Eine Zeit ohne Alemannia gibt es eigentlich nicht

Von: Hans-Peter Leisten
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Kritische Begleiter und gleichzeitig engagierte Anhänger: Manina Kettler und Thomas Wenge, Sprecherin und Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fanclubs. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es gibt etwas wie eine Neuerung bei der IG der Alemannia Fans und Fanclubs: eine Doppelspitze mit viel Frauen-Power. Manina Kettler ist 1. Vorsitzende und Sprecherin, Thomas Wenge ist 2. Vorsitzender und Geschäftsführer.

Die beiden verstehen sich dennoch als Teamplayer im Rahmen der Gesamt-IG. Ihre Alemannia-Biographien sind unterschiedlich, ihre Ziele sind dieselben. Den „Weg aus den Trümmern der Insolvenz“ weiter erfolgreich begleiten - so könnte man ihr Selbstverständnis bezeichnen. Wie das funktionieren soll, welche Rolle die IG dabei spielt und über das Verhältnis zu den Gremien sprechen die Beiden im Samstagsinterview.

Wie überstehen Sie die Alemannia-freie Zeit?

Kettler: Die gibt es für mich überhaupt nicht. Es gibt so viel vorzubereiten. Vor kurzem hatten wir die Mitgliederversammlung der Fan-IG, die jüngste Alemannia-Jahreshauptversammlung erforderte – auch wenn sie ruhig verlief – einiges an Vorbereitungen. Unabhängig davon arbeite ich in Teilzeit bei der Alemannia-Mitgliederverwaltung mit. Wenge: Gerade weil sich der Vorstand der Fan-IG neu konstituiert hat, gibt es viel zu organisieren und viele Termine. Ich würde eher von einer fußballlosen- als einer Alemannia-freien Zeit sprechen. Gesprächsthemen rund um die Alemannia gibt es immer.

Würden Sie sagen, dass etwas vom früheren Gefühl wieder heranwächst?

Kettler: Ich bin ja vergleichsweise noch frisch dabei. Für mich ist aber entscheidend, dass wir wieder eine schwarz-gelbe Wand haben. Die Stimmung schwappt von der Tribüne auf die Mannschaft über und wieder zurück. Auch deshalb ist in der vergangenen Saison manches Spiel noch in der Schlussphase gedreht worden. Zwischen der Tribüne und dem Platz findet wieder ein Austausch statt. Wenge: Beim Spiel gegen die zweite Mannschaft von Mönchengladbach war eine Stimmung wie früher am alten Tivoli. Wir kamen irgendwie aus dem Nichts, von unten und hatten nach dem Spiel das Gefühl: Wir sind wieder da.

Hat die jüngste Jahreshauptversammlung Erkenntnisse gebracht?

Wenge: Ich denke, es war eine problemlose JHV mit mehreren positiven Ergebnissen: Es wurden gute, kritische Fans in den Wahlausschuss gewählt, die im Sinne des demokratischen Miteinanders ihrer Kontrollaufgabe kompetent nachkommen werden. Auch bei den Vorträgen aus Präsidium, Aufsichtsrat und Sport hatte man das Gefühl, dass das „Wir-Gefühl“ sehr ernst genommen wird. Es bleibt aber zu hoffen, dass dies nicht abnimmt, je größer der Erfolg wird.

Diese Lehre aus der Vergangenheit ist womöglich noch zu ziehen. Kettler: Ich stimme Thomas zu, es war eine unkritische JHV. Ich fand es jedoch schade, dass nur 210 Mitglieder vor Ort waren, denn immerhin wird auch das Gesamtjahr des TSV vorgestellt. Das „Wir“-Gefühl wurde bereits am Montag vor der Versammlung stärker, als der Vorstand der Alemannia den IG-Vorstand eingeladen hatte. Auch in Zukunft soll wieder ein reger Austausch untereinander stattfinden. In diesem Zuge wurde auch schon vorab besprochen, dass auch in diesem Jahr wieder dringend ehrenamtliche Helfer gebraucht werden.

Es gab mal die politische Fan IG unter Achim Foki und Dirk Heinhuis. Zuletzt hatte man den Eindruck, dass es weniger um Gestaltung und Mitwirkung als ums Anpacken ging, damit die Alemannia überhaupt noch eine Zukunft hat.

Kettler: Die IG hat den Prozess aus der Insolvenz kritisch begleitet, jedoch nicht alles öffentlich gemacht. Sie hat jedoch weiterhin die Meinung der Mitglieder vertreten. Auch aus der JHV treten IG-Mitglieder gestärkt hervor, da es zu solchen Veranstaltungen immer satzungssichere Mitglieder gibt, die auch Fragen schon im Vorfeld klären. Daher weiß man auch, dass die letzte Wahl den einen oder anderen Schnitzer in sich hatte. Die mündigen Mitglieder haben auch mal bei einer Entlastung mit Nein gestimmt. Auch in diesem Jahr hat die IG die Mitgliederkandidaten bei der Wahl wieder unterstützt. Der Verwaltungsrat hatte diese aber auch von sich aus dann vorgeschlagen.

Sie sind nicht neu in der IG. Was hat Sie an der Funktion der Sprecherin gereizt?

Kettler: Mein Weg ist kurios. Eine Freundin hat mich mal gefragt, ob ich mit zum Tivoli wollte, sie habe eine für den Tag ungenutzte Dauerkarte. Das war zu Zeiten Peter Hyballas. Damals wusste ich noch nicht, dass man besser schon eine Stunde vor Anpfiff im Stadion sein sollte. . . Ich habe dann meine erste Stadionwurst gegessen, natürlich meinen ersten Schal gekauft, und dann ging‘s los. Mich hat das Spiel auch emotional schnell gepackt. Und nach dem Abpfiff war meine erste Frage: Wann ist das nächste Spiel? Ich bin dabei! Nach dem dritten Spiel hatte ich dann eine Dauerkarte, wurde Mitglied im Verein. Didi Lübbers hat mich dann mit zur IG genommen, so wurde ich auch dort Mitglied.

Damit ist man aber noch nicht automatisch in einer Funktion.

Kettler: Mir hat gefallen, dass – gerade in den Zeiten der Insolvenz – viele Informationen durch die IG transparenter worden und man als Fan nicht im Regen stehen gelassen wurde. Vor zwei Jahren trat der alte Vorstand der Fan-IG zurück und der neue Sprecher André Bräkling suchte eine Schatzmeisterin. Da ich beruflich im Controlling arbeite, habe ich die Aufgabe gerne übernommen. Jetzt wurde wieder ein neuer Sprecher gesucht und ich habe mich zur Wahl gestellt. Dass jetzt wieder passabler Fußball gespielt wird, stört dabei überhaupt nicht.

Und wie führte der Weg des Geschäftsführers in die IG?

Wenge: Ich bin in Aachen geboren und schon mit den Schulkameraden zum Tivoli gegangen. Nach dem Ende meines Studiums 2002 kehrte ich wieder nach Aachen zurück und habe mir als erstes wieder eine Dauerkarte gekauft. In der IG bin ich aber erst seit zwei Jahren. Jetzt waren die Mitglieder in der IG der Meinung, dass ich den Job des Geschäftsführers gut machen könnte.

Wie haben Sie Ihre Zuständigkeiten untereinander aufgeteilt?

Kettler: Die Zuständigkeiten sind klar aufgeteilt, wir sind aber im regen Austausch. Sprecherin und Geschäftsführer füllen so etwas wie eine Doppelspitze aus. Ich kümmere mich um Öffentlichkeitsarbeit und Presse sowie um unsere Website, Thomas mehr um organisatorische Fragen. Natürlich haben wir auch noch ein starkes Team, bestehend aus Schatzmeister und vier Beisitzern hinter uns stehen, wobei wir bei vielen Themenbereichen der IG auch als Vertretung der Beisitzer mit wie z.B. Weihnachtssingen, Austausch mit der Fanvertretung etc. fungieren.

Wo liegen die Aufgaben der IG?

Kettler: Bei uns sind viele Fans organisiert beziehungsweise sehen uns als Schnittstelle... Natürlich können wir helfen – wie in den vergangenen Jahren. Ein sehr schönes Beispiel was ehrenamtliche Fans bewirken können, kann man an der unvergleichlichen Fanartikelkollektion sehen, die es nun schon in der dritten Saison gibt. Fans, darunter auch Mitglieder der IG, gestalten zusammen im Team mit den beiden Mitarbeiterinnen des Merchandisings auf Augenhöhe Artikel von Fans für Fans, die die Einzigartigkeit der Alemannia sehr gut herausstellt. Wir haben aber auch bei der jüngsten Jahreshauptversammlung geholfen, an den Schaltern und bei den Urnengängen. Zu unseren Aufgaben gehören aber auch Dinge neben dem Fußball wie zum Beispiel das überaus erfolgreiche Weihnachtssingen im Stadion, das wir mitorganisieren oder auch unsere Karnevalssitzung, die alle zwei Jahre stattfindet. Andere Fan-Veranstaltungen wie zum Beispiel das Fan-Turnier sind in den letzten Jahren zu kurz gekommen und sollen nun wieder in den Fokus gerückt werden.

Gibt es Berührungs- beziehungsweise Konfliktpunkte mit/zu den Gremien?

Wenge: Die Gremien haben sich und das Verhältnis zu uns deutlich verändert. Die Gremien haben erkannt, dass sie die Fans brauchen. Es gibt einen Dialog der IG mit allen Gremien. Wir sind auf dem richtigen Weg. So konnten wir nun zum zweiten Mal vor der jüngsten Mitgliederversammlung auch die Zahlen einsehen und Fragen können im Vorfeld gestellt werden.

Gibt es auch direkte Kontakte?

Kettler: Klar. Auch auf ganz unspektakuläre Art. So kam der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Christian Steinborn bei unserem Vatertagsgrillen vorbei. Das Präsidiumsmitglied Thomas Deutz war bei unseren IG-Treffen genauso zu Gast wie der Sportdirektor Alexander Klitzpera. Wir haben ein vertrauensvolles Verhältnis und fühlen uns in vielen Bereichen ernst genommen. Das war nicht immer so, liegt aber vielleicht auch daran, das Internas und Meinungsverschiedenheiten nicht gleich von uns an die Öffentlichkeit getragen werden.

Haben Sie überhaupt eine Möglichkeit, auf die Fanprobleme einzugehen?

Kettler: Wir haben wieder mehr Zuschauer und damit auch mehr positive Zuschauer im Vergleich zu den immer schon wenigen Problemfans, die dem Verein durch ihr Verhalten nach außen Schaden zufügen. Zu diesem Problem sitzen wir mit allen Gremien und Fanvertreterorganisationen derzeit zusammen. Es ist aber auch klar, dass eine IG keine Sozialarbeit leisten kann, sondern ein positives Leitbild geben muss. Nehmen wir das Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen: Da ist doch eigentlich alles bestens gelaufen. In unserer Satzung steht schließlich auch eindeutig drin, dass wir gegen Rechtsextremismus und Gewalt sind.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der neuen Saison?

Wenge: Ich hoffe, dass wir das jetzt Verpasste in der kommenden Saison erreichen. Hoffentlich kann die erfolgreiche Arbeit des Trainerduos Schubert/Plaßhenrich weitergeführt werden und ich wünsche mir, dass Kontinuität einzieht. Deshalb ist es auch wichtig, dass das Nachwuchsleistungszentrum stärker in den Fokus rückt und ganz in der Verantwortung von Reiner Plaßhenrich liegt. Thomas Deutz, der im Aufsichtsrat für den Sport zuständig ist, hat bei einem Besuch bei uns beklagt, dass keine Jugendmannschaft der Alemannia erstklassig ist. Hier muss sich etwas ändern.

Kettler: Ich persönlich habe mit auf die Agenda geschrieben, mich bei allen Gremien vorzustellen um die weitere Zusammenarbeit zwischen uns miteinander abzuklären. Wir werden aber weiterhin einen Schwerpunkt darauf legen, die Plattform für alle Fanklubs und nicht organisierten Fans zu sein. Außerdem liegt mir persönlich sehr viel daran, die Jugendlichen für uns zu gewinnen. Es gibt beim Verein die Aleminis und bei uns die junge IG. Die kann man doch wunderbar zusammenführen. Die junge IG hat nur acht feste Mitglieder – bei unseren Aktionen, z.B. dem Ferientag, sind es aber viel mehr. Hier liegt noch Potenzial. Man muss der Jugend als Alemannia Aachen etwas anbieten. Sportlich habe ich neben den von Thomas genannten Zielen noch ein Ziel: Alemannia soll endlich wieder am DFB-Pokal teilnehmen.

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