Eine Kreativfabrik im alten Straßenbahndepot?

Von: Stephan Mohne
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Soll das neue soziale, kreativ
Soll das neue soziale, kreative und ökonomische Zentrum des Rehmviertels werden: das alte Straßenbahndepot an der Talstraße. Pläne für eine neue Nutzung reifen. Grundvoraussetzung dafür war, dass die dort untergebrachten Karnevalswagen eine neue Heimat finden. Das scheint nun entweder an der Jülicher Straße oder an der Liebigstraße der Fall zu sein. Nächste Woche berät der Planungsausschuss.Archivforo: Harald Krömer

Aachen. Das Straßenbahndepot an der Talstraße war von jeher etwas ganz Besonderes. Und zwar bundesweit. 1925 wurde der Bau als einer von zwölf Straßenbahnbetriebshöfen der Aseag auf einem riesigen Areal errichtet.

Auf neun Gleisen und zwei Etagen war die Öcher Tram dort „geschichtet”. Doch dann kam das Aus für die Straßenbahn im Jahr 1974. Und somit wurde auch dieses Depot überflüssig.

Seither haben ganz andere Fahrzeuge dort ihre Heimat: die Karnevalswagen. Und in einem nach vorne angebauten Gebäude ist unter anderem die Offene Tür Talstraße, eine für das heutzutage nicht unproblematische Viertel enorm wichtige Jugendeinrichtung. In absehbarer Zukunft soll nun dem Depot neues Leben eingehaucht werden.

Im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt Aachen-Nord” sollen Millionenzuschüsse fließen. Die Pläne, was man in dem Gebäude so alles machen könnte, reifen zusehends. Kommende Woche befasst sich der Planungsausschuss mit dem Thema. Zunächst geht es darum, knapp vier Millionen Euro Zuschüsse fürs kommende Jahr einzuwerben, um den Umbau - um im Bild zu bleiben - auf die Schiene zu setzen.

Neue Heimat fürs Atelierhaus?

Startpunkt war ein Antrag von CDU und Grünen. Geprüft werden sollte, ob es für die Karnevalswagen eine neue Bleibe geben könnte. Denn: „Am Karneval vorbei kann man so etwas natürlich nicht machen”, sagt Michael Rau als planungspolitischer Sprecher der Grünen. Und eine solche Lösung scheint nun gefunden. Zwei Varianten stehen zur Auswahl: zum einen eine Bombardier-Halle an der Jülicher Straße, zum anderen eine Markthalle an der Liebigstraße. Beide Objekte würden ausreichend Platz bieten. Laut Verwaltungsvorlage hätten die Karnevalsvereine Bereitschaft signalisiert, mitzuziehen. „Es freut mich sehr, dass diese Grundvoraussetzung machbar ist”, so Rau.

Die Frage ist nur: Was will man in dem Gebäude etablieren. Die Verwaltung spricht in einem ersten Ideenkorsett von einer „Kreativfabrik” und hat insbesondere die Künstler mit im Visier. So könnte im Obergeschoss der Halle ein Ersatz für das demnächst dem Campus Westbahnhof weichende Atelierhaus entstehen. Auch Ausstellungsflächen seien denkbar. Doch es gebe auch noch weitere Interessenten, die Fachhochschule beispielsweise, ebenso mehrere Unternehmer und das Netzwerk „Designmetropole Aachen”. Ob indes das Vorderhaus mit der OT saniert oder abgerissen wird, ist noch nicht klar. Im letzteren Fall würde die Jugendeinrichtung an gleicher Stelle einen Neubau erhalten.

Überhaupt betont Michael Rau, dass es hier in erster Linie um ein Projekt gehen müsse, bei dem dem Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen. Er stellt sich dabei auch eine enge Verzahnung mit dem Schulverband Aachen-Ost vor. Deswegen bremst er beim Begriff der „Kreativfabrik” denn auch erst einmal. Ein Ziel müsse beispielsweise sein, das Image der OT aufzupolieren. Denkbar sei aber auch, Teile des Gebäudes zu vermieten, um Kosten hereinzuholen. Diese werden nicht gerade gering sein. Nach einem ersten Planungszuschuss von über 600 000 Euro geht es im kommenden Jahr um etwa 3,6 Millionen. Der gesamte Umbau wird allerdings wohl deutlich teurer werden. Die Folgekosten sind noch gar nicht absehbar, und eine Schätzung für den unteren Teil der Halle liegt noch nicht vor.

„Irsinniges Potenzial”

Ebenso wenig für eine Umgestaltung des großen Außengeländes. „Da gibt es ein irrsinniges Potenzial”, so Rau. Zum Beispiel für Sportangebote. Doch das ist noch Musik aus ferner Zukunft. Rau geht ohnehin davon aus, dass der Prozess an diesem Standort etliche Jahre dauert. Zumal es erst einmal Bürgerbeteiligungen und vieles mehr geben soll. Ohne enge Einbindung der Anwohner des Viertels würde nach dem fehlstart des Projekts in Sachen Kleingärten Wiesental wohl auch niemand einen solch entscheiden Schritt mehr wagen.

Die Verwaltung kommt in einem ersten Fazit zu der Einschätzung: „Die Entwicklung einer KreativFabrik, die sich nicht als geschlossene Einrichtung versteht, sondern sich offen und lebendig gestaltet und der Öffentlichkeit zugänglich ist, die kulturelle, ökonomische und vor allem soziale Angebote kombiniert, kann an diesem Standort eine Leuchtturmfunktion einnehmen.” Die Neugestaltung der Immobilie mitsamt den Außenflächen erhöhe außerdem die Lebensqualität und ziehe Besucher sowie andere Bevölkerungsschichten in den Stadtteil. Dies trage letztlich zum Imagewandel und zur Stabilisierung des Quartiers bei. Wobei Michael Rau eine Befürchtung ganz und gar nicht teilt. Nämlich jene, das alte Depot könnte zu sehr „schickimicki” für das Viertel werden und gar die Mieten in die Höhe treiben. Rau: „Das ist absoluter Quatsch.”
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