Ein stiller Pionier, dem ungezählte Superstars nach Aachen folgten

Von: mh
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Er brachte den Aachenern ungezählte große Stars „ins Haus“: Thomas Jurisch, vielseitiger Gastronom und engagierter Kulturmanager, ist am vergangenen Donnerstag gestorben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Er gehörte zu den wenigen Menschen, die mindestens zwei Generationen von Aachenern im besten Sinne beeinflusst haben, selbst wenn sie ihn persönlich nicht kannten, allenfalls seinen Namen hier und da „aufgeschnappt“ haben. Letzteres dürfte allerdings für jeden halbwegs aufgeweckten Menschen zwischen 30 und 70 gelten, der sich jemals auch nur ansatzweise für die Musik- und Kabarettszene in der Kaiserstadt erwärmt hat.

Denn Thomas Jurisch hat die Kultur im Dreiländereck hinter den viel zitierten Kulissen geprägt wie kaum einer. Am vergangenen Donnerstag, wenige Wochen vor seinem 62. Geburtstag, ist Thomas Jurisch gestorben. Nicht nur mit dem Jakobshof, einer der wichtigsten und traditionsreichsten Bühnen im Grenzland, wird sein Name für immer verbunden bleiben.

Anfang der Siebziger kam der gebürtige Saarländer zum Germanistik-Studium nach Aachen. Dem Hochschulviertel sollte er seinen Stempel alsbald indes vor allem als begabter und ideenreicher Gastronom und Veranstalter aufdrücken. Dass ungezählte Studenten dem Malteserkeller als Live-Bühne über Jahre hinweg treu blieben, war in hohem Maße sein Verdienst. 1978 eröffnete er mit Hans Kohl die „Molkerei“, die sich rasch zu einer der angesagtesten Adressen in der lokalen Kneipenlandschaft entwickelte, vier Jahre später, gleich um die Ecke an der Pontstraße, die „Rotation“.

Hollies, Cure, Dire Straits . . .

Intensiv arbeitete er vor allem mit Klaus Ulrich und Hermann Cremer zusammen – mit nachgerade sensationellem Erfolg. The Hollies, Cure, Dire Straits, Depeche Mode, Grönemeyer, Westernhagen, Doldinger sind nur einige Namen auf der schier unendlichen Liste berühmter Bands und Solisten, die Jurisch in die Region holte.

Ab 1987 engagierte er sich vor allem für den Jakobshof, der sich in Windeseile zur kulturellen Institution mauserte, unter finanziellen Gesichtspunkten freilich auch zum „Problemkind“ wurde. 1994 wurde das Projekt von einem Förderverein übernommen, in dem sich Jurisch eine Zeitlang als zweiter Vorsitzender weiter einbrachte.

Da hatte er längst auch die Großen des Kabaretts nach Aachen gelotst. Vor allem mit Konrad Beikircher arbeitete Jurisch lange und eng zusammen; Gaby Köster, Herbert Knebel, Ingo Appelt, auch Hanns-Dieter Hüsch brachte er auf die örtlichen Bühnen. 2008 machte er mit Katja Kamps das „Haus des Deutschen Ostens“ in der Franzstraße zum „Franz“, das sich längst mit einem prallen Veranstaltungskalender und vielen prominenten Live-Gästen etabliert hat.

Finanzielle Rückschläge freilich kennzeichneten Jurischs außergewöhnliche Laufbahn zuweilen ebenso wie enorme Erfolge bei der Profilierung neuer Formate und Bühnen. Nach zwei Jahren stieg ein Insolvenzverwalter vorübergehend ins „Franz“ ein – und Jurisch aus. Seither wurde es stiller um ihn. Dabei war er im Grunde seit jeher ein eher introvertierter Mann – „und vor allem ein großer Idealist, der zugleich immer einen Blick für das Machbare hatte“, erinnert sich Klaus Ulrich, der gemeinsam mit Jurisch auch das Startsignal für die jahrelang höchst erfolgreichen Kultursommer-Konzerte auf dem Katschhof gab – 1991 unter anderem mit Jazz-Ikone Chick Corea.

„Sicher hat er zuweilen auch polarisiert“, sagt Kabarettist Wendelin Haverkamp, den Jurisch als eine Art „Anchorman“ regelmäßig im Jakobshof präsentierte. „Aber er hatte immer ein offenes Ohr für Neues, er hat wirklich Pionierarbeit geleistet, als Kultur in Aachen noch fast ausschließlich mit großen Klassikern in Verbindung gebracht wurde.“

„Man sollte diesen Zeiten nicht nachtrauern“, hat Thomas Jurisch einmal im Rückblick gesagt. Er selbst wird nicht nur den Kulturschaffenden im Grenzland in Erinnerung bleiben.

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