Ein Stein vom Aachener Dom steht bald in Auschwitz

Von: Johannes Leitner
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Feierliche Übergabe des Aachener Domsteins: (v.l.) Dombaumeister Helmut Maintz, Josef Okroi, Janusz Marszalek und Dompropst Manfred von Holtum. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Es gab einen „besonderen Anlass“ für diesen Gottesdienst, wie Dompropst Manfred von Holtum zu Beginn erklärte. Und zwar nicht nur deshalb, weil es der Samstag nach Allerseelen war, sondern auch, weil eine Delegation aus dem polnischen Oscwiecim (Auschwitz) angereist war.

Der ehemalige Stadtpräsident Janusz Marszalek nahm einen Blaustein entgegen, der zum Teil Verwendung beim Bau des Doms fand. Dieser soll dem Erinnerungs- und Friedenshügel hinzugefügt werden, der in Auschwitz angelegt wurde.

Vor ein paar Monaten war das Friedenszentrum Oswiecim/Auschwitz an das Domkapitel mit der Bitte um einen Gedenkstein herangetreten. Der Malteser Hilfsdienst Aachen fungierte dabei als Vermittler. Vertreter desselben waren ebenso wie Radu Marinescu, Vorstand der Jüdischen Gemeinde Aachen, beim Gottesdienst anwesend.

Auf dem Erinnerungs- und Friedenshügel in Auschwitz werden symbolische Steine von bedeutenden Gebäuden ausgestellt. So haben bereits Kathedralen in Köln, Mainz, Trier, Fulda und Bamberg, die Frauenkirche Dresden, die Jüdische Gemeinde Nürnberg und andere Bauten großer Städte wie zum Beispiel Hiroshima Steine zur Verfügung gestellt.

Der Hügel wurde auf Initiative von damaligen Häftlingen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und Janusz Marszalek errichtet. Er soll das Andenken an alle Opfer von Völkermord, Diktaturen und Kriegen bewahren und in Sichtweite des KZs zum Einsatz für Frieden und Menschenrechte aufrufen.

Dompropst von Holtum betonte daher in seiner Predigt neben dem Gedenken an die verstorbenen Mitglieder des Domkapitels zu Allerseelen auch das Gedenken an die mehr als 1,1 Millionen Todesopfer des Vernichtungslagers. Er zitierte Sätze wie „Die Bürokratie der Vernichtung machte aus Menschen mit Namen Menschen mit Nummern“ und „Auschwitz ist ein Ort, den man nicht vergessen darf“. Die entsetzlichen Gräuel des NS-Regimes dürfen zu keiner Zeit in Vergessenheit geraten, so die Botschaft. Im Anschluss an die Predigt segnete er den Blaustein.

Die Vertreter des Friedenszentrums Oswiecim/Auschwitz um Marszalek waren sichtlich erfreut über den Aachener Domstein, der als Symbol dienen soll. Von Holtum erläuterte zum Abschluss des Gottesdienstes, der Stein solle daran erinnern, dass „wir gebaut sind auf ein Fundament des Friedens und der Versöhnung“. Eine passende Metapher für den Stein, der nun auf die Reise nach Polen geht, um ein Teil des Friedenshügels in Auschwitz zu werden.

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