Eine Villa erzählt von vergangenen Zeiten

Von: Jan Weck
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Einblicke ins Marschiertor: An
Einblicke ins Marschiertor: Andrá Alzer führte die Besucher durch das ehemalige Waffenlager der früheren Aachener Stadtmauer. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Wer mit offenen Augen an den alten Häusern der Eupener Straße entlang geht, dem fällt vielleicht die Villa Louise auf. 1890 wurde sie erbaut und hat das vergangene Jahrhundert ohne größere Schäden überstanden. Sie ist Ausdruck von Wohlstand und dem Streben, Annehmlichkeit in den Alltag zu bringen.

Dennoch wirkt die Fassade unprätentiös, fast schon bescheiden. Ein hoher Laubbaum neben der Einfahrt ragt bis zum Dach, ein Großteil der Villa erstreckt sich nach hinten auf das Grundstück und ist von der Straße nicht zu sehen.

Am Sonntag konnten Besucher beim Tag des offenen Denkmals einen Blick in diese sonst verborgene Welt werfen. Franz-Michael Hartmann führte umher, erklärte und unterhielt. Hartmann ist diplomierter Designer, beruflich kauft und restauriert er Baudenkmäler. Auch sein Büro wird bald in der alten Villa sein. Ein weiteres Büro befindet sich bereits in dem Gebäude, das Dachgeschoss ist zu einer separaten Wohnung geworden.

Das Besondere an der Villa sei, dass sie trotz mehrerer Besitzer unverbaut geblieben sei, sagt Hartmann. Zwar werden zurzeit noch Restaurationsarbeiten ausgeführt und es entsteht ein weiterer moderner Anbau. Räume in der ersten Etage werden neu gestaltet und eine Wand wird durchbrochen. Auch hat eine neue Treppe die ursprüngliche Treppe im Foyer ersetzt. Die ist nun nur noch Zierde und führt vor eine Wand, in die zwei kleine Glasscheiben eingelassen sind. „Aber dennoch bleibt der Charakter des Baudenkmals unangetastet und alte Substanz wird erhalten”, sagt Hartmann. Trotz allen Neuerungen sei die alte Villa Louise noch immer authentisch und „erlebbar”.

Auf dem ausgedehnten Rundgang teilte Hartmann mit den Besuchern seine Freude am Detail. Türen, Fenster, Heizungsverkleidungen sind Dokumente vergangener Zeiten, sie berichten von Zeitgeist und Geschmack. Räume sind auf Funktion und Bewohner zugeschnitten, eher schlicht wohnte das Personal, großzügiger geschnitten ist der ehemalige Bereich für die Dame des Hauses. Mit den Restaurationsarbeiten zieht nun modernes Design in die alte Struktur. Das opulente Puzzle aus Details verschiedener Zeiten wird aufs Neue erweitert.

Grundsätzlich bietet der Tag des offenen Denkmals den Bürgern die Chance auf einen Blick hinter die Kulissen. „Romantik, Realismus, Revolution - das 19. Jahrhundert”, so war der Tag in diesem Jahr überschrieben. Dieses war aus gutem Grund ausgewählt worden, denn die Textil- und Maschinenindustrie hat im 19. Jahrhundert deutliche Auswirkungen auf die Stadtstruktur gehabt - Auswirkungen, die bis heute nachvollziehbar sind. So wie in der Villa Louise mit ihrem vollständigen Erscheinungsbild, das gerade durch die Symbiose von Villen-Architektur und modernem Baukörper ein Beispiel für harmonischen Kontrast darstellt.

Interaktiver Spaziergang

Die Bürger hatten aber auch die Möglichkeit, das Innenleben des Marschiertores zu erkunden. Einst Hauptwaffenplatz, ist das Tor heute Domizil der KG Stadtwache „Oecher Penn”. Neben dem Waffensaal konnten die Interessenten auch Schankraum und Kleiderkammer in Augenschein nehmen.

Spannend war in diesem Jahr auch der interaktive Spaziergang durch Gasborn und das Suermondtviertel: Dieser erschloss sich mit szenischem Licht und einer ergänzenden Fotoausstellung. Stumme Zeitzeugen sind die Grabmale auf verschiedenen Friedhöfen. Die Familiengräber auf dem Ostfriedhof gehörten genauso dazu wie zum Beispiel der Protestantische Westfriedhof. Zwei weitere Beispiele eines Angebotes, das Aachen transparenter macht.
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