Eine Hanfplantage am Ende der Aachener Welt

Von: Stephan Mohne
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Verriegelt und verrammelt: Die Feuerwehr musste mit Gewalt verbretterte Fenster einer alten Scheune in Eilendorf öffnen. Dahinter verbarg sich eine Hanfplantage mit rund 500 720 Pflanzen. Foto: Ralf Roeger

Eilendorf. Deltourserb ist das Ende der Welt. Zumindest aus Eilendorfer Sicht. Eigentlich ist es mehr ein Feldweg. Ein paar Wiesen, ganz wenige Häuser - und dann geht Aachen in Stolberg über. Doch genau dort rückte Donnerstagabend ein Großaufgebot der Polizei an.

Manchmal hilft den Freunden und Helfern der Zufall, um einen „dicken Fisch” an Land zu ziehen. Und manchmal sind es aufmerksame Nachbarn. So wie diesmal. Ergebnis der Geschichte: Die Kripo konnte eine professionell angelegte Hanfplantage ausheben.

Der Reihe nach: Am Nachmittag hatte ein Hausbesitzer eine merkwürdige Entdeckung gemacht. Der Stromzähler für einen vermieteten anderen Teil des ehemaligen Bauernhofs drehte sich ziemlich rasant. Allein: Nur selten hatte er die Mieter zu Gesicht bekommen. Warum also dieser Stromverbrauch? Er kontaktierte die Stawag.

Die Mitarbeiter des Energieversorgers stellten rasch fest: Mit dem Stromzähler stimmte irgend etwas nicht. Unter anderem waren Siegel gebrochen worden. Also: Die Polizei alarmieren. In der Zwischenzeit klopften Zeugen an der Tür des Nebengebäudes, das früher eine Scheune war. Keine Reaktion. Kurz darauf aber verließ ein Mann doch das Haus. Auf den Stromverbrauch angesprochen, hielt sich der Mann mit niederländischem Akzent äußerst bedeckt und fuhr davon.

Hermetisch abgeriegelt

Kurz darauf rollte die Polizei an. Die Beamten stellten schnell einen süßlichen Geruch fest. Der Verdacht lag nahe: Vielleicht handelt es sich hier um eine Hanfplantage und damit um einen Hort der Drogenproduktion. Denn aus Hanf werden Haschisch und Marihuana gewonnen. Ziel der Ermittlungen war der Dachboden der Scheune. Der war hermetisch abgeriegelt, unter anderem mit einer Falltür, die sich nur mittels einer Funkfernbedienung öffnen ließ.

Der Schlüsseldienst wurde hinzugezogen. Schnell war aber klar, dass dort oben auch Chemikalien gelagert waren, mit denen die Pflanzen offenbar behandelt worden waren. Also rückte nun auch noch die Feuerwehr an, die zunächst einmal ein mit Holzlatten vergattertes Fenster mit Brachialgewalt öffnete. Dahinter fanden sich noch mehrere Schichten Styropor zur Abdeckung.

Schließlich konnten die Beamten der Streifenwagenbesatzungen, der Kriminalpolizei und der Spurensicherung auf den Dachboden vorrücken. Sie fanden zwei Anbaufelder mit Hanfpflanzen. Etwa 500 Pflanzen wurden nach erster Zählung gesichtet. Nun wurde auch klar, wie der übermäßige Stromverbrauch begründet war. Die Plantage war nämlich derart professionell angelegt, dass Computer zum Wohle des teils erntereifen Hanfs die Bewässerung und andere Funktionen steuerten. Die eingesetzten Polizisten leisteten körperliche Schwerstarbeit, denn auf dem Dachboden herrschten schier unerträgliche Temperaturen. Manch einer war dem Kreislaufkollaps ziemlich nahe.

Vermutlich heute sollen die Pflanzen, über deren Wert noch keine Angaben gemacht werden konnten, abtransportiert werden. Die Ermittlungen nach den Mietern der Scheune liefen Freitagabend bereits auf Hochtouren.
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