Aachen - Ein starkes Plädoyer für die klassische Kommunikation

Ein starkes Plädoyer für die klassische Kommunikation

Von: Peter Schopp
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Kunst im Quartier: Den Auftakt macht die Interaktion im öffentlichen Raum der Künstlerin und Studentin der Literatur- und Sprachwissenschaft Gizem Güven. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Irgendwann denkt man an den Begriff Schnitzeljagd. Dabei hat das, was Gizem Güven da im Norden Aachens initiiert, einen nachdenklichen Hintergrund. Güven verteilt seit einiger Zeit Postkarten mit von ihr selber in analoger Fotografie aufgenommenen Motiven im gesamten Nordbezirk. „Postcards on the Road“ nennt sie ihr Projekt, welches im Rahmen der Reihe „Kunst im Quartier“ umgesetzt wird.

Bei dieser Reihe handelt es sich um mehrere temporäre Ausstellungen und Veranstaltungen in diesem Stadtteil rund um das Atelierhaus in der Talstraße. Güven studiert an der RWTH Literatur- und Sprachwissenschaft und hat ihr Hobby „Analoge Fotografie“ zum Anlass genommen, ihre Motive auf diese außergewöhnliche Art im öffentlichen Raum zu platzieren und so einen Prozess in Gang zu setzen. „Anfangs habe ich nur die Karten hingestellt, beobachtet, was mit ihnen passiert. Die meisten wurden irgendwann mitgenommen“, blickt sie auf ihre ersten Versuche zurück.

Die Idee wurde ausgebaut, und nun ist daraus eine Interaktion geworden. Denn an den Karten hängt ein Zettel, auf denen beschrieben steht, wie die Künstlerin sich das weitere Vorgehen der Finder vorstellt. Diese können ein Foto der gefundenen Karte schießen und auf Instagram hochladen oder über Mail an sie schicken. Wer persönlich im Atelierhaus mit der gefundenen Karte vorstellig wird, erhält zwei weitere Karten, die er dann an Freunde schicken kann.

Vielschichtiger Hintergrund

Der Hintergrund ist vielschichtig: Zunächst möchte Güven die Menschen zu einem bewussteren Umgang mit ihrer Umgebung animieren, sie plädiert für ein waches Erleben der Gegenwart. Zum anderen ist da aber auch die Freude am klassischen Verschicken und Erhalten einer Postkarte.

Sie möchte die Menschen animieren, diese Art der Kommunikation nicht ganz aus dem Alltag verschwinden zu lassen. Ihr ist das Versenden von Bildern über WhatsApp oder Instagram zu unromantisch, zu wenig mühsam. Denn Karte kaufen, Karte schreiben, Briefmarke draufkleben und zum Briefkasten bringen bedeutet für sie auch Wertschätzung für den Nächsten.

Darüber hinaus soll diese Aktion die Menschen im Viertel noch einmal auf das Atelierhaus mit seinen Veranstaltungen aufmerksam machen, ja vielleicht den einen oder die andere ins Gebäude leiten und auf die vielen Möglichkeiten hinweisen, mit denen sich die Bürger hier beschäftigen können.

Denn die nächste Aktion ist schon geplant. Im September stellt Laureline Lé ihre „Elliptischen Linien“ vor, ein Projekt, das die Menschen in der Entstehung begleiten können und sollen. Doch zunächst ist Güven gespannt, welche Reaktionen ihre Idee in Aachen-Nord nach sich ziehen wird.

Erste Antworten sind bereits eingegangen. Die Künstlerin hat ihre Karten bereits in vielen Städten in den Alltag eingebaut, unter anderem in Maastricht, Dortmund und Istanbul. Dabei ist ihr eine gewisse Ästhetik schon wichtig, sie sucht immer geeignete Orte zum Abstellen ihrer Werke. Auf www.instagram.com/postcardsontheroad kann man die Ausstellungsorte der Karten verfolgen und, wenn man den Ausstellungsort erkennt, schnell einen Schnappschuss machen und an die Künstlerin senden. Damit die Schnitzeljagd auch erfolgreich ist.

 

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