Ein Weltstar bläst bald zur großen Jazz-Sause

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Weitgereister Saxofon-Virtuose: Thomas l‘Etienne gibt sich am Muttertag mit den Echoes of Nawlins die Ehre.
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Serviert mit ihrem „Special Guest“ am Muttertag eine rasante Mischung aus Blues, Gospel, Funk, Pop, Soul: Die Jazz-Formation Echoes of Nawlins gastiert am 14. Mai auf Einladung der Kulturinitiative Kornelimünster in der alten Brauerei. Foto: Creole Clarinets/Hans-Peter Schüller

Kornelimünster. Zum rundem Geburtstag ihrer traditionellen Jazzmatinée hat sich die Kultur-Initiative Kornelimünster (KIK) etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Bei der 20. Auflage der beliebten Veranstaltungsreihe präsentiert die KIK einen echten Weltstar: Thomas l‘Etienne. Am Saxofon und an der Klarinette ist er das musikalische Aushängeschild der regionalen Jazzband Echoes of Nawlins.

Zu erleben ist das Ensemble mit seinem prominenten Gaststar wie gewohnt am „Muttertag“, dem 14. Mai (Sonntag der Landtagswahl). Von 11 bis 14 Uhr jazzen die Echoes of Nawlins mit Thomas l’Etienne auf der Laderampe im Innenhof der Alten Brauerei, Napoleonsberg 102-104, in Kornelimünster.

Und Tradition bei der KIK ist auch die Zusammenarbeit mit der Hilfsaktion „Menschen helfen Menschen“ der Aachener Zeitung. Immerhin stolze 20 Prozent des Eintrittsgeldes stellt die KIK in den Dienst der guten Sache.

Zu Echoes of Nawlins, featuring Thomas l‘Etienne, gehören Lonneke Beersma (Gesang), Hans Peter Schüller (Piano), Gerd Breuer (Drums), Bernd Kistemann (Bass) und Danh Thai (Saxofon). Zu den Gästen zählt neben Thomas l‘Etienne auch Clive Fenton (Sousafon für Brassbands). Die Truppe spielt New-Orleans-Musik von heute mit professionellem Anspruch und enormer Spielfreude.

Wer kennt nicht die Wiege des Jazz, New Orleans oder „Nawlins“, wie Einheimische ihre Stadt nennen? Hier und nur hier konnte entstehen, was sich seit nunmehr 100 Jahren behauptet und mittlerweile als wesentlicher Kulturbeitrag Amerikas angesehen werden darf. New-Orleans-Musik – das ist Jazz, Blues, Gospel, afroamerikanische Musik, karibische Rhythmik, Funk, Rhythm and Blues in einer spanndenden und mitreißenden Mixtur. Die Echoes of Nawlins bringen diese New-Orleans-Grooves auf die Bühne, aber nicht im historischen Gewand, sondern so, wie diese Musik heute lebt.

Bei der Interpretation von Kompositionen der heute in New Orleans angesagten Top-Musiker wie Leroy Jones, Craig Klein, Nicolas Payton oder Harry Connick jr. spürt das Publikum sofort die Begeisterung der Vollblutmusiker für diese KLangkunst. Ein wichtiger Impulsgeber für den Sound der Echoes Of Nawlins ist die Musik der Dirty Dozen Brassband, die in revolutionierender Weise traditionellen New-Orleans-Jazz mit Pop-, Funk-, Soul-, und Bebob-Elementen aufmischte. Dadurch wurde der New-Orleans-Jazz in den letzten Jahrzehnten wesentlich offener, facettenreicher und undogmatischer.

Wenn die Echoes of Nawlins spielen, hält es niemanden mehr auf den Stühlen. Mit Stücken wie „Tipitina“, „Jambalaya“, „Big Chief“, „I‘m walkin“, „All over now“ machen sie ihre Konzerte zu einem unvergesslichen Erlebnis und spielen sich in die Herzen ihres Publikums.

Thomas l‘Etienne spielt Klarinette, Tenorsaxofon und Altsaxofon. Er wurde als Spross einer Familie russischer, französischer und deutscher Herkunft in Hamburg geboren. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik. Er begann Gitarre zu spielen und versuchte sich, getreu seiner Herkunft, auf der Balalaika. Sein Lieblingsinstrument wurde aber schnell die Klarinette, die er 1971 autodidaktisch zu erlernen begann. Wenig später folgte das Saxofon.

Schon bald übte die traditionelle New-Orleans-Musik eine starke Faszination auf l’Etienne aus. 1979 fuhr er zum ersten Mal in die Metropole im Süden der USA, um dort die Musik zu studieren. Während dieses Besuches und den folgenden jährlichen Reisen in die Geburtsstadt des Jazz hatte er die Gelegenheit, mit vielen Veteranen der New-Orleans-Musik wie Kid Thomas, Emanuel Sayles, Chester Jones, aber auch mit den jungen Vertretern dieser Musik wie dem legendären James Booker zu spielen.

1982 brach Thomas l’Etienne seine Promotion in deutscher Literatur ab, um in der Band von Lillian Boutté sein Glück als professioneller Musiker zu suchen. Während der vielen Jahre, in der er Mitglied und Bandleader von Lillian Boutté and her Music Friends war, trat er auf fast allen bedeutenden Jazzfestivals Europas, der USA und auch Australiens, Neuseelands und Asiens auf.

Zahlreiche Platten und CDs wurden eingespielt. Auf diesen ist l‘Etienne unter anderem mit Edward Frank, dem genialen Pianisten aus New Orleans, der viele Jahre sein Mentor war, mit Lloyd Lambert, Doctor John, Jeanette Kimball und Humphrey Lyttleton zu hören. In zunehmendem Maße wurde er auch als erfolgreicher Arrangeur bekannt. Auch viele seiner zahlreichen Kompositionen wurden mittlerweile auf CDs eingespielt und auch von anderen Künstlern interpretiert.

Wie kaum ein anderer Musiker in Europa ist er ein Vertreter der lebenden New-Orleans-Musik. In New Orleans ist er innerhalb der Musikergemeinde hoch respektiert. Während sein Klarinettenstil nach wie vor durch die kreolische Schule eines Barney Bigards, Albert Nicholas oder Jimmie Noones geprägt ist, zeigt sein Saxofonspiel deutliche Einflüsse von Ben Webster, Charlie Parker, Gene Ammons und „Lockjaw“ Davies.

Auch die großen New Orleans Rhythm & Blues-Saxofonisten Lee Allen und David Lastie, mit dem Thomas l’Etienne häufig spielte, haben ihn nachdrücklich beeindruckt. Später entdeckte er seine Liebe für die traditionelle Musik Martiniques und besonders für die brasilianische Choro-Musik, die sein Spiel nachdrücklich inspiriert hat. Da dürften nicht nur glückliche Mütter im beschaulichen Ambiente der alten Brauerei bestens aufgehoben sein.

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