Aachen - Eine Nulllösung als Rettung für den Tivoli?

Eine Nulllösung als Rettung für den Tivoli?

Von: Albrecht Peltzer
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Teurer Tivoli: Wer füllt das Stadion mit Leben – und vor allem mit Einnahmen? Die Suche nach lukrativen Modellen ist in vollem Gange. Im Rat scheint es eine Mehrheit dafür zu geben, dass die Stadt mit im Boot bleibt.

Aachen. Die Investoren stehen nicht gerade Schlange, wenn es darum geht, den Tivoli zu erwerben. Bis Ende Oktober hat nach Aussage der Verwaltung der Insolvenzverwalter der Alemannia Aachen Stadion GmbH Frist gesetzt, Gebote für die 60 Millionen Euro teure Immobilie an der Krefelder Straße abzugeben. Aber: Soll die Immobilie überhaupt verkauft werden?

Die Suche nach dem Königsweg ist in vollem Gange, und der Stadtrat hat am späten Mittwochabend ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt: Die Stadt selber soll ein Nutzungskonzept erarbeiten, wie Einnahmen durch Veranstaltungen generiert werden können. Immerhin geht es darum, die rund 2,5 bis 3,5 Millionen Euro an jährlichen Gesamtkosten nach Möglichkeit zu decken.

Einstimmig folgte der Rat einem Antrag der Grünen, dass die Stadt eben nicht nur auf Angebote und Vorschläge Externer warten, sondern mehr Eigeninitiative entwickeln soll. Credo: Alle denkbaren Varianten sollen vor einem endgültigen Beschluss auf den Tisch kommen.

Mit drei potenziellen Investoren werde verhandelt, hatte es in den vergangenen Wochen stets geheißen. Was nicht die halbe, sondern nur ein Drittel Wahrheit ist. Der Sportrechtevermarkter Michael Kölmel und der Finanzinvestor NorthStar sollen im Boot sein. Doch bis auf eine Interessenbekundung liegt von beiden nichts Konkretes vor.

Da ist der Aachener Projektentwickler Norbert Hermanns mit seiner Landmarken AG schon weiter. Der will das Stadion nicht mehr ausschließlich für Fußball nutzen. Teile der Tribünen sollen Platz für Hotelnutzung machen, unterhalb des Stadions ist ein Einkaufszentrum geplant. Auf den Flächen vor dem Stadion wäre ein Sport- und Freizeitzentrum denkbar mit Fitness-Studio, Klettergarten, Bowlingbahn und Diskothek.

Neben dem Stadion sollen Büros gebaut werden. Dem Rat wurde im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung aber auch mitgeteilt, dass sich Hermanns vorstellen könne, das Stadion zu belassen und mit Hotel und den Freizeitanlagen zu „umbauen“. Ende November wollen die potenziellen Investoren den Ratsfraktionen ihre Pläne präsentieren.

Im Rat gibt es – gelinde gesagt – ziemliche Skepsis, was die Zukunftsfähigkeit eines solchen Modells anbelangt. Vor allem, wenn ein Verkauf des Stadions an einen externen Entwickler zu einem symbolischen Preis von einem Euro erfolgen soll. „Damit machen wir uns zur Lachnummer“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, die Stadt handele nur nach dem Motto „weg mit dem Ding“.

Wesentlich sympathischer erscheint vielen Ratsleuten, an einer Kooperation von Stadt und Privatinvestoren zu arbeiten. Es müssten Nutzungskonzepte her, von denen beide Seiten profitieren. Oberstes Ziel dabei ist und bleibt, die jährlichen Kosten für die Stadt zu minimieren.

Ziel wäre, so hat die Verwaltung diese Variante umschrieben, „private Investoren an den laufenden Unterhaltungskosten zu beteiligen sowie zu etwaigen notwendigen Investitionen im Wege einer Partnerschaft hinzuzuziehen, um sodann an etwaigen Erlösen aus der Vermarktung des Stadions gemeinsam mit diesen Investoren zu partizipieren.

Bleibt noch die „Nulllösung“, wie sie Grünen-Sprecherin Ulla Griepentrog nannte. Will heißen: Die Stadt alleine sorgt für eine Nutzung des Stadions, die Einnahmen für den Haushalt bringt. Die Grünen haben nach Aussage von Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig in den vergangenen Tagen in anderen Städten nachgefragt, wie dort die Stadien zusätzlich zum Sportbetrieb genutzt werden.

Die dortigen Modelle für anderweitige Sportveranstaltungen, für Konzerte, für Feste und Kongresse seien durchaus beispielhaft dafür, was an Möglichkeiten bestehe. So verbuche Dresden rund 300.000 Euro an zusätzlichen Einnahmen außerhalb des Fußballgeschäftes. Diese Optionen sollten jetzt von der Verwaltung aufgestellt und auf ihre Machbarkeit hin geprüft werden.

Welcher Weg eingeschlagen wird, ist völlig offen. Der Rat besteht darauf, alle denkbaren Modelle für eine Beschlussfassung auf dem Tisch zu haben – was Oberbürgermeister Marcel Philipp zusagte. Zusätzlichen Rat will man sich bei einem niederländischen Unternehmen holen, das auf die Vermarktung von Stadien spezialisiert ist.

Übrigens: Auch wenn die laufenden Kosten für das Stadion finanziert werden könnten – Zins und Tilgung für den 18-Millionen-Euro-Kredit muss die Stadt weiter aufbringen. Die Insolvenz der Alemannia bleibt ein Kostenfaktor für alle Aachener.

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