Aachen - Eindrucksvolle Nähe zur heutigen Realität

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Eindrucksvolle Nähe zur heutigen Realität

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Machen keinen Bogen um Gewaltszenen: das Ensemble des „chaOSTheaters” in seinem Stück „Clockwork Orange”. Foto: Julian Omonsky

Aachen. Sie spielen ihre Stücke nicht in den Musentempeln - sie lassen sie dort stattfinden, wo die Akteure leben: Regisseur Reza Jafari und die Schauspieler des „chaOSTheaters” präsentieren ihre Inszenierungen - der Name der Truppe lässt es erahnen - im Ostviertel.

Die Stücke zeichnen sich durch eine Nähe zur Realität ringsum aus und locken vor allem junges Publikum an. So geschehen bei der Premiere von „Clockwork Orange”, einem Stück von rund zweieinhalb Stunden Spieldauer, im Bürgerzentrum St. Fronleichnam an der Schleswigstraße. Alle der rund 80 Sitze waren ausverkauft.

Das Stück geht sowohl auf Stanley Kubricks 1971 uraufgeführten Film und Anthony Burgess´ Buch von 1962 zurück. Es entwirft Innenansichten einer zutiefst auf Gewalt fixierten Gesellschaft. Keiner entgeht ihr - nicht Alex und seine Gang, die sich in der „Korova Bar” einen Mix aus Milch und Drogen einpfeifen, und nicht die Mächtigen, die dem Bandenchef mit einer pervertierten Technik seinen Hang zum Verbrechen ein für alle Mal austreiben wollen.

Wiewohl Regisseur Jafari und sein vielköpfiges Ensemble gewalttätige und sexuell anzügliche Szenen nicht aussparen, ist ihre „Clockwork Orange”-Inszenierung kein reines Gewalt-Stück. Eingeblendete Filme, Dias und ein flankierend auftretender Chor, der die Hand ähnlich kommentiert wie in der griechischen Tragödie üblich, sorgen für Vielschichtigkeit.

Bei den Videos zeigt sich zudem die Relevanz von Kubricks Bildern und Burgess´ Worten für die Gegenwart: Handyvideos von der Niederschlagung oppositioneller Aufstände in Teheran stellen den Bezug zum Jetzt eindrucksvoll her.

Jafaris Version von „Clockwork Orange” bestimmt sich aber nicht nur durch die sensible und doch aufrüttelnden Bilder. Mindestens ebenso schwer fällt das emotional engagierte und zugleich sehr disziplinierte Spiel der Darsteller ins Gewicht. Stefan Heiner in der zentralen Rolle des Alex zum Beispiel gibt seiner Figur etwas zum bersten Lebendiges und dunkel Glamouröses.

Die Leistung fällt so geschlossen aus, dass es schwierig wird, einzelne Schauspieler heraus zu greifen. Dennoch: Armin Schoof, der auch als Obdachloser in Erscheinung tritt, gibt den Innenminister hart an der Schwelle zu Slapstick und Parodie. Thomas Bünten als narzistischer Dr. Brodsky, der den Verbrecher Alex umfunktionieren will, gehört ebenso zu den Juwelen der Aufführung wie Frank Kreß als opponierender Gefängniskaplan.
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