Einbruchserie gipfelt jetzt in Brandstiftung

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
5194893.jpg
Am Wochenende wurde das auf dem Abenteuerspielplatz des Kinderschutzbundes "Am Kirschbäumchen" im Umbau befindliche Haus zum wiederholten Mal Opfer von Einbruch, Vandalismus und jetzt offensichtlich sogar Brandstiftung. Andrea Weyer und Harry Hochradl begutachten die Schäden.
5194892.jpg
Ein Bild aus besseren Tagen: Der Abenteuerspielplatz „Zum Kirschbäumchen“ ist vor allem im Sommer ein beliebter Anlaufpunkt für Familien, die Leiterin Miriam Hartmann (rechts) betreut. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ist es Frust, Enttäuschung, Wut oder Ratlosigkeit? Von allem wohl etwas. Die Gefühlslage von Andrea Weyer, Harry Hochradl und gewiss auch von Miriam Hartmann spiegelt diese unschöne Gemengelage wider. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll auf dem Abenteuerspielplatz des Kinderschutzbundes Am Kirschbäumchen.

Mit viel Aufwand, Geld und vor allem ehrenamtlichem Engagement wird das Haus auf dem wunderschönen Gelände nahe der Siedlung Daheim auf Vordermann gebracht. Doch am Wochenende wurde das im Umbau befindliche Haus zum wiederholten Mal Opfer von Einbruch, Vandalismus und jetzt offensichtlich sogar Brandstiftung. „Im Grunde sind wir einfach platt und fertig“, tut Andrea Weyer, Geschäftsführerin des Aachener Kinderschutzbundes einen tiefen Seufzer. Es stinkt penetrant nach Rauch im Haus. Im Moment weiß sie nicht weiter.

Die Vorfälle vom Wochenende sind im Grunde nur die traurige Spitze einer Reihe von Vorkommnissen, die den Mitarbeitern des Abenteuerspielplatzes um Leiterin Miriam Hartmann und ihrem Kollegen Harry Hochradl die Umsetzung der sozialen Arbeit extrem erschwert. Der aktuelle Einbruch muss wohl von Samstag auf Sonntag erfolgt sein, denn ein ehrenamtlicher Mitarbeiter stellte am Sonntagmorgen nicht nur offene Türen, sondern auch einen beißenden Brandgeruch fest. Die herbeigerufenen Polizei versiegelte sofort das Büro der Leiterin, in dem nach Stand der Dinge Feuer gelegt wurde. Sämtliche Räume werden seit Oktober 2013 grundsaniert, die Fassade, Fenster und sanitäre Einrichtungen energetisch auf den neusten Stand gebracht. „Jetzt können wir in weiten Teilen von vorne anfangen“, zuckt die Geschäftsführerin mit den Schultern – wohl wissend, dass dazu im Grunde kein Geld mehr da ist. Denn der Kinderschutzbund ist finanziell grundsätzlich auf Kante genäht und stets auf Spenden angewiesen, um sein Angebot aufrecht erhalten zu können.

Dazu gehört eben auch das pä-dagogische Angebot auf dem Abenteuerspielplatz. Dort sollten jetzt vier Videokameras montiert werden, die seit dem Wochenende ebenfalls verschwunden sind. Seit Beginn der Renovierungsarbeiten im vergangenen Herbst ist wohl zehn Mal eingebrochen worden. Sowohl in Bezug auf die Schadenshöhe als auch auf die Täterschaft tappen die Verantwortlichen noch im Dunkeln. „Es sind allerdings drei Jugendliche beobachtet worden, die vom Platz flüchteten“, berichtet Andrea Weyer von Zeugenaussagen. Und sie weist damit auf ein grundsätzliches Problem. Viele Jugendliche in der Gegend wüssten nicht wohin mit sich und ihrer Energie. Und oft entlade sich das in Vandalismus und Gewalt. „Wir bekommen von der Stadt eine pä-dagogische Stelle mit 30 Wochenstunden finanziert. Das reicht hinten und vorne nicht.“ Der Bedarf für ein Angebot für Jugendliche ab 13 Jahre im Viertel sei wohl gigantisch. Dies ist wohl eine Erklärung, aber keine Entschuldigung für die permanenten Zerstörungen.

Wie es weitergeht, ist völlig offen. Der Platz muss jetzt erst einmal bis auf weiteres geschlossen werden. Die Osterferienspiele fallen aus. Jetzt komme man wohl nicht mehr umhin, eine Alarmanlage zu installieren. „Genau das wollten wir eigentlich nicht. Der Spielplatz sollte immer offen sein“, sagt die Geschäftsführerin. „Aber sonst geht es hier wohl immer weiter.“ Die Enttäuschung sitzt tief.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert