Aachen - „Eine Welt Forum“ feiert 30-jähriges Bestehen

„Eine Welt Forum“ feiert 30-jähriges Bestehen

Von: Svenja Pesch
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Haben in den letzten 30 Jahren ein fundiertes Konzept für ein übergeordnetes Bewusstsein entwickelt: Gründungsmitglieder und heutige Protagonisten des Eine Welt Forums. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Zeit der Euphorie ist vorbei. Auch die des spontan-radikalen Geistes ist von gestern. Ebenso das Gefühl des einstigen großen Impulses. 30 Jahre „Eine Welt Forum Aachen e.V.“ – eine ernüchternde Bilanz, gepaart mit der Erkenntnis, dass alte Visionen und Träume geplatzt sind? Sind die in dem Zusammenhang oft spitzfindig bezeichneten Gutmenschen gescheitert?

„Also – wir sind weder Gutmenschen noch Weltverbesserer“, entgegnet Mona Pursey, Koordinatorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit des Eine Welt Forums und ergänzt: „Über die Jahre sind wir einfach kritischer geworden. Aber natürlich setzten wir uns nach wie vor für unsere Ziele ein, denn in dieser einen Welt muss sich etwas ändern.“

Der Grundstein für die Vereinsarbeit wurde am 23. Dezember 1983 gelegt. Und auch wenn die Akteure und die Umstände anders waren, so war das Ziel dasselbe wie heute. Damals wollten 35 Gründungsmitglieder und 16 Vereine gemeinsam die Welt verbessern.

Die ersten Vereine kamen überwiegend aus dem Hochschul- und Kirchenbereich, und die ersten Gruppen nannten sich ganz einfach „Lateinamerika-Kreis“, „Peru-Gruppe“ oder „Guatemala-Gruppe.“ Schon von Beginn an wusste man, wo Hilfe nötig ist und wo es Ungerechtigkeiten auf der Welt gibt, die zu lindern sind. „1983 waren alle unglaublich euphorisch, die Euphorie ist durch die Erfahrung dem Verantwortungsgefühl gewichen“, erzählt Vorstandsmitglied Jürgen Jansen. 1987 traten die Gruppen mit dem ersten Weltfest an die Öffentlichkeit – ein großer Schritt, wie das ehemalige Gründungsmitglied Johannes Kube weiß: „Wir strotzen nur so vor Aktionismus und waren überall dabei. Allerdings war uns auch klar, dass wir einheitliche Absprachen brauchen, wenn wir gemeinsam etwas erreichen wollen.“

An den einheitlichen Absprachen und dem gemeinsamen Arbeiten hat sich auch heute nichts geändert. Im Gegenteil: Dank der modernen Medien ist Aufbau und Pflege eines großen Netzwerkes wesentlich leichter geworden. Seit 1995 ist das Forum mit einem Großteil seiner aktuell 18 Vereine, Gruppen und Initiativen an der Schanz zuhause. Und dort unterstützen sich alle wie in einer kleinen Familie vereint in einer großen Welt. Das Forum hieß bis 2007 Dritte Welt Forum.

Bis auf Pursey sind alle Ehrenamtler, die versuchen, vor allem die in den Köpfen vieler Menschen herrschende Auffassung von einer Dritten Welt zu beseitigen. „Eins sind wir, da gibt es auch kein Deutschland und kein Vietnam“, wie Thi To Hong Bui vom Deutsch-Vietnamesischen Freundeskreis betont. Gemeinsam mit ihren Kollegen setzt sich Hong Bui für die interkulturelle Bildung und Erziehung ein. Vietnamesischer Sprachunterricht gehört ebenso dazu wie das Kennenlernen der von landestypischer Literatur oder Filmen.

Auch die anderen Vereine, wie das Deutsch-Iranische Forum, der Weltladen, der sich für den fairen Handel stark macht, terre des hommes oder Disha zeigen eindrucksvoll, dass wir nicht nur in einer Welt leben, sondern gemeinsam für eben dieses Leben verantwortlich sind. Wünsche für die Zukunft hat Mona Pursey aber dennoch: „Ich wünsche mir, dass wir irgendwann nicht mehr nötig sind, aber ich bin mir sehr sicher, dass es in der Welt immer Ungerechtigkeiten und Probleme geben wird.“

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