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Eine Gaspipeline durchs Naturschutzgebiet

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
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Ferngas in Verlautenheide: Die dort geplante Verdichterstation steht heftig in der Kritik. Foto: Jaspers

Aachen. Eigentlich birgt die geplante Zeelink-Gaspipeline hierzulande ja schon alleine durch die umstrittene Verdichterstation in Verlautenheide viel Stoff für Zoff. Doch das wird wohl nicht der einzige Ärger bleiben, den das Projekt in Aachen auslöst.

Denn auch die Trassenführung der Gasleitung, die in einem ersten Bauabschnitt vom belgischen Eynatten bis an den Niederrhein führen soll, dürfte auf heftigen Widerstand stoßen. Denn Aachen bleibt dabei offenbar nur die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Denn als „Vorzugsvariante“ hat sich das Essener Energieunternehmen „Open Grid Europe“ (OGE), das die Pipeline bauen will, für eine Variante entschieden, die von Lichtenbusch aus zwischen Brand und Kornelimünster durchs Rollefbachtal, durchs Indetal und dann durch den Brander Wald und den Reichswald bis nach Verlautenheide führt – und damit „eine Schneise durch das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet Aachens schlagen will“, wie Dieter Müller (SPD) jetzt im Planungsausschuss anmerkte.

Stadt muss Stellung nehmen

Alternativ haben die OGE-Planer auch einen 600 Meter breiten Suchkorridor untersucht – die eigentliche Trasse wird erheblich schmaler werden –, der die Pipeline nördlich um Aachen herumführen würde und ebenfalls problematisch erscheint: Hier müsste zwischen Preuswald und Ronheide eine Schneise durch den Aachener Wald geschlagen werden. Danach würde die Trasse zwischen Vaalserquartier und Steppenberg hindurch über Seffent, vorbei an Laurensberg und Vetschau, um Richterich herum nach Berensberg und durchs Wurmtal nach Verlautenheide geführt.

Mitten durchs Naturschutzgebiet oder mitten durch den Öcher Bösch? Zu diesen beiden Varianten, von denen OGE die südliche bevorzugt, muss die Stadt im Zuge des laufenden Raumordnungsverfahrens bis zum 1. Juli eine Stellungnahme abgeben. Derzeit werde das Vorhaben in der Stadtverwaltung unter Beteiligung diverser Fachbereiche geprüft, eine vorläufige Positionierung sei aber noch nicht möglich, hieß es im Planungsausschuss. Allerdings machte dort der Abteilungsleiter Vorbereitende Bauplanung bei der Stadt, Fabian Kumkar, auch keinen Hehl daraus, dass das Thema bei vielen ungute Erinnerungen an „hitzige Debatten“ vor acht Jahren wecken könnte.

Denn just die aktuelle Vorzugsvariante ähnelt im Verlauf stark jener Trasse, die RWE im Jahr 2008 für den Bau seiner „Mitteleuropäischen Transversale“ – ebenfalls eine gigantische Erdgaspipeline – geplant hatte. Seinerzeit ging die Stadt gegen das Projekt auf die Barrikaden, weil die Gasleitung mitten durch das Naturschutzgebiet Indetal, das Wasserschutzgebiet Eicher Stollen und das Rollefbachtal führen sollte. Mit Erfolg: Die Bezirksregierung Arnsberg entschied, dass die Trasse nicht durch die Aachener Naturschutzgebiete verlaufen dürfe, sondern über Camp Hitfeld und die Debyestraße geführt werden müsse.

Das RWE-Vorhaben wurde nie realisiert, doch nun steht die Stadtverwaltung bei dem Zeelink-Projekt vor ähnlichen Problemen wie damals. Und es erscheint nicht unwahrscheinlich, dass sich erneut heftiger Widerstand formiert. Ähnlich wie bei der Verdichterstation in Verlautenheide, die die Haarener Bezirksvertretung und die Verwaltung vehement kritisieren und lieber auf Camp Hitfeld angesiedelt sähen, könnte auch die Trassenführung auf deutliche Ablehnung stoßen.

Wie groß der Widerstand wird, zeigt sich schon bald. Wenn die städtische Stellungnahme fertig ist, wird sie der Politik zur Beratung vorgelegt – von Mitte bis Ende Juni in allen Bezirksvertretungen, Planungs- und Umweltausschuss sowie Stadtrat. Die Grünen haben sich bereits positioniert: Gegen die Trassenführung von Zeelink I und den Bau einer Verdichterstation in Verlautenheide sammeln sie Unterschriften. Die Listen werden im Ortsteil verteilt, außerdem kann man auch im Fraktionsbüro der Grünen im Verwaltungsgebäude Katschhof unterschreiben.

Auch neue Stromtrasse geplant

Dass derzeit auch eine große Stromtrasse durch Aachen geplant wird, wie Kumkar im Planungsausschuss eher beiläufig erwähnte, gerät da fast zur Randnotiz. Unter dem Namen Alegro plant die Dortmunder Amprion GmbH eine „Strombrücke zwischen Belgien und Deutschland“, die vom belgischen Lixhe bis nach Oberzier reichen soll. Konfliktpotenzial birgt die Erdkabeltrasse, die von Lich-tenbusch aus durch Brand verlegt werden soll, indes nicht – zumindest nicht aus Sicht der Verwaltung. „Es gab umfangreiche und konstruktive Gespräche, und die Leitungstrasse ist in unserem Sinne verändert worden“, sagt Kumkar auf Anfrage. Dazu gehört vor allem, dass der Strom einen Bogen um das Wasserschutzgebiet Eicher Stollen machen wird. Ob es ähnliche Kompromisse auch bei der Gaspipeline geben wird, ist allerdings fraglich.

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