Einbürgerungsfest: 574 neue Nachfahren Karls des Großen

Von: Martina Stöhr
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Einbürgerungsfest im Krönungssaal: Oberbürgermeister Marcel Philipp begrüßte Aachens Neubürger mit einem bunten Programm im Rathaus. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Seine erste Nacht in Aachen war alles andere als vielversprechend. Sein Kontakt in Aachen war nicht zu erreichen, und so sah sich Reinaldo Hernández-Inojosa gezwungen, draußen zu nächtigen. Das war vor 20 Jahren. Jetzt hat der gebürtige Venezolaner die deutsche Staatsbürgerschaft.

Und von seiner neuen Heimat und den Menschen ist er trotz des verunglückten Einstiegs begeistert. „Hier ist ein Wort ein Wort und eine Abmachung eine Abmachung“, sagte er im Krönungssaal im Gespräch mit Moderator Christian Mourad.

574 Menschen aus 64 Nationen erhielten im vergangenen Jahr in Aachen die deutsche Staatsbürgerschaft. Jetzt feierten sie im Rathaus ihr Einbürgerungsfest. Und dass es diesen Akt mit seinem bunten kulturellen Programm gibt, ist der Integrationsbeauftragten Heidemarie Ernst ganz besonders wichtig. „Das Fest ist Teil unserer Willkommenskultur“, sagte sie, und die neuen Bürger wüssten das zu schätzen.

Oberbürgermeister Marcel Philipp war der erste, der die neuen Bürger willkommen hieß. Er verwies auf die besondere Bedeutung des Rathauses, das alle wichtigen Epochen widerspiegele. „Und Aachen ist eine Stadt, die sich ihrer Geschichte bewusst ist“, sagte er. Die Kultur pflegen und neue Einflüsse aufnehmen sei das, was die Stadt ausmache. Deren neue Bürger kamen im Krönungssaal in den Genuss, den Opernchor des Theaters, den Kinderchor der Domsingschule, den Stadtteilchor „InCHORsiv“ aus Rothe Erde sowie die Musiker Manfred Leuchter (Akkordeon) und Mohamed Najem (Klarinette) zu hören. Und die Tanzgruppe Karima El-Barkami sorgte mit ihren Tänzen für orientalisches Ambiente.

Gar nicht so einfach

Dass es mit der Einbürgerung gar nicht so einfach ist, wie man vielleicht denken mag, machte Paola Blume, Vorsitzende des Integrationsrates und gebürtige Italienerin, deutlich. Wer mit Geduld und Ausdauer alle Hürden auf dem Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft gemeistert habe, gelange anschließend vielleicht in eine Identitätskrise. „Was bin ich denn jetzt?“, habe sie sich selbst gefragt, als sie seinerzeit die italienische durch die deutsche Staatsangehörigkeit ersetzte. Und sie kam zu dem Schluss, dass sie eben alles ist: Italienerin, Deutsche und vor allem Europäerin.

Auch Julia Gensch aus Rumänien ist in Aachen heimisch geworden. Und sie richtete ein dickes Lob an die Aachener Verwaltung. Ihr Einbürgerungsantrag wurde demnach in Windeseile bearbeitet. Das Öcher Urgestein Dr. Manfred Birmans gab den frisch eingebürgerten Gästen gleich noch eine Lektion für Fortgeschrittene mit auf den Weg. Im Gespräch mit Christian Mourad schwadronierte er über die Vorlieben des Öchers und seine sprachlichen Eigenheiten. „Und auch Sie stammen jetzt von Karl dem Großen ab“, gab er den neuen Bürgern mit auf den Weg.

Damit sie diesen denkwürdigen Tag auch nicht vergessen, machte der Fotograf Andreas Herrmann ein Gruppenfoto im Krönungssaal. Und das Bild bekamen die Gäste jeweils als Geschenk mit auf ihren Weg.

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