Aachen - Eine „Axt” mit Spielmacher-Qualitäten

Eine „Axt” mit Spielmacher-Qualitäten

Von: Oliver Schmetz
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Lasen im Dumont lustige und verrückte Fußballgeschichten für Fußballverrückte: Bernd Müllender, Sascha Theisen, Peter Schmitz und Alemannia-Profi Thomas Stehle (von Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Anweisung war deutlich, und sie kam vom Trainer: „Geh da ruhig hin, das ist sehr lustig.” Mit diesen Worten schickte Alemannias Coach Peter Hyballa seinen Spieler los, und Thomas Stehle ging in die Kneipe.

Aber nicht in irgendeine, sondern in eine Fußballkneipe. Und nicht nur zum Biertrinken, sondern zum Vorlesen. Fußballgeschichten, genauer: lustige Fußballgeschichten.

Das ist das Konzept, mit dem Sascha Theisen und Peter Schmitz unter dem Titel „Torwort” durchs Land ziehen: verrückte Storys für nicht minder (fußball-)verrückte Fans, vorgetragen von (Fuball-)Fachleuten. An diesem Abend ist „Torwort” im Aachener „Dumont” zu Gast, zum zweiten Mal, und so voll, wie die Kneipe ist, muss das erste Mal ein Erfolg gewesen sein.

Fachmann Stehle hält sich erst etwas abseits, betrachtet das Geschehen schmunzelnd von der Seitenlinie. Er ist erst in der zweiten Halbzeit dran, zusammen mit dem Journalisten Bernd Müllender.

„Tendenz zur Tragödie”

Der liest eigene Geschichten über die „Tendenz zur Tragödie” bei der Alemannia und über den Lieblingsfeind der schwarz-gelben Fans namens Mönchengladbach. Damit punktet man in Aachen immer. Stargast des Abends ist aber Stehle, der ob seiner durchschlagenden Zweikampfstärke in der Balltreter-Branche auch schlicht und schnörkellos „die Axt” genannt wird.

Auf den Profi haben die „Torwort”-Macher ihr Programm stilsicher abgestimmt. In Theisens Geschichte „Die Peule und der Kaiser”, in der sich jeder sofort zuhause fühlt, der mal eine Weile in den untersten Kreisligen vor sich hin dilettiert hat, spielt natürlich ein Vorstopper eine tragende Rolle.

Vorstopper - so nannte man früher das, was Stehle heute macht. Doch so wie zum Beispiel aus Hausmeistern Facility-Manager wurden, mutierten Vorstopper zu Innenverteidigern. Klingt eleganter, ist aber auch nicht so viel anders als vorher.

Der frühere Vorstopper muss denn auch einige Male kräftig lachen über seinen Kreisliga-C-Kollegen. Und darf dann später einen Text von Philipp Köster lesen. Der ist Chefredakteur des Fußball-Magazins „Elf Freunde” und nimmt die dümmsten Sprüche von Fußballprofis aufs Korn.

„Schön, dass gerade ich das vorlesen darf”, beschwert sich Stehle kurz, entwickelt dann aber auf dem Feld des Humors kreative Spielmacher-Qualitäten. Anekdoten streut er ein, und spätestens bei der zweiten weiß der Zuhörer: Wenn Stehle eine Anekdote ankündigt, schildert er danach mit glänzenden Augen seine schönsten Fouls.

Zum Beispiel diese Geschichte von Tolgay Arslan, dem vom HSV ausgeliehenen Fummelkönig im Alemannia-Mittelfeld, und seinem ersten Training bei den Schwarz-Gelben. Arslan musste da gegen „die Axt” spielen, und die muss heute noch grinsen, wenn sie sich daran erinnert: „Der hat sich sofort nach dem Training nach den Rückflugzeiten nach Hamburg erkundigt.”

Wo man schon einmal so einen Experten da hat, muss man das auch nutzen, denken die „Torwort”-Leute und präsentieren dem Gast die Top-Five der miesesten Fußball-Fouls. Und „die Axt” soll den Axt-Faktor bestimmen. Stehle betrachtet die Filmclips mit Kennermiene, nickt hier und da anerkennend - und ordnet sich letztlich doch selbst einen ziemlich hohen Axt-Faktor zu.

„Ich bin ja ein Verfechter des ehrlichen Tacklings”, hat er zwar vorher gesagt. Doch das war wohl ein Witz. Denn er hat da noch so eine Anekdote von früher, als er in Nürnberg unter Wolfgang Wolf spielte. „Da habe ich in Trainingsminute fünf mal einen dermaßen weggeflext, dass er vom Platz getragen werden musste”, erinnert er sich.

Wolf war außer sich, das Training wurde abgebrochen, Stehle bekam sogar eine Geldstrafe. Und jetzt sitzt man im Publikum und glaubt es kaum. So charmant und sympathisch plaudert der Mann da über fiese Fouls, dass man sogar mit ihm Fußball spielen würde. Wenn auch nicht gegen ihn.

Nach dem Schlusspfiff auf der Bühne bleibt Stehle noch ein bisschen länger in der Kneipe. Er schreibt ein paar Autogramme, trinkt noch was Antialkoholisches (stimmt wirklich, Trainer!) und sieht so aus, als hätte er einen richtig netten Abend gehabt. „Das war echt total lustig”, freut sich der Fußballer. Und das freut sicher auch den Trainer. Schließlich hat der ja mal wieder Recht gehabt. Und das mögen Trainer.
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