Aachen - Eine chronische Infektion ist nicht in allen Fällen heilbar

Eine chronische Infektion ist nicht in allen Fällen heilbar

Von: Bertram Binz
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Wichtige Impfung: Mit einer entsprechenden Vorsorge kann man sich gut vor Hepatitis B schützen. Foto: imago/Schöning

Aachen. 500. Das ist die Zahl, die im Raum steht. Denn etwa so viele Menschen befinden sich aktuell wegen einer akuten oder chronischen Hepatitis B-Virus-Erkrankung am Uniklinikum Aachen in Behandlung.

Es gibt eine Vielzahl von Hepatitis-Erkrankungen, sie haben unterschiedliche Übertragungsarten und gegen viele existiert kein Impfstoff. Bei dem HBV ist das zwar nicht der Fall, trotzdem ist Hepatitis B eine der am häufigsten auftretenden Infektionskrankheiten.

„Seit Beginn des Jahres haben wir acht neue bekannte Fälle von Hepatitis B in der Städteregion. Ich denke aber, dass die Zahl der tatsächlich an Hepatitis B neuerkrankten Menschen wesentlich höher ist und uns die meisten Fälle der Krankheit gar nicht bekannt sind, da diese bei einer gewöhnlichen Blutabnahme nicht diagnostiziert werden kann“, sagt Dr. Verena Bochat, Leiterin der Arbeitsgruppe Infektionsschutz beim Gesundheitsamt der Städteregion.

Erst die gezielte Suche bei Leberproblemen führe zu einer Diagnose der Krankheit. Es wird angenommen, dass weltweit 30 Prozent aller Fälle von Leberzirrhose und 53 Prozent der Fälle von Leberkrebs auf HBV zurückzuführen sind. Das Wichtigste sei, dass sich Menschen impfen lassen, so die Expertin. „Das Problem ist, dass eine chronische HBV-Infektion in den meisten Fällen nicht heilbar ist. Alles was wir tun können, ist die Virenlast durch Medikamente abzusenken. Eine prophylaktische Impfung kann diese Problematik beheben“, sagt sie weiter.

Auch die RWTH Aachen geht in einem Schreiben über die Impfung gegen Hepatitis B davon aus, dass eine Impfung bei circa 90 Prozent der Erwachsenen anschlägt, während es bei Kindern annähernd 100 Prozent sind. Die Impfung erfolgte früher etwa alle zehn Jahre, während man heute den Zeitrahmen immer weiter ausdehnt. Untersuchungen haben ergeben, dass die Antikörper der Impfung noch weit langlebiger als zehn Jahre sind und somit eine Nachimpfung alle zehn Jahre in den meisten Fällen unnötig ist. Würde sich jeder impfen lassen, könnte man rund 400 Millionen Euro Behandlungskosten jährlich in Deutschland sparen.

Hohe Dunkelziffer

„Man rechnet in Deutschland bei der Hepatitis B mit insgesamt 300.000 bis 500.000 Betroffenen, wobei besonders Migranten aus Osteuropa, der Türkei, Afrika und Asien häufiger betroffen sind. Die häufigsten Ansteckungswege sind sexuelle Übertragung, Übertragung durch Blut, bei Drogenmissbrauch und Ansteckung von Neugeborenen bei der Geburt“, sagt Prof. Dr. Frank Tacke von der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Aachen. Auch seines Erachtens nach spiegeln die Zahlen vom Robert-Koch-Institut nicht die tatsächliche Häufigkeit der Erkrankung wider.

Das liege vor allem daran, dass Neuinfektionen oftmals unerkannt blieben und möglicherweise nicht in allen Fällen gemeldet werden. Weltweit haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa zwei Milliarden Menschen eine HBV-Infektion durchgemacht oder durchlaufen sie aktuell, circa 240 Millionen Menschen sind chronisch mit dem Hepatitis B-Virus infiziert. Trotz Existenz einer wirksamen Schutzimpfung sterben pro Jahr 780.000 Menschen weltweit an der Krankheit – 650.000 aufgrund einer durch die chronische Hepatitis B-Infektion verursachten Zirrhose oder Leberkrebserkrankung und weitere 130.000 durch eine akute Infektion.

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