Aachen - Eine Insolvenz und die offenen Fragen

Eine Insolvenz und die offenen Fragen

Von: stm/os/sch/pa/akai
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Aachen. Nach der Insolvenz der Alemannia gibt es noch viele offene Fragen. Was aus der Fan-Anleihe wird, wird derzeit noch geprüft. Der DFB will ebenfalls in Aachen ermitteln.

Wie geht es am Tivoli weiter? Sobald der Antrag beim Amtsgericht abgegeben ist, bekommen Angestellte und Profis für eine Zeit von drei Monaten das sogenannte Insolvenzgeld bis zu einer Obergrenze von 5600 Euro.

Was wird aus der Mannschaft? „Es wird sich schnell abzeichnen, wer mit uns den Weg geht”, sagt Uwe Scherr. Der Etat des Managers wird nun deutlich zusammengestrichen. Die Verträge der Profis behalten ihre Gültigkeit auch im Insolvenzfall. Das Team wird zerfallen, aber der Verein hofft, noch in dem ein oder anderen Fall eine Ablöse erzielen zu können.

Was passiert mit der Fan-Anleihe, die im nächsten Jahr fällig wird? Die Vertragslage muss noch durch den Insolvenzverwalter untersucht und geklärt werden. Sollte das Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet werden, steht bis dahin fest, ob die Fan-Anleihe in die Insolvenzmasse fällt oder nicht. Im Moment ist sie noch nicht tangiert. Laut Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp werde auf jeden Fall nur ein Teil ausgezahlt.

Wie geht es weiter mit dem Stadion? Das ist abhängig von der Entwicklung im Insolvenzverfahren. Sollte man es schaffen, Alemannia über den Insolvenzplan doch noch dauerhaft zu retten und zu sanieren, bleibt alles wie es ist. Kommt es aber zum Insolvenzverfahren, würde das Stadion wahrscheinlich zwangsversteigert. Zu erwarten ist, dass dann die Stadt am Zuge ist.

Was sie dann mit dem Stadion macht, ist wieder offen. Andere Nutzungen als Fußball sind bislang weitgehend ausgeschlossen - wegen des Lärmschutzes kann es beispielsweise keine Rockkonzerte geben. Einen Plan für diesen Fall hat die Stadt derzeit noch nicht, hieß es gestern. Klar ist, dass Alemannia die Saison am Tivoli zu Ende spielt.

Was wird aus der Stadion GmbH, die seit der Umschuldung „AC GmbH” heißt? Diese GmbH, deren Hauptgesellschafter die Stadt und die AachenMünchener mit jeweils rund 19 Millionen Euro sind, wird es so lange geben, bis die Kredite in dieser Höhe an die Banken zurückgezahlt sind. Alemannia sollte an die „AC GmbH” Stadionmiete zahlen - zwei Millionen Euro pro Jahr in Liga 2, eine Million in Liga 3. Die „AC GmbH” ihrerseits bedient damit die Bankkredite. So war es zumindest geplant.

Was passiert mit den großen Gläubigern Stadt und AachenMünchener? Bleiben die Mietzahlungen der Alemannia an die „AC GmbH” aus, müssen die Gesellschafter trotzdem die Kredite bedienen. Bereits der Abstieg in die 3. Liga hatte die Konsequenz, dass eine Million Euro weniger pro Jahr zu erwarten war. Stadt, AachenMünchener und die anderen kleineren Gesellschafter hätten in diesem Fall diesen Ausfall kompensieren müssen.

Der städtische Anteil hätte beispielsweise bei rund 450.000 Euro gelegen. Kommt nun noch weniger oder gar nichts, wird der Verlust für die Gesellschafter immer größer. Im schlimmsten Fall müssten Stadt und AM so lange zahlen, bis die Kredite getilgt sind. Die AM ist allerdings durch eine Landesbürgschaft abgesichert, während der Stadt höchstens das Stadion - siehe oben - bliebe.

Ist auch der TSV betroffen? Rechtsanwalt Michael Mönig geht davon aus, dass ein Insolvenzverfahren nicht ausschließlich die Fußballteams bis hinunter zur U 13 trifft, sondern auch Auswirkungen auf den Verein insgesamt haben könnte. Allerdings nicht wegen der Schulden der Alemannia GmbH, mit diesen habe der Verein nichts zu tun. Wohl aber könnten Zahlungen der GmbH an den Verein ausbleiben, mit denen bisher Vereinsaktivitäten und -abteilungen unterstützt wurden. Präsident Meino Heyen sagte gestern, man werde alles versuchen, um negative Folgen für den Verein zu vermeiden. Er wiederholte, dass man überlegen müsse, ob man sich einen „Kostenträger Volleyball” noch leisten könne. Der Bundesligist wartet noch auf einen Zuschuss von 70.000 Euro.

Was droht, wenn man die Insolvenz hinauszögert? Um den Schutz der Gläubiger bei drohender Insolvenz zu gewährleisten, stellt die Insolvenzordnung die Insolvenzverschleppung unter Strafe: So kann bei Vorsatz eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren drohen. Insolvenzverschleppung liegt vor, wenn trotz Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens kein Insolvenzantrag gestellt wird.

Wie reagiert der DFB? Der Verband wird wohl den Kontrollausschuss einschalten, um die Vorgänge in Aachen zu klären. Auch fernab der Insolvenz gibt es im Nachlizenzierungsverfahren eine große Menge an Fragen in Richtung Tivoli. Auch von dieser Seite droht eine Sanktion, die eine Verwarnung, eine Geldstrafe oder Punktabzug sein könnte.

Erst im letzten Monat hatte Geschäftsführer Frithjof Kraemer dem Vernehmen nach einen positiven Saisonabschluss in die DFB-Zentrale nach Frankfurt gemeldet. In Wahrheit fehlten fast 800.000 Euro, was sich längst herumgesprochen hat...
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