Aachen/Stolberg - Eine mysteriöse Entführung vor Gericht

Eine mysteriöse Entführung vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Stolberg. Wie eine Räuberpistole mutet ein Fall von Entführung mit schwerer Körperverletzung an, der seit Montag vor der 5. Großen Strafkammer des Aachen Landgerichts gegen zwei 33- und 44-jährige Angeklagte verhandelt wird. Als erste sagten die Opfer - zwei junge Männer aus Aachen - aus.

Die beiden heute 24-Jährigen aus Brand und dem Ostviertel wurden im Juni 2007 Opfer eines Familienracheaktes, wie der Hauptbetroffene Klaus H. am Montag als Zeuge vermutete. Er glaubt, dass die Familie seiner türkischstämmigen Freundin, mit der er noch heute zusammenlebt, damals hinter dem brutalen Gewaltakt in einem Stolberger Waldstück steckte.

An jenem Sommerabend im Juni 2007 geschah Folgendes: Der als Schrotthändler arbeitende Freund von H. ging vor gut drei Jahren „gegen Mitternacht”, wie er sich erinnerte, über den Parkplatz nahe der Tankstelle vor seiner Wohnung in Brand. Plötzlich habe sich eine dunkle Gestalt seiner bemächtigt. Im Hintergrund, so bemerkte er dann, warteten weitere sechs Personen als augenfällige Drohkulisse. Von einem Täter wurde er unsanft in einen Wagen gezogen.

Identität nicht ermittelt

„Unter Todesdrohungen zwang man mich, meinen besten Freund Klaus H. anzurufen und ihn zu einem Treffen zu bewegen.” Er solle ihn an einen Ort bestellen, der nicht verdächtig sei, war die Anweisung jenes dunklen, großen Mannes, dessen Identität bis heute nicht ermittelt ist. Er habe das getan, meinte der Zeuge, und fühlte sich sichtlich nicht wohl in seiner Haut.

Warum er ihn genau zu dem Parkplatz nahe der Aachener Osthalle bestellt habe, wollten Richter wie Anwälte wissen. „Er wohnt da in der Nähe und wir haben uns des Öfteren dort getroffen”, erklärte der Zeuge spontan. Dann im Fond des Wagens musste er den Kopf gebeugt halten, so habe er kaum etwas sehen können.

Auch im Dunkel eines Waldstückes in Stolberg - direkt an der Straße gelegen - konnte er kaum etwas erkennen. Er habe Schläge gegen den Kopf bekommen und musste sich hinknien. Nur die Glut der Zigaretten, die die Gruppe der Entführer rauchten, habe er gesehen.

Sein Freund war das eigentliche Opfer, ihm erging es wesentlich schlimmer. Er wurde tatsächlich auf dem Osthallenparkplatz gekidnappt, trotz seiner starken Gegenwehr. „Ja, richtig, ich habe noch zwei weggehauen”, beschrieb er am Montag die Situation. Es nutzte nichts. Ihn packte man in einen schwarzen Golf und kutschierte ihn gleichfalls in das Stolberger Waldstück, wo er auf seinen bis auf die Unterhosen nackten Freund traf.

Zu Vorwürfen geschwiegen

„Ich wurde auf den Boden gedrückt und verprügelt”, von mehr als einem Mann, meinte er. Bei der Polizei erkannte er niemanden aus der Verbrecherliste wieder. Freund Stefan V. meinte damals, den Bruder der jungen Türkin als Täter erkannt zu haben, der hat aber ein Alibi. Am Montag war er sich nicht mehr sicher, „nach so langer Zeit”. So hat das Verfahren ein Problem: Auf der Anklagebank sitzen - wenn überhaupt - nur Mittäter der Entführer-Gruppe, die bislang eine Beteiligung bestreiten, sie sagen zuden Vorwürfen nichts. Das Verfahren geht an diesem Dienstag und am Mittwoch weiter.
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