Einbruchsradar: Niemand zählt die Klicks

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Die Tatorte haben die Ermittler – und jeder, den es interessiert – seit einigen Wochen schön übersichtlich auf dem Schirm, die Täter aber leider immer noch nur in den seltensten Fällen: Dass das auf Geheiß von NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in allen 47 Polizeibezirken des Landes Anfang April eingeführte Einbruchsradar eine Erfolgsgeschichte ist, kann deshalb kaum behauptet werden.

Jedenfalls nicht in Aachen: Hier hat die Polizei nach eigenen Angaben zwar seit Einführung des neuen Onlineservice drei Einbrecher geschnappt, die für eine Vielzahl von Taten in der Städteregion, aber auch in Düren und in Belgien in Frage kommen. Außerdem sind die Einbruchszahlen just in diesem Zeitraum im Vergleich zum Vorjahr laut Polizei „im zweistelligen Prozentbereich“ zurückgegangen. Doch ob das Einbruchsradar dabei eine wesentliche Rolle gespielt hat, sei „objektiv nicht feststellbar“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.

Das liegt auch daran, dass im Ministerium offenbar niemand daran interessiert ist zu ermitteln, ob das neue Instrument vom Bürger überhaupt genutzt wird. Zur Erinnerung: Jäger hatte das Angebot damit begründet, dass die Menschen sich anhand der Darstellung der Tatorte auf einer Karte ein eigenes Bild über Einbrüche in ihrem Viertel machen können. So wolle man sie dafür sensibilisieren, sich selbst zu schützen, aber auch die Augen offen zu halten und Verdächtiges sofort zu melden.

Bloß: Keiner zählt die Klicks, um zu erfahren, wie viele Bürger überhaupt nachschauen, wo eingebrochen worden ist. Was technisch kein Problem wäre, ist wohl nicht gewollt. Auf AZ-Anfrage hin habe man in dieser Sache eigens noch einmal in Düsseldorf nachgehakt, sagt Kemen. Ergebnis: „Das Ministerium hat das bisher so nicht vorgesehen.“

Deutlich messbar ist dagegen, ob sich nun mehr Menschen bei der Polizei melden. Das Ergebnis ist ernüchternd: „Es gibt kein erhöhtes Hinweisaufkommen, seit es das Einbruchsradar gibt.“ Auch wenn man im Aachener Präsidium gegen das Radar „stets nachvollziehbare Vorbehalte“ gehabt habe, habe man sich in dieser Hinsicht gleichwohl Erfolge erhofft, so der Polizeisprecher. „Aber dies ist leider nicht so.“

Dafür freut man sich verhalten darüber, dass die Zahl der Einbrüche in Aachen 2015 mit einem Plus von sechs Prozent nicht ganz so stark gestiegen ist wie im Bundesschnitt (plus zehn Prozent). Dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) für den Anstieg reisende Banden aus Südosteuropa verantwortlich macht, ist im Übrigen – zumal im Aachener Grenzraum – nichts Neues.

Dieses Phänomen beklagen die Ermittler schon lange. „Es ist meist nicht mehr der Jupp von nebenan, der einbricht“, sagt Kemen. Oft kämen die Täter als Arbeiter getarnt, bisweilen würden sie sich auch in Belgien oder Holland einmieten, kämen zum Raubzug über die Grenze und verschwänden dann.

Dass die Zahlen von Anfang April an zunächst stark zurückgegangen sind – in der Städteregion gab es bis Mitte Mai „nur“ 28 Einbrüche statt 57 im Vorjahr –, sollte aber nicht zur Euphorie verführen. Wenn die Polizei heute ihr Einbruchsradar aktualisiert, kann jeder sehen: Alleine zwischen dem 16. und 22. Mai gab es nur in Aachen 28 Taten – davon alleine 15 Einbruchsversuche im Stadtteil Richterich. Die Banden schlagen also hierzulande wieder heftig zu, weswegen man der Polizei gerne ein paar scharfe Gegenmittel an die Hand geben würde. Das Einbruchsradar zählt aber nicht dazu.

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