Ein Theaterexperiment, bei dem ein Tisch, ein Stuhl und ein Skript genügen

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
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„Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“: Produktionsleiter Kilian Ritter und Dramaturgin Inge Zeppenfeld laden ins Mörgens. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Man hat den Vortrag etliche Male geübt, eigentlich sitzt der Text und trotzdem steigt die Aufregung und sorgt für feuchte Hände und einen trockenen Mund. Lampenfieber bricht aus. Das Theater Aachen hat ein Stück in den Spielplan aufgenommen, das sogar erfahrene Schauspieler und Performer ins Schwitzen bringen könnte.

„Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ von Nassim Soleimanpour braucht keine Proben, kein Bühnenbild, keine Regie. Lediglich ein Tisch, ein Stuhl und ein versiegeltes Skript sind vonnöten. Die Darsteller oder die Darstellerin wird genau so wenig wie das Publikum wissen, was in diesem mysteriösen Umschlag enthalten ist.

Lediglich zwei Stunden bevor sie die „Bühne der Ungewissheit“ betreten, bekommen sie eine vom Autor eigens angefertigte Liste mit Anweisungen. So soll das Stück zur einmaligen Vorstellung werden. Es geht um die Frage: Wieweit lassen wir uns manipulieren? Wie ein Kaninchen in einem Experiment?

Der junge Iraner entwickelte dieses spannende Theaterexperiment 2010, als er auf Grund einer Wehrdienstverweigerung sein Heimatland nicht verlassen durfte. Das Stück ist bereits in 25 Sprachen übersetzt, international mehrfach ausgezeichnet und schaffte es sogar bis auf den Broadway, wo es 42 Wochen lang gezeigt wurde.

Soleimanpours Ziel ist es, einen einmaligen Moment zu schaffen. „Im Endeffekt werden wir an jedem Abend, an dem das Stück aufgeführt wird, eine neue Premiere feiern“, sagt Produktionsleiter Kilian Ritter. „Das wirklich Besondere hierbei ist, dass nicht nur Darsteller und Publikum in Interaktion treten werden, sondern auch wir und der Autor.“

Denn Kilian Ritter muss Nassim Soleimanpour Rede und Antwort stehen. „Der Autor möchte ein direktes Feedback. Deshalb muss ich nach jeder Aufführung einen Bericht über die Vorkommnisse per E-Mail an ihn senden, da ja jeder Abend anders sein wird.“

„Wir sind sehr froh, dieses interaktive Stück auf unseren Spielplan nehmen zu können“, findet Dramaturgin Inge Zeppenfeld. „Hier werden auch die Zuschauer auf ihre Kosten kommen. Da jeder Darsteller natürlich nur ein einziges Mal performen kann, freuen wir uns sehr, verschiedene Akteure begrüßen zu dürfen.“ Aktuell stehen nur die Termine für April fest, da das Stück aber weltweit große Erfolge einfahren konnte, ist auch in den Folgemonaten mit Aufführungen von „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ zu rechnen.

Seine Premiere feiert das aufregende Stück am 30. März, 20 Uhr im Mörgens an der Mörgensstraße.

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