Eine Schule erblickt das Licht der Welt

Von: Stephan Mohne
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Historischer Augenblick für die Gesamtschule: Nach fünf Jahren hat der Abbau der Gerüste und Netze am Freitag begonnen. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Fünf Jahre, drei Monate, 16 Tage. So lange liegt er nun schon zurück, der „Mauerfall” im Frankenberger Viertel. Es war am späten Nachmittag des 8. Juli 2004. Urplötzlich rummste es mächtig an der Bergischen Gasse.

Aus - an diesem Tag tatsächlich - heiterem Himmel krachten Fassadenteile der flammneuen Maria-Montessori-Gesamtschule zu Boden. Zum Glück spielten zu diesem Zeitpunkt dort keine Kinder.

Die Schule war schon aus, ein Fest wurde vorbereitet. Gar nicht lange vorher war das auch architektonisch hochgelobte Gebäudeensemble - rund 30 Millionen Euro teuer - seiner Bestimmung übergeben worden.

Nun aber standen die städtischen Bauexperten schon vor dem ersten Trümmerhaufen. Dass es später noch schlimmer kommen sollte, konnte sie an diesem Tag nicht wissen.

Zeitsprung ins Jahr 2009: Es ist der 23. Oktober, an dem Manfred Lennartz auf die Frage, ob er denn nun eine Flasche Sekt köpfen werde, klipp und klar antwortet: „Ja!”

Kein Wunder. Denn schon kurz nach dem ersten Fassadenfall wurden weite Teile der Schule aus Sicherheitsgründen „eingepackt”. Gerüste und Fangnetze „umzingeln” seither unter anderem das große Hauptgebäude.

Am Freitag nun geschah das, worauf Schüler, Lehrer, Eltern und die Stadt seit Jahren warten: Mitarbeiter der Gerüstfirma machten sich daran, die Netze abzubauen, die Gerüste folgen in den kommenden Tagen.

Die Sanierung des Hauptgebäudes ist nun fast abgeschlossen, und Manfred Lennartz sagt kopfschüttelnd: „Unglaublich, fünf Jahrgänge haben quasi das Tageslicht nicht gesehen.” Das ändert sich nun.

In den Sommerferien 2010 sollen dann noch die anderen sanierungsbedürftigen Gebäudeteile folgen.

Besonders innovativ sollte die Fassade sein. So wurde sie damals mit einem - bis dahin wenig erprobten - Spezialverfahren aufgeklebt. Das hätte man besser bleiben lassen.

Und während sich Gutachter über mehrere Jahre hinweg die Klinke am früheren Moltkebahnhof in die Hand gaben, rummste es schon wieder. Im Juni 2006 fielen auch noch Fassadenteile an der Turnhalle herunter. Wieder nur einen Monat später warf an einigen Stellen der Putz Blasen. Zu diesem Zeitpunkt war schon die Rede von einem „Bauskandal”.

Denn es kristallisierte sich heraus, dass die Fassaden nicht nur repariert, sondern erneuert werden mussten. Und mit ihnen Fensteranschlüsse und vieles mehr. Kostenschätzungen bewegten sich Richtung eine Million Euro.

Wer aber sollte dafür aufkommen? In der Beantwortung dieser Frage lag schließlich der Grund, warum die höchst beliebte Schule bis heute einem Christo-Kunstwerk glich.

Es ging vor Gericht, es gab Beweissicherungsverfahren, Gutachten, nochmal Gutachten und nochmal Gutachten. Das Ende vom Lied: ein Vergleich, bei dem die Stadt prima abschnitt. Bis auf 190.000 Euro wurden die Kosten vom Generalplaner der Schule übernommen.

Wie teuer es letztlich wirklich war, weiß Manfred Lennartz nicht: „Das ist uns nicht mitgeteilt worden.” Egal, für ihn endet hinsichtlich der Gesamtschule eine Zeit, die er mit einem Wort so skizziert: „Horror.”
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