Aachen - Ein toller Stadtteil, aber mit Renovierungsbedarf

Ein toller Stadtteil, aber mit Renovierungsbedarf

Von: Hans-Peter Leisten
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Burtscheider mit Leib und Seele: Wilfried Braunsdorf betont die hohe Aufenthaltsqualität der Burtscheider Fußgängerzone, auch wenn diese baulich dringend renovierungsbedürftig ist. Foto: Andreas Schmitter
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Für völlig überflüssig hält er aber den ungenutzten Bolzplatz neben der Parkpalette Kleverstraße. Hier sähe er lieber Parkplätze. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eigentlich könnte Wilfried Braunsdorf nach einem ausgefüllten Berufsleben mit gutem Gewissen die Beine hochlegen. Aber der Mann ist nicht nur Vorsitzender des Burtscheider TV – dem fünfgrößten Verein der Stadt – und Mitglied im Seniorenrat der Stadt Aachen, er ist seit einigen Wochen auch Vorsitzender der BIG.

Die drei Buchstaben stehen für Burtscheider Interessen Gemeinschaft e.V.. Zu viel Zeit? Der 71-Jährige lacht und gibt dann eine durchaus ernst gemeinte Antwort: „Burtscheid liegt mir einfach zu sehr am Herzen.“

Nach dem Abschied des langjährigen BIG-Vorsitzenden Rolf-Leonhard Haugrund stand der Zusammenschluss vor einer entscheidenden Frage: auflösen oder mit neuem Team auf zu neuen Ufern. Die Entscheidung fiel pro Burtscheid, pro Braunsdorf aus. Der Stadtteil, der kein offizieller Stadtbezirk ist und keine politische Interessenvertretung im Sinne einer Bezirksvertretung hat, behält somit seinen wichtigsten Dachverband. Wie die Arbeit in der BIG aussieht, was diese für Burtscheid tut und was alles schön und weniger schön in Burtscheid ist, erzählt der neue BIG-Vorsitzende beim einem Rundgang durch die einst selbstständige Stadt.

(Treffpunkt ist das „Ferbers“ am Rande des Ferberparks) Reicht die Arbeit im BTV und im Seniorenrat nicht aus, um den Ruhestand unruhig zu gestalten?

Braunsdorf: Eigentlich wollte ich schon etwas kürzer treten. Und bei der letzten Vorstandswahl im BTV habe ich deshalb bewusst nur noch für zwei Jahre kandidiert.

Dem widerspricht aber der Vorsitz einer Vereinigung von Geschäftsleuten.

Braunsdorf: Der BTV war der erste Sportverein, der der BIG beigetreten war. So kam ich als Beisitzer in der BIG-Vorstand. Nach dem Rücktritt des bisherigen Vorstandes war mir klar: Entweder ich stelle mich für den Vorsitz zur Verfügung oder wir beschließen bei der nächsten Mitgliederversammlung die Auflösung. Jetzt gibt es einen fast komplett neuen Vorstand, in dem wirklich sehr engagierte Menschen zusammenarbeiten, um Burtscheid voranzubringen.

Unter Verzicht auf die vielen bisherigen, durchaus etablierten Veranstaltungen?

Braunsdorf: Ganz und gar nicht. Vom 28. April bis 1. Mai findet selbstverständlich wieder das Mai-Weinfest (mit Kinderflohmarkt am 1. Mai) statt. Auch die Aktionstage, am 26./27. August sowie die Weihnachts- und Nikolausveranstaltungen werden wieder stattfinden. Darüber hinaus werden wir uns jetzt auch zusammensetzen, um mögliche weitere Veranstaltungen zu konzipieren. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Lassen Sie uns eine Runde durch Burtscheid drehen. Wie sehen Sie Burtscheid?

Braunsdorf: Bei Sonne ist es hier traumhaft schön. Die Cafés sind gefüllt, die Stadt hat die Beete und Anlagen wunderbar bepflanzt, die Stimmung ist toll, man spürt förmlich die Lebensfreude. Der Geräteparcours hier im Ferberpark ist als offene Fitnessanlage stets sehr belebt.

Und bei Regen?

Braunsdorf: Natürlich gibt es hier auch ordentlich Handlungsbedarf und unschöne Flecken. Lassen Sie uns zum Beispiel mal zur Parkpalette an der Kleverstraße gehen. Die beiden Parketagen sind ordentlich in die Jahre gekommen – aber unverzichtbar. Problematischer finde ich den Bolzplatz direkt daneben.

Was spricht gegen einen Bolzplatz?

Braunsdorf: Den braucht kein Mensch! Gespielt wird hier nicht. Hier wird eher nachts gekifft und getrunken. Wer Fußball spielen will, geht in den Ferberpark. Der bietet alle Möglichkeiten für Sport. Davon kann sich jeder gerne vor Ort überzeugen. Der Platz neben der Palette hingegen böte Raum für mindestens weitere 20 Parkplätze, die Handel und Gastronomie hier dringend brauchen.

Ist das Kundeninteresse so groß?

Braunsdorf: Bei den Parkplätzen ist richtig Handlungsbedarf. In Burtscheid ist nämlich die ganze Palette des Einkaufs vorhanden, vom Super- und Drogeriemarkt über die Boutique, die kleine Schneiderei bis zum Angebot von vier Optikern auf 150 Metern. Und die Gastronomie hat sich richtig toll entwickelt. Burtscheid bietet ein Vielfalt von Pizzerien über gutbürgerlich bis zum gehobenen Segment, zahlreiche Kaffees und Eisdielen. In einem Café werden sogar die Bohnen für jeden Kaffee frisch geröstet. Das macht auch die Individualität der Geschäfte und Lokale aus. Aber nicht jeder kann zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen. Parkplätze sind auch wichtig, um die Menschen aus anderen Stadtteilen hierher zu locken.

Wenn man sich allerdings den Bodenbelag hier in der Fußgängerzone ansieht, kommt ein Gefühl der 70er Jahre auf.

Braunsdorf: In der Tat. Noch ein Punkt mit enormem Handlungsbedarf. Gehen wir zum Beispiel mal zum Kapellenplatz. Die meisten Platten hier sind kaputt. Hier ist freitags immer Wochenmarkt, der eine echte Bereicherung ist. Aber der Belag war bei seiner Verlegung gar nicht auf die schweren Fahrzeuge der Beschicker ausgerichtet. Oder gehen wir doch mal weiter nach unten zum Burtscheider Markt. Hier lösen sich regelmäßig Pflastersteine, die echte Stolperfallen sind. Es muss sich doch nicht erst jemand etwas brechen, bevor gehandelt wird. Im Grunde müsste der gesamte Fußgängerbereich in Burtscheid saniert werden.

Inklusive der teilweise recht ramponierten Baumeinfassungen.

Braunsdorf: Die sind nicht nur überflüssig, sondern auch hässlich. Außer dass sich die Lieferfahrzeuge Beulen in die Karosserie fahren, haben die keine Wirkung.

Da stößt aber eine BIG der Geschäftsleute an ihre Grenzen. Burtscheid hat nun mal keine eigene politische Vertretung.

Braunsdorf: Ja und nein. Ein politisches Gremium haben wir nicht. Wir als BIG können uns aber schon als Ansprechpartner für die Politik anbieten. SPD und CDU sind im Übrigen schon auf uns zugekommen. Wir müssen die Politik für unsere Sache gewinnen. Wir wollen richtig loslegen, wenn das Maifest über die Bühne ist. So ein Fest bindet schon Kapazitäten – wir sind in der BIG schließlich alle Ehrenamtler.

Wie wichtig ist Netzwerkarbeit?

Braunsdorf: Enorm wichtig. Die BIG hat derzeit 73 Mitglieder, darunter Einzelpersonen genauso wie Geschäfte, Initiativen und Vereine. Jüngst ist auch der Burtscheider Turnerbund beigetreten.

Was hat denn ein Verein von einer Mitgliedschaft?

Braunsdorf: 240 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr sind nicht wenig. Aber man kann sich ja mal die Werbebanner auf dem Sportplatz Siegel beim BTV ansehen. Wer sich einbringt, profitiert auch von der Gemeinschaft. Wir wollen jetzt aber auch daran gehen, andere Burtscheider Gruppierungen an den Tisch zu holen, um gemeinsam bestimmte Themen voranzutreiben.

Zum Beispiel die IG Burtscheider Vereine, die Burtscheider Heimatfreunde und den Burtscheider Bürgerverein, ebenso den Seniorenrat Aachen-Burtscheid. Denn alle wollen sich ja für Burtscheid einbringen, aber gegenüber der Stadt Aachen sollten wir mit einer Stimme gemeinsam auftreten. Dann können wir etwas bewegen. Auch die Frankenbu(e)rger e.V. haben bei uns angefragt und uns ein Gespräch angeboten. Grundsätzlich kann jeder Mitglied in der BIG werden.

Gehört das Frankenberger Viertel zu Burtscheid?

Braunsdorf: Zu großen Teilen. Die Frankenbu(e)rger haben ein tolles kulturelles Programm entwickelt. Da passt sehr gut zu Burtscheid. Das Angebot, das auf Veranlassung von Kur- und Badedirektor Björn Jansen in den Kurparkterrassen an der Dammstraße geboten wird, ist ebenso erstklassig. Deren Betreiber Ralf Bremen und die Aachener Kleinkünstlerin Liza Kos haben mit der KurArt-Comedy ein tolles neues Format auf die Beine gestellt.

Burtscheid war ja in der jüngeren Vergangenheit stets so etwas wie das Kurmittelzentrum Aachens. Hier ist die Tendenz eher rückläufig. Wirkt sich so etwas auf das Flair aus?

Braunsdorf: Burtscheid hat sich etwas vom Kurcharakter weg entwickelt. Das führt schon zu einer Verjüngung des Publikums. Aber wir sprechen hier in jedem Fall von einem Stadtteil für alle Altersgruppen.

Auch für die Radfahrer?

Braunsdorf: (lachend) Eine Frage mit Hintergedanken. . . Radfahrer sind in der Tat ein Problem in der Fußgängerzone. Wenn man sich ansieht, mit welcher Geschwindigkeit hier mitunter Mountainbiker durchrasen, kann man nur die Augen zumachen. Gute Worte, Hinweisschilder und Appelle haben nichts genutzt. Auch hier der Satz von eben: Muss denn erst etwas passieren? Sehr schade, denn die Burtscheider Fußgängerzone hat grundsätzlich eine tolle Aufenthaltsqualität. Man braucht sich doch hier nur einmal umzuschauen: Von Kleinkindern bis zu Senioren haben hier alle ihren Platz.

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