Ein waschechter Öcher leitet das KKG

Von: Stefan Herrmann
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Vom KKG-Schüler zum KKG-Schulleiter: Jürgen Betram ist mit Aachens ältestem Gymnasium über Jahrzehnte hinweg verbunden. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Über den Wandel „seines“ Kaiser-Karls-Gymnasiums (KKG) könnte Jürgen Bertram wahrlich Bücher schreiben. Kaum einer kennt die traditionsreiche Schule, die in diesem Jahr ihren 414. Geburtstag feiert, so gut wie der 56-Jährige.

In den 1970er Jahren drückte der gebürtige Aachener selbst die Schulbank am Augustinerbach, legte 1978 dort sein Abitur ab. Im Jahr 2000 kehrte er als Lehrer zurück ans KKG – und nun, 15 weitere Jahre später, hat er die Schulleitung von Aachens ältestem Gymnasium übernommen.

„Von Tradition alleine kann man sich jedoch nichts kaufen“, richtet sich Bertrams Blick vor allem auf die Zukunft statt in die Vergangenheit. G8, Ganztag, die Entwicklung des eigenen Schulprofils – Herausforderungen warten zu Genüge auf ihn und seine Kollegen. Doch, darauf legt Bertram viel Wert, endet für ihn der Bildungsauftrag keineswegs im Klassenzimmer. Das hat das Kaiser-Karls-Gymnasium mit seinem neuen Schulleiter an der Spitze erst vergangenen Sonntag wieder bewiesen.

Ein Zeichen setzen

In jedem Fenster des Schulgebäudes flackerte am frühen Abend des 25. Januars eine Kerze. Unter dem Titel „Aachen steht zusammen“ hatten Stadt und Vertreter der Religionsgemeinschaften die Menschen eingeladen, ein Zeichen gegen Terror, Hass und Ausgrenzung zu setzen. 4000 Bürger folgten dem Aufruf und verwandelten mit abertausenden Kerzen den Katschhof in ein beeindruckendes Lichtermeer. Auch 150 Schüler, Eltern und Lehrer des KKG nahmen an der Veranstaltung teil, zogen von der erleuchteten Schule zum wenige hundert Meter entfernten Katschhof. „Es war als Symbol eine sehr bewegende Veranstaltung“, sagt Bertram wenige Tage später.

Schule ist längst ein Abbild der Gesellschaft. Da bildet das Kaiser-Karls-Gymnasium keine Ausnahme. Dort treffen Christen auf Muslime, junge Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen leben und lernen miteinander. Jürgen Bertram schätzt diese Entwicklung, sieht sie als Bereicherung. Sich dafür als Schule einzusetzen – unter anderem bei einer Veranstaltung wie „Aachen steht zusammen“ – ist für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Im Schulalltag bewegen den Latein- und Religionslehrer viele weitere Themen. Denn kaum ein Feld wurde von Landesregierungen, Politikern und Experten in den vergangenen Jahren derart beackert und umgekrempelt wie das Bildungssystem. Das hat auch das KKG mit seinen aktuell rund 800 Schülerinnen und Schülern zu spüren bekommen. Schulen im 21. Jahrhundert arbeiten mehr und mehr daran, ihr Profil zu schärfen. „Einfach laufen lassen“ ist als Maxime längst out. Am Kaiser-Karls-Gymnasium setzt man vor allem auf den naturwissenschaftlichen Bereich.

„Dort können wir auf ein großes Netzwerk zurückgreifen“, verweist Bertram auf die so genannte MINT-Zertifizierung, die das KKG seit rund einem Jahr besitzt. Kooperationen mit der RWTH und dem Forschungszentrum Jülich bieten den Schülern zahlreiche Entfaltungsmöglichkeiten. Es finden gemeinsame Roboter-Workshops statt, KKG-Schüler nutzen die Chemielabore der Hochschule, besuchen Veranstaltung des Mathematik-Instituts, um nur einige Beispiel zu nennen.

„Schule muss sich weiterentwickeln“, findet Bertram. Dazu gehöre auch am KKG seit Jahren ein flexibler Ganztag. Das bedeutet besonders für die jüngeren Jahrgänge: Eltern und Schüler entscheiden, wie viel sie über den Unterricht hinaus an Angeboten in Anspruch nehmen.

Betram, der sich selbst als echten „Öcher Jong“ bezeichnet, möchte den Mix aus moderner Bildungseinrichtung mit traditionsreicher Geschichte am KKG weiter vorantreiben. Dass er durchaus ein Faible für Aachener Traditionen hat, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: Schüler der Domsingschule, Schüler des KKG, Lehrer am KKG und – selbstverständlich – glühender Alemannia-Fan. Auf dem Tivoli ist er seit 30 Jahren Stammgast.

Zumindest fast. Mit dem Abstieg in die 4. Liga überwog bei Bertram wie bei vielen anderen enttäuschten Fans der Frust über die sportliche (und wirtschaftliche) Talfahrt des Vereins. Doch letztlich ist Bertram in Sachen Schule und Sport dann doch eine treue Seele: Seit kurzem besitzt er wieder eine Dauerkarte.

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