Aachen - Eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge stößt noch auf Hürden

Eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge stößt noch auf Hürden

Von: David Grzeschik
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Dass alle Ratsfraktionen gemeinsam einen Antrag stellen, kommt selten vor. Dass das Thema Gesundheit von Flüchtlingen parteiübergreifend auf die Agenda gebracht wurde, zeigt also seine Relevanz. CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP und Piraten stellten damit die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in den Vordergrund.

Im Moment erhalten Hilfeempfänger sogenannte Krankengutscheine. Sie sind versehen mit dem Hinweis, dass Behandlungskosten nur bei akuten Erkrankungen oder Schmerzen übernommen werden. Handelt es sich allerdings um Heilmittel, Zahnersatz oder wird eine Überweisung zu Fachärzten fällig, muss das Sozialamt zustimmen. Eine Alternative stellt das „Bremer Modell“ dar. Bei diesem erhält jeder Leistungsberechtigte eine elektronische Gesundheitskarte, mit der er bis auf wenige Ausnahmen mit gesetzlich Versicherten gleichgestellt wird. Die Stadt muss dafür in Verhandlungen mit den Krankenkassen, speziell der AOK, treten und die Leistungsberechtigten an- bzw. abmelden. Was dieses Verfahren kosten würde, kann derzeit nicht abgesehen werden.

Im Sozialausschuss stieß das „Bremer Modell“ auf breite Zustimmung. Die Politiker bemängelten allerdings, dass konkrete Vorgaben von höherer Ebene noch fehlten. Dezernent Manfred Sicking befürwortet das Bremer Modell zwar in der Theorie, glaubt aber nicht an dessen praktische Umsetzung. „Lokal wird es keine Lösung geben, dafür fehlt der gesetzliche Rahmen“, so Sicking. Der Ausschuss einigte sich einstimmig darauf, ungeachtet von Gesprächen auf Bundes- und Landesebene Kontakt mit den Krankenkassen aufzunehmen – und folgte damit nicht dem Vorschlag der Verwaltung, entsprechende Gespräche erst einmal abzuwarten.

Gute Nachrichten gibt es indes bereits für das Projekt „Aachener Hände“: 2014 war die Initiative des Katholischen Vereins für Soziale Dienste (SKM) mit dem Ziel gestartet, Flüchtlinge ohne Familien zu unterstützen. Konkret greift das Projekt Heranwachsenden unter die Arme, indem es betreuenden Paten zur Verfügung stellt. Im vergangenen Jahr wurde die Initiative unter anderem mit Hilfe von EU-Geldern finanziert. Der Ausschuss befürwortete eine Fortführung und stimmte dafür, erforderliche Mittel aus der Stiftungsverwaltung zur Verfügung zu stellen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert