Einbrüche: Von 16 bis 22 Uhr ist das Risiko am größten

Von: Robert Esser
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Aachen. Jede Nacht knacken Einbrecher in Aachen ein bis zwei Wohnungen – zumindest statistisch. Dass die in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegene Einbruchsquote in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 um satte 24 Prozent zurückgegangen ist, beruhigt deswegen weder Polizeipräsident Dirk Weinspach noch die Spezialisten der Kripo.

„Die Zahlen sind nach wie vor unbefriedigend“, betont Weinspach am Montag. Neben Alex Milar, Leiter des Kriminalkommissariats Vorbeugung KK 44, und Kriminaldirektor Armin van Ramsch wirbt der Behördenchef zum Start der Aktionswoche „Riegel vor – Sicher ist sicherer!“ für Beratungsangebote der Polizei (957734401; Info-Stand am Freitag, 24. Oktober, 9 Uhr, Sparkasse, Friedrich-Wilhelm-Platz; Samstag, 25.Oktober, 10 Uhr, Beratungsstelle KK 44, Jesuitenstraße 5).

Die Zahlen: 2011 zählte die Polizei im Zuständigkeitsbereich des hiesigen Präsidiums 2086 Wohnungseinbrüche, davon 935 auf Aachener Stadtgebiet. 2012 registrierte sie 1830 Einbrüche, 2013 sogar 2203 – davon gut die Hälfte in Aachen. Von Januar bis Ende September 2014 sind die Fallzahlen nun – gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres – um 24 Prozent auf 702 Wohnungseinbrüche gefallen (2013: 919 Fälle; 2012: 701 Fälle). Damit liegt man derzeit auf dem immer noch hohen Niveau von vor zwei Jahren.

Allerdings beginnt im vierten Quartal die sogenannte „dunkle Jahreszeit“, in der erfahrungsgemäß mehr Einbrüche zu verzeichnen sind. In den meisten Fällen schlagen Einbrecher zwischen 16 und 22 Uhr zu. Nach Angaben der Polizei prüfen die Täter mit Einbruch der Dunkelheit, ob Haus- oder Wohnungsinhaber daheim sind. Bleibt das Licht gelöscht und antwortet niemand aufs Türklingeln, legen die kriminellen Profis los. Somit bleibt fraglich, ob der positive Statistik-Trend in Aachen bis zum Jahresende anhält. Zumal Aachen als Grenzstadt besonders gefährdet ist, da Täter schnell in die Nachbarländer flüchten.

In die Statistik fließen übrigens sämtliche Einbruchsversuche ein. „Mehr als 40 Prozent der Einbrüche bleiben im Versuchsstadium stecken“, erklärt Vorbeugungsexperte Milar. Aber: „80 Prozent der Fenster lassen sich schon mit einem Schraubenzieher aufhebeln“, sagt der Polizist.

Darum verstärkt die Polizei auch vor diesem Winter ihre Anstrengungen in Sachen Prävention. „Schon geringe Investitionen in die Mechanik von Fenstern und Türen verringern das Einbruchsrisiko extrem“, stellt Milar fest. Polizeipräsident Weinspach appelliert zudem: „Alarmieren Sie sofort die Polizei über Notruf 110, wenn Sie Verdächtiges beobachten oder hören.“ Und Milar fügt hinzu: „Der aufmerksame Nachbar ist der größte Feind des Einbrechers.“

Wenn Menschen Opfer eines Wohnungseinbruchs werden, dürfen sie sich kaum Hoffnung machen, dass der Täter gefasst oder die Beute gefunden wird. Die Aufklärungsquote dümpelt seit Jahren auf 12 bis 13 Prozent dahin. Hauptproblem: Die Einbrecher agieren überaus mobil – weswegen das Landeskriminalamt die Bekämpfung von Einbrüchen mittlerweile zentral koordiniert. Über 75 Prozent der gefassten Tatverdächtigen wohnen nicht in der Nähe der jeweiligen Tatorte – was laut Kriminaldirektor van Ramsch ebenso die auswertbaren DNA-Spuren untermauern. Auffällig oft treten nach Erkenntnissen der Ermittler junge Osteuropäerinnen als Täterinnen in Erscheinung, die über Belgien nach Aachen gelangen.

Erfreulich: Zuletzt überführte die Aachener Polizei sieben von 25 bekannten Intensivtätern. Sie sitzen hinter Gittern. Doch viele andere Ganoven reisen gerade zur Hochsaison an...

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