sagt Heinrich Hüsch.

„Wir wollen auch deutlich machen, dass es eine Zeit danach gibt, die Freude machen kann”, sagt Ulrich Roth. Sonnenschein über Feldern und Geburtstagstorte für Jakob zeigen , dass vieles „wieder normaler” wird. Durch ihre einfühlsame Darstellung gelingt es dem Team dem Thema „Suizid” eine Sprache zu geben.
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