Burtscheid - Ein Symbol für Aachens Willkommenskultur

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Ein Symbol für Aachens Willkommenskultur

Von: Stefan Herrmann
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Fünf hölzerne Stelen vor der Wohnanlage symbolisieren die fünf Weltreligionen und die Aachener Willkommenskultur: Über die offizielle Einweihung der Unterkunft für 20 junge Flüchtlinge freuten sich (v.l.) Cornelia Wilschweski (Zentrum für soziale Arbeit), Babor-Geschäftsführer Horst Robertz, Jutta Kleine-Tebbe (Seniorchefin Babor), Ute von Lossow (Vorstand Evangelischer Frauenverein), Jugendezernentin Susanne Schwier und Udo Wilschweski (Zentrum für soziale Arbeit). Foto: Heike Lachmann

Burtscheid. Lichterketten hängen an den Fensterrahmen. Sie sorgen ebenso wie Kerzen auf Kommoden und Tischen für eine behagliche Adventsstimmung. Auch ein paar Blumenvasen hat das Team von Cornelia und Udo Wilschewski in der „modularen Wohnanlage“ für junge Flüchtlinge aufgestellt. Alles ist gemütlich hergerichtet worden. „Das ist wichtig“, findet Udo Wilschewski.

Zehn Jugendliche haben nach einer Zeit der Angst, des Elends und der Flucht bereits vor drei Wochen in Burtscheid eine neue Heimat gefunden, zehn weitere ziehen an diesem Wochenende ein. Am Mittwoch fand die offizielle Eröffnung der Anlage an der Karl-Marx-Allee statt, Donnerstag wird sie von den Pfarrern Reimer Studemund und Thomas Faltyn eingesegnet. Grund genug für Dezernentin Susanne Schwier, die exzellente Zusammenarbeit verschiedenster Initiativen, Einrichtungen, Unternehmen in Aachen mit der Verwaltung zu loben. „Die Willkommenskultur in unserer Stadt ist hervorragend. Das Engagement und die Leidenschaft vieler Bürger ist keine Selbstverständlichkeit“, stellte sie zufrieden fest. Denn von einem Akteur alleine, mahnte sie zugleich an, sei die enorme Herausforderung, die der Flüchtlingsstrom mit sich bringe, kaum zu stemmen. Dass Aachen im Umgang mit jungen Flüchtlingen Vorreiter ist, beweise auch eine aktuelle Studie des Deutschen Städtetags, erzählte Schwier. Bei 250 000 Einwohnern sei die Aufnahmequote mit derzeit über 400 aufgenommenen jungen Flüchtlingen sehr hoch im Vergleich zu anderen Städten.

Wilschewski, Leiter des Zentrums für soziale Arbeit, das das Wohnprojekt vor rund vier Monaten auf den Weg gebracht hat und betreut, ließ die kräftezehrende und zugleich ermutigende Zeit kurz Revue passieren. Man habe von zahlreichen Seiten viel Unterstützung erfahren. Einer der wichtigsten Partner für das Zentrum für soziale Arbeit ist das Aachener Kosmetikunternehmen Babor. 10.000 Euro überreichte dessen Geschäftsführer Horst Robertz am Mittwoch für das Burtscheider Flüchtlingsprojekt. Geld, versprach Robertz, mit dem Wilschewski und seine Mitarbeiter auch im kommenden Jahr wieder rechnen könnten. Bereits seit 25 Jahren unterstützt Babor das Zentrum. „Ohne diese Hilfe hätten wir in den vergangenen Jahren viele Sachen nicht umsetzen können“, dankte Ute von Lossow, Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Frauenvereins, der Träger des Zentrums für soziale Arbeit ist.

Das Geld wird vor Ort in Burtscheid dringend benötigt. Allein 40 000 Euro habe das Ausheben von Schächten und der Anschluss an die Kanalisation gekostet, berichtete Wilschewski. Die Infrastruktur insgesamt schlägt mit rund 100.000 Euro zu Buche. Das Zentrum ist im Auftrag der Stadt erste Anlaufstelle für die „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ – wie sie im Verwaltungsdeutsch genannt werden –, die in Aachen ankommen. Einer bis sechs seien es pro Tag, so Wilschewski. Die Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten stellt alle Akteure vor immense Probleme. Die Stadt hat allein im laufenden Jahr für die jungen Flüchtlinge 150 zusätzliche Heimplätze geschaffen. Trotzdem müssen einige der jungen Menschen, die vor allem aus dem Nahen Osten und aus Afrika Richtung Europa geflüchtet sind, weiterhin in Hotels untergebracht werden. „Eine Notlösung“, wie alle Beteiligten beteuern. Der überwiegende Teil der Jugendlichen, die in Aachen unterkommen, ist männlich. Der Anteil der Mädchen liegt lediglich bei knapp unter fünf Prozent.

In Burtscheid betreuen nun fünf Mitarbeiter die jungen Flüchtlinge rund um die Uhr. Deutsch pauken steht mehrmals in der Woche auf dem Programm. Ein Fitnesstrainer sorgt für Sportangebote. „Die ersten sind sogar bereits in Sportvereinen hier in Burtscheid aktiv“, erzählte Wilschweski. Das Wohnprojekt ist zunächst auf zweieinhalb Jahre angelegt. Ein wichtiger Baustein für Aachen, wie Susanne Schwier betonte. Und ein ansehnlicher, wie viele der Besucher feststellten. „Richtig gemütlich hier“, lautete das Urteil über die Pavillon-Bauten. Und dass sei ein wunderbares Zeichen an die jungen Menschen, die dort den Start in ein neues Leben wagen.

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