Sanierung im Aachener Dom: Die Orgel im Dom wird saniert

Ein Stapel Pfeifen in der Karlskapelle: Orgel im Aachener Dom wird saniert

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Fingerspitzengefühl: Horst Hoffmann von der Orgelbaufirma Klais verwandelt die Karlskapelle in eine provisorische Werkstatt und lagert dort vorsichtig die Orgelpfeifen. Domorganist Michael Hoppe (kleines Bild) freut sich, die sanierte Orgel an Ostern in Betrieb zu nehmen. Foto: Michael Jaspers
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Da ist der Schimmel: Orgelbauer Dominik Haubrichs muss die Sporen fachmännisch entfernen.

Aachen. Auf diese Baustelle dürften so einige Arbeiter in Aachens Straßen ein neidisches Auge werfen. Schließlich bietet sich nicht jedem die Gelegenheit, Schraubenschlüssel und Handschuhe in einer solch altehrwürdigen Umgebung niederzulegen wie der Karlskapelle im Aachener Dom.

Doch Dominik Haubrichs‘ Handwerk führt ihn nicht nur an ganz besonders imposante Orte. Er arbeitet als Orgelbauer zudem noch mit Pfeifen, die im wahren Wortsinn historische Bedeutung haben. Und deshalb Fingerspitzengefühl erfordern.

Das kommt seit dieser Woche im Aachener Dom zum Einsatz. Denn die denkmalgeschützte, in drei Teile aufgeteilte Orgelanlage weist erhebliche Schäden auf. Am Gebälge nagt der Zahn der Zeit, der Winddruck ist nicht mehr stabil, und in der Südost-Orgel ist das Leder angegriffen. Zahlreiche Pfeifen sind stark verschmutzt.

Schimmelbefall in mehr als 9000 Pfeifen

Das große Sorgenkind ist jedoch das Nordost-Werk, in dem Experten bei einer Routineuntersuchung Schimmel entdeckt haben. Gut ein Drittel der mehr als 9000 Pfeifen sind von den Sporen befallen, die nun fachmännisch von Haubrichs und aktuell drei weiteren Mitarbeitern der Orgelbaufirma Klais entfernt werden. „Wenn wir nicht reagieren würden, hätten wir ein großes Problem“, sagt Domorganist Michael Hoppe, „nicht nur für die Orgel, sondern auch für die vielen wertvollen Kunstwerke im Dom.“ Und so haben Haubrichs und seine Kollegen die Karlskapelle in eine provisorische Werkstatt verwandelt, in der sie die Pfeifen sorgfältig mit einer Alkohollösung reinigen, für den perfekten Ton wieder in Form bringen und vorübergehend lagern.

Auf einige Tonfarben des Orgelspiels müssen die Dombesucher deshalb vorerst verzichten. Bis Ende des Monats wird die Nordost-Orgel saniert. Erst nach dem Karlsfest am 28. Januar gehen die Arbeiten am Südostteil weiter – auf ausdrücklichen Wunsch Hoppes, der in den darauffolgenden Wochen lediglich der Hochmünsterorgel feine Töne entlocken kann. Zu Ostern soll der Musikprofessor aber wieder alle Register ziehen können.

Orgelanlage wird erweitert

Auf die feierliche Einweihung freue er sich jetzt schon: „Ostern ist für mich dieses Jahr Weihnachten.“ Denn im Rahmen der aufwendigen Sanierung der Orgelanlage gönnt sich das Domkapitel ein kleines Geschenk, oder vielmehr gleich drei. „Wir werden die Orgelanlage nach Plänen einer Vorgängerorgel erweitern“, sagt Hoppe mit Blick auf die Anlage, die 1939 von Orgelbaumeister Johannes Klais erbaut wurde und zum Teil aus Material einer deutlich älteren Orgel von 1847 besteht. Wenn die Arbeiten beendet sind, wird die Orgel im Aachener Dom somit aus insgesamt 92 Registern bestehen, die für die ganz besondere Klangfarbe sorgen.

Bis es soweit ist, steht Orgelbauer Haubrichs angesichts des begrenzten Raums in der Orgel noch eine knifflige Aufgabe bevor. „Das ist schon Akrobatik, die Register da reinzukriegen.“ Allein im Südostteil müssen für das neue Tuba-Register 58 Pfeifen, ein externes Gebläse und zwei neue Gebälge untergebracht werden. Im Nordostteil seien es für ein Streich- und ein Flötenregister entsprechend doppelt so viele Pfeifen.

30.000 Euro teurer als gedacht

Alles in allem kosten Sanierung, Reinigung und Erweiterung rund 250.000 Euro und damit 30.000 Euro mehr als ursprünglich geschätzt. Weil die denkmalgeschützte Orgel zum Weltkulturerbe Aachener Dom gehört, darf sich das Domkapitel über eine Finanzspritze durch den Bund freuen. 110.000 Euro fließen im Rahmen des Bundesprogramms zur Sanierung und Modernisierung national bedeutsamer Orgeln nach Aachen.

Die restlichen 140.000 Euro müssen über Spenden gestemmt werden. Der finale Kassensturz stehe noch aus, sagt Franz Kretschmann, Pressesprecher des Domkapitels. Mehr als 70.000 Euro Spendengelder seien bereits eingegangen, hinzu kämen größere Sponsoren. Dass Weihnachten für Hoppe dieses Jahr auf Ostern fällt, sei also sicher.

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